Maitanz Weidach 2018
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Fällt 2021 aus: Bilder wie vom Maitanz in Weidach 2018 wird es heuer nicht geben.

Vereinsleben ist „komplett auf Null“

Keine Maibäume, keine Feste: Tristesse bei den Burschenvereinen

  • vonDominik Stallein
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Eigentlich würde allmählich das Festjahr der Burschenvereine beginnen. Doch daraus wird auf absehbare Zeit nichts. Die Stimmung ist entsprechend.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Keine Maibäume, keine Feiern: Für die Burschenvereine zwischen der Jachenau und Icking waren die vergangenen zwölf Monate so unspektakulär wie nie. Dass sich heuer noch irgendetwas tut, die Tradition sozusagen noch einmal wachgeküsst wird – damit rechnet im Landkreis niemand bei den zahlreichen Burschenvereinen.

Ein Sonderfall ist Sachsenkam. Anders als in vielen Gemeinden stellt der Burschenverein jedes Jahr einen Maibaum auf. Doch schon im vergangenen Jahr war das pandemie-bedingt nicht möglich. Die Burschen blieben nicht untätig. „Wir haben ein Gutachten eingeholt, das uns erlaubt hat, den Baum noch stehen zu lassen“, sagt Oberbursche Leo Bacher. Doch diese Genehmigung läuft heuer aus. „Dann muss er weg.“

Geselligkeit, Zusammenhocken: Das geht momentan nicht

Wirklich überzeugt, dass es in Sachsenkam heuer noch einen Ersatz für das Prachtstück geben wird, ist Bacher nicht. 30 Burschen müssten dafür in aller Herrgottsfrüh zusammenkommen, den Baum schlagen und den geschmückten Stamm noch am selben Tag in den Himmel hieven. „Da arbeitet man eng zusammen, und es braucht viele Helfer“, weiß Bacher aus Erfahrung. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass uns das erlaubt wird.“ Und selbst wenn die Behörden das wider Erwarten genehmigen sollten: „Die ganze Feier mit Musi und Tanz wird’s heuer nicht geben.“ Das gelte auch für die „Mexican Night“ des Vereins, die jedes Jahr bis zu 3000 Menschen ins Dorf lockte. „Das ist brutal schade“, sagt der 28-Jährige. „Unser Verein lebt von solchen Veranstaltungen, wo man zusammenkommt.“ Momentan sei das Vereinsleben „komplett auf Null“.

Im Wolfratshauser Ortsteil Weidach wird es, das steht jetzt schon fest, bis 2023 keinen Maibaum geben. Denn: Kürzlich musste der Baum wegen eines Gutachtens beseitigt werden. Nicht nur deshalb ist die Luft ein bisschen raus bei den Burschen: „Ich rechne damit, dass wir heuer gar nichts mehr machen können“, sagt Oberbursche Jonas Hummel. „Es geht ja nichts.“ Die jährliche Kirta des Vereins wäre zwar erst im August. „Aber da wird es noch so hohe Auflagen geben, dass es sich nicht lohnen würde.“ Für die Weidacher eine ärgerliche Situation, besonders deshalb, weil genau das ja die Burschenvereine ausmacht: „Das Gesellige und das Zusammensitzen.“

Ab einem Alter von 16 Jahren darf man Mitglied bei den Burschen werden – und kann es solange bleiben, bis man verheiratet ist. „Es melden sich immer noch viele Junge bei uns an“, freut sich Hummel. „So richtig genießen können wir das Vereinsleben halt erst wieder, wenn die Corona-Regelungen nicht mehr so scharf sind.“

Wolfgang Sobotta, Chef der Ascholdinger Burschen

Ähnliches berichtet der Chef der Ascholdinger Burschen, Wolfgang Sobotta. Die Nachfrage ist da, obwohl die klassische Mitgliederwerbung nicht möglich ist: „Eigentlich laden wir jedes Jahr die Jungen ein, die 16 Jahre alt werden, dass sie sich unseren Verein mal anschauen können.“ Bekannt ist der Verein im Dorf aber sowieso. Und auch darüber hinaus. Denn: Alle zwei Jahre feiern mehrere Tausend Besucher eine Maisfeldparty, die von den Burschen ausgerichtet wird. Für 2021 sieht Sobotta schwarz: „Die werden wir heuer nicht machen können“, vermutet er. Zum einen, weil er sich nicht vorstellen kann, dass bis August wieder große Feste erlaubt sein werden. „Zum anderen hätten wir uns schon viel früher damit anfangen müssen, ein Event in der Größenordnung vorzubereiten.“ Zwar sei es denkbar, dass man im Sommer wieder unter freiem Himmel feiern darf. „Aber dann machen wir lieber etwas Kleineres, das nicht so viel Vorlaufzeit braucht“, sagt der 25-Jährige.

Auch die große Einnahmequelle ist weg

Wichtig sind solche Dorffeste auch deswegen, weil sie jedes Jahr viel Geld in die Kasse der Burschenvereine im Landkreis spülen. „Das fällt natürlich komplett weg“, sagt Sobotta. Dramatisch sei die Flaute auf der Einnahmenseite jedoch nicht: „Wir haben ja im Moment sowieso gar keine Möglichkeit, Geld auszugeben.“

Einer der jüngsten Burschenvereine im Landkreis, nämlich der aus Bad Heilbrunn, würde in diesem Jahr eigentlich seinen zehnten Geburtstag feiern. Doch auch daraus wird nichts. „Wir haben schon im vergangenen Jahr entschieden, dass wir keine große Feier planen“, sagt Florian Thoma. Schließlich sei für ein gebührendes Fest ein erheblicher Aufwand von Nöten. „Wenn sich eh abzeichnet, dass wir es absagen müssten, wäre es schade um die ganze Arbeit.“

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Nicht ausschließen will der Oberbursche, dass die Geburtstagsfeier im kommenden Jahr stattfindet. „Wenn wir früh genug wissen, dass es dann möglich ist, machen wir uns an die Planung“, so der 26-Jährige. In diesem Fall soll auch eine Lücke im Dorf geschlossen werden: „Wir würden gerne im Ortsteil Ramsau noch einen Maibaum aufstellen“, sagt Thoma. Wegen der Corona-Pandemie war das 2020 nicht möglich – und auch heuer fällt die Feier ins Wasser.

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