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Ein Leben für die Berge: Der gebürtige Amberger Ludwig Graßler hat die Route von München nach Venedig ausgekundschaftet - eine echte Pioniertat. Jetzt ist er in seiner Wohnung in Waldram im Alter von 94 Jahren verstorben. 

Er hat den Traumpfad München - Venedig erfunden 

Wolfratshausen trauert um Ludwig Graßler 

  • Volker Ufertinger
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Ludwig Graßler ist als erster den Weg von München über die Alpen nach Venedig gegangen - und viele Tausend sind ihm gefolgt. Jetzt ist er, 94 Jahre alt, verstorben.

Wolfratshausen– Für Alpinisten aus der ganzen Welt war Ludwig Graßler eine Legende. Als Erfinder der Fernwanderroute München-Venedig sowie München-Prag hat er unzähligen Wanderern unvergessliche Glücksmomente beschert. Am vergangenen Donnerstag ist der gebürtige Amberger im Alter von 94 Jahren in seiner Wohnung an der Rothbachstraße in Waldram nach schwerer Krankheit verstorben. „Der Tod war für ihn eine Erlösung“, erzählt sein enger Freund Konrad Fischer, Mitglied des Freundeskreises Münchner Fernwanderungen.

„Flachländer“: So nannte sich Ludwig Graßler in Anspielung auf seine Oberpfälzer Heimat gerne selbstironisch. Die Sehnsucht nach den Bergen weckte bei ihm ein Salesianerpater aus Benediktbeuern, der seinen Zöglingen von der Schönheit der Alpen vorschwärmte. Das wollte der junge Graßler mit eigenen Augen sehen. Gerade einmal 13 Jahre alt, machte er sich zusammen mit zwei Freunden mit dem Rad von Amberg aus auf den Weg in Richtung Süden. Der Anblick der Benediktenwand überwältigte ihn. „Ich war sprachlos“, erinnerte er sich später. Ludwig Graßler hatte seine Bestimmung gefunden.

Nach der Schule schloss sich der Oberpfälzer den Gebirgsjägern an, dann begann er eine Ausbildung als Gärtner. Doch seine Anstellung als Fachberater am Landratsamt Krumbach befriedigte ihn aus einem einfachen Grund nicht. „Dort waren mir meine geliebten Berge zu weit weg“, sagte er. Folglich bewarb er sich auf eine frei werdenden Stelle in Wolfratshausen. 1962 kam er in die Loisachstadt, wo damals noch die Wanderwege aus München endeten. Das sollte sich ändern.

Graßler fasste den tollkühnen Plan, München mit der Lagunenstadt Venedig zu verbinden. Eine gewaltige Herausforderung, schließlich standen nur mehr oder weniger genaue Karten zur Verfügung, Internet und GPS waren noch längst nicht erfunden, das Auskundschaften der Route erforderte mühselige Kleinarbeit. Einen ersten Anlauf musste der Pionier 1972 wegen schlechten Wetters und einer Fußverletzung kurz vor Venedig abbrechen. 1974 unternahm er im Alter von 48 Jahren zusammen mit Sylvia Congost und Arnulf Killmann einen zweiten Versuch. Die Gruppe kam nach 28 Etappen quer über die Vorlapen, das Karwendel, die Zillertaler Alpen, die Dolomiten und die Piave-Ebende auf dem Markusplatz in Venedig an. „Die italienischen Journalisten lobten die sprichwörtliche deutsche Pünktlichkeit“, erzählt er gerne.

Nach und nach sprach sich herum, wie schön der Traumpfad von Ludwig Graßler ist. 1977 veröffentlichte er das Buch „Zu Fuß über die Alpen“ mit vielen Fotos und Beschreibungen, inzwischen ein Klassiker. Der Wolfratshauser machte sein Werk publik, gab Radio-Interviews und hielt Vorträge. Der Summit-Club des Deutschen Alpenvereins nahm die Route 1987 in sein Programm auf, es folgten Veranstalter auf der ganzen Welt. „Heute gehen pro Jahr schätzungsweise an die 1000 Wanderer von München nach Venedig “, erzählt Konrad Fischer. Graßler selbst ging ihn fünf Mal, zuletzt nur noch abschnittsweise.

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Alle, die Graßler nachfolgen wollten, waren beim Aufbruch auf dem Münchner Marienplatz Richtung Venedig zu einen kleinen Ritual eingeladen. Immer am 8. August um 8.08 Uhr setzten sich die Fernwanderer in der Landeshauptstadt im Beisein des berühmten Erstbegehers in Marsch. Auch dabei handelte es sich um eine Idee von Ludwig Graßler, denn: Die 8 steht für Unendlichkeit – und damit symbolisch für das, was man in den Bergen erlebt.

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Graßlers letzter Wille war, dass er verbrannt und seine Asche am Traumpfad beigesetzt wird. Seine letzte Ruhestätte findet er in der Kapelle der Hallerangeralm im Karwendel, der exakte Zeitpunkt der Beisetzung steht noch nicht fest. Auch in Wolfratshausen soll mit einer Trauerfeier an den Träger der Bürgermedaille erinnert werden. Auch hier gibt es noch keinen Termin.

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