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Unternehmen ächzen unter steigenden Spritpreisen

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Von: Andreas Steppan, Volker Ufertinger

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Benzinpreis
Sündteurer Sprit: Ein Liter Superbenzin kostete am Donnerstag in Wolfratshausen und Geretsried zwischen 1,70 und 1,77 Euro. © Gateau/dpa

Die Spritpreise steigen und steigen. Das ist nicht nur Privatleute ein Problem, sondern auch für Fahrschulen und andere Unternehmen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Ich dachte, mich trifft der Schlag“: Martina Meier ist dieser Tage nicht die einzige Autofahrerin, die so fassungslos reagiert, wenn sie eine Tankstelle ansteuert. 1,60 Euro für einen Liter Diesel ließen die Geschäftsführerin der Wolfratshauser Fahrschule „km/h“ dieser Tage zusammenzucken.

Die Spritpreise kennen zurzeit nur eine Richtung: steil nach oben. Stark gestiegene Rohölpreise haben daran Anteil, und oben drauf kommt die CO2-Abgabe. Darunter leiden alle Autofahrer – und diejenigen, die mit ihren Betrieben viele Fahrzeuge auf den Straßen haben, trifft es besonders hart. Doch Fahrschulen und Unternehmen im Landkreis sehen sich der Situation weitgehend hilflos ausgeliefert. „Uns bleibt nichts anderes übrig als die Kröte zu schlucken“, sagt Meier. Außer die Preise an verschiedenen Tankstellen zu vergleichen, fallen ihr eigentlich keine Gegenstrategien ein.

Die „km/h“-Flotte auf Elektrofahrzeuge umstellen? „Bestellen Sie heute mal eine Auto, das kriegen Sie in einem Dreivierteljahr“, gibt Meier zu bedenken. Außerdem: Die Reichweite von E-Autos sei für den Fahrschulalltag noch nicht ausreichend. „Nachdem ich vormittags mit drei Fahrschülern auf der Autobahn unterwegs war, kann ich nicht einfach sagen: Ich mach’ jetzt mal zwei Stunden Pause zum Aufladen.“ Und nicht zuletzt: E-Autos haben ein Automatikgetriebe. Fahrschüler müssen aber auch lernen, eine Gangschaltung zu bedienen.

Martina Meier, Fahrschule km/h
Martina Meier, Geschäftsführerin der Wolfrathauser Fahrschule km/h. © privat

Und wie schaut es aus mit einer spritsparenden Fahrweise? „Das macht man eh schon, es ist seit Jahren Teil des Standardunterrichts.“ Aber: „So viel kann man mit der Fahrweise nicht rausholen, um das jetzige Loch in der Kasse zu stopfen.“ Wenn sich nichts ändert, bleibt als letztes Mittel nur die Führerschein-Preiserhöhung.

Müllentsorgung, Containerdienst, Gewerbeentsorgung, Recycling: All das bietet die Geretsrieder Firma Ehgartner an. 60 Lkw sind pausenlos im Einsatz. „Das ist schon heftig, was wir gerade erleben“, erklärt einer von drei Geschäftsführern, Oskar Janka. „Wir können unsere Autos ja nicht schieben.“ Der gesamte Fuhrpark fährt mit Diesel, und Janka sieht aus Gründen der Zuverlässigkeit dazu auch derzeit keine Alternative. Da haut ein Preis von 1,60 Euro schon rein. „Auf das Jahr gerechnet, macht der hohe Spritpreis sicher 300 000 Euro aus.“

Ändern lässt sich daran wenig bis nicht. „Wir gehören einfach der Katz“, sagt er. Am meisten Diesel verbrauchen die Müllfahrzeuge, und zwar nicht, weil sie besonders weite Distanzen zurücklegen, sondern wegen des ständigen Stop-and-Go von Haus zu Haus. „Die brauchen auf 100 Kilometer 65 Liter Diesel“, sagt er. Auch die Firma Ehgartner kann Preiserhöhungen nicht ausschließen. „Es könnte der Punkt kommen, wo höhere Entgelte nötig werden“, so Janka.

Fahrzeug Firma Ehgartner aus Geretsried
Die Firma Ehgartner Entsorgung verfügt über eine große Flotte. Sie alle fahren mit Diesel, der Zuverlässigkeit wegen. © Stephanie Kern

Christine Stöckner bietet mit dem Unternehmen „Mietwagen Lenggries“ zum Beispiel Flughafentransfers an. Wenn sie dafür die Preise erhöhen muss, sei das „für die Leute schlimm“, sagt sie. „Erklären Sie das den Kunden mal.“ Auch kleine Fahrten im Ort gehören zu ihrem Portfolio. „Die alten Leute in Lenggries, die haben doch nicht viel Geld, da kann man ja fast nicht mehr verlangen“, sagt die Unternehmerin. Und bei Schul- oder Krankenfahrten bestehe ohnehin kaum Spielraum. „Da gibt es Verträge mit den Krankenkassen und dem Landratsamt.“ Fürs Erste sieht sie als einzige Maßnahme, die Touren noch stringenter durchzuplanen, um Leerfahrten soweit wie möglich zu vermeiden.

Ein elektrisch betriebenes Taxi hat das Tölzer Taxiunternehmen Much im Fuhrpark – und besitzt auch eine eigene Ladestation auf dem Firmengelände. Dennoch: „Bei den geringen Reichweiten und nur drei öffentlichen Ladesäulen in Tölz bleibt der Diesel in der Praxis Standard“, sagt Inhaber Michael Much. Daher müsse sein Untenehmen „in den sauren Apfel beißen“ und die Spritpreise bezahlen. Die Preise anheben könne das Taxiunternehmen nicht so einfach, denn sie sind vom Landratsamt festgelegt. Eine Erhöhung müsse erst für alle Anbieter im Landkreis beantragt werden.

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Die zusätzliche Belastung trifft das Unternehmen gerade in einer Zeit, in der die Taxibranche nach der Corona-Zeit allmählich in Richtung Normalität zurückkehrt. „Wir hatten auf zwei Autos reduziert, jetzt sind wir in Tölz bei zehn Konzessionen – noch nicht ganz wieder bei Volllast“, sagt Much. Wie viel ihn die gestiegenen Spritpreise kosten? „Da fange ich lieber gar nicht das Rechnen an.“

Auch für den Regionalverkehr Oberbayern (RVO) werden die steigenden Spritpreise mehr und mehr zu einer „Belastung“, wie Niederlassungsleiterin Susann Liebscher erklärt. Dass es dabei Schwankungen gibt, gehöre zum Alltagsgeschäft. „Aber nicht in diesen Dimensionen.“

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Schon wegen der Klimaziele seien die Fahrer angewiesen, klima- und damit spritschonend zu fahren. Auch seien in den Bussen Assistenzsysteme eingebaut, die dabei helfen sollen. „Wir haben aber auch einen eng getakteten Fahrplan und unsere Kunden sind auf Pünktlichkeit angewiesen, weswegen das nicht immer leicht umzusetzen ist“, so Liebscher gegenüber unserer Zeitung. Wenn es so weiter geht, könnte es passieren, dass auch die Kunden den Preisanstieg zu spüren bekommen. „Zum Jahresende gibt es Berechnungen über unsere Ausgaben und Einnahmen. Sie dienen als Grundlage für unsere Tarifpreise.“

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