Teure Watschn

Vater ohrfeigt Sohn und muss 3000 Euro Strafe zahlen

Wolfratshausen – Weil er seinem damals 15 Jahre alten Sohn auf offener Straße eine Ohrfeige gegeben hat, sollte der Vater 2000 Euro Strafe zahlen. Dagegen legte der 49-Jährige Einspruch ein. Deshalb wurde die Sache vor Gericht verhandelt. Mit dem Ergebnis: Es wird teurer.

Der Zwischenfall ereignete sich am 21. Juni um die Mittagszeit an der Bahnhofstraße in Wolfratshausen. Eine Kundin eines Friseursalons war durch Geschrei auf der Straße aufmerksam geworden. „Er schrie, das Kind solle die Beifahrertür nicht so fest zuschlagen“, schilderte die Frau ihre Beobachtungen. Dann sei der Mann ums Auto gegangen und habe zugeschlagen. „Das war eine eher brutale Ohrfeige, sodass die Brille des Jungen wegflog“, sagte die Zeugin. „Das schien mir völlig übertrieben, dass man sein Kind wegen einer Autotür so schlägt. Ich dachte: Wenn so etwas schon in der Öffentlichkeit geschieht, was passiert dann erst zu Hause?“, begründete die Frau, weshalb sie sich nach einigem Nachdenken dazu entschieden hatte, den Vorfall anzuzeigen.

Die Folge war ein Strafbefehl gegen den Vater mit einer Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen à 40 Euro. „Das war in meinen Augen gar nicht so dramatisch. Das war eine Kurzschlusshandlung, die mir auch leid tut. Aber ich halte es nicht für rechtens, dass ich dafür 2000 Euro zahlen soll“, erklärte der in Starnberg wohnhafte Angeklagte, warum er Einspruch eingelegt hatte.

Zuvor hatte er dem Gericht detailliert geschildert, was vorgefallen war. Als er sein Auto in der Parkbucht abgestellt hatte, habe sein Sohn die Beifahrertür mit den Füßen aufgestoßen. Weil das für Fußgänger oder Radfahrer gefährlich sein könnte, habe er seinen Sohn gepackt, um ihn zu maßregeln. „Während ich erzähle, sagt er plötzlich: ,Halt die Klappe, Du Blödmann‘. Da ist mir der Faden gerissen und ich habe ihm eine Watschn gegeben.“

Richter Urs Wäckerlin legte dem Beschuldigten daraufhin nahe, seinen Einspruch zu überdenken. „Sie werden damit hier keinen Erfolg haben.“ Auch als sich abzeichnete, dass die Strafe aufgrund der tatsächlichen Einkommensverhältnisse – dem Strafbefehl liegt eine Schätzung zugrunde – höher ausfallen könnte, war der Mann nicht zum Einlenken bereit. „Ich finde es überzogen. Das Ganze ist im Affekt passiert“, bekräftigte er seine Entscheidung. Das ließ den Staatsanwalt stutzig werden. „Die Auffassung, dass man nicht bestraft werden kann, wenn man im Affekt handelt und um sich schlagen darf, wenn der Sohn einen wütend macht, irritiert mich“, sagte der Anklagevertreter.

Der Beschuldigte führte zu seiner Entlastung noch aus, dass sein Junge an einem Gen-Defekt leidet, was gelegentlich zu Problemen führe. „Er provoziert gern und findet alles lustig.“ Das Syndrom sei jedoch erst kürzlich diagnostiziert worden.

Richter Urs Wäckerlin verurteilte den Starnberger zu 50 Tagessätzen zu je 60 Euro, also insgesamt 3000 Euro. In seiner Urteilsbegründung sagte er: „Besser als sie es getan haben, kann man eine vorsätzliche Körperverletzung nicht beschreiben. Von einer Affekthandlung kann hier nicht die Rede sein.“

Rudi Stallein

Rubriklistenbild: © dpa

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