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Idyllische Zweisamkeit: Am Starnberger See blieb der befürchtete Besucheransturm aus.

Entspanntes Pfingsten

Von Chaos keine Spur: Ausflugsverkehr hält in Grenzen

  • vonRudi Stallein
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Am langen Pfingstwochenende in Zeiten von Corona verhielten sich die Menschen weitgehend vernünftig und stürmten nicht die Ausflugsziele. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Das erwartete Chaos ist ausgeblieben: An den Freizeit-Magneten zwischen Königsdorf und Münsing ging es am Pfingstwochenende weitgehend entspannt zu. „Es war sehr wenig los“, fasst Polizeihauptkommissar Christian Fricke von der Polizeiinspektion Wolfratshausen auf Nachfrage unserer Zeitung zusammen.

Pfingstsonntag, 11.30 Uhr, Bibisee: Ein Paar spaziert mit einem Kinderwagen am Ufer entlang. Zwei Frauen ziehen, umwuselt von drei kleinen Kindern, einen vollbeladenen Bollerwagen vom Parkplatz zur Liegewiese. Dort lassen sich die Besucher an vier Händen abzählen.

Geordnete Verhältnisse: Weder am Samstag noch am Sonntag kam es im Kloster Beuerberg zu Gedränge.

Drei Stunden später am Starnberger See ein ähnliches Bild. Nur wenige Autos stehen in den Parkbuchten beim Campingplatz in Ambach. Die SUP-Station ist verwaist. Ein paar junge Burschen spielen Fußball auf der fast menschenleeren Liegewiese des Erholungsgebiets am Schwaiblbach. Auf dem Weg bahnen sich Mountainbiker ihren Weg durch Spaziergänger mit und ohne Walking-Stöcken. In ein paar Feuerstellen glimmt noch die Holzkohle vom Mittagessen.

„Scheinbar haben die Vorhersagen doch viele Leute abgeschreckt“, kommentiert Ingo Roeske, Vorsitzender der Wasserwacht Wolfratshausen, das geringe Besucheraufkommen. Bei kühlem Wind und 16 Grad Wassertemperatur wäre Baden eh kein Vergnügen. Vereinzelt gleiten Stand-up-Paddler in Ufernähe übers Wasser. „Es sind schon viele Urlauber da, der Campingplatz ist voll. Aber bei einem Wetter wie heute kommen vor allem viele Münchner nicht raus“, so Roeske. „Wir sind eigentlich froh, dass nicht so viel los ist.“

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Nächste Woche könnte sich das allerdings ändern. „Es soll ja heiß werden, deshalb erwarten wir, dass ab Dienstag, Mittwoch schon ein Ansturm kommt“, so der Wasserwachtsvorsitzende. Das würde die ehrenamtlichen Helfer, die unter der Woche ihren Berufen nachgehen, vor ein Problemstellen: „Mal sehen, wie wir was lösen können“, sagt Roeske.

Am Kloster Beuerberg markieren weiße Kreidestriche auf dem Boden zwischen Torbogen und Eingang, welche Abstände die Besucher einzuhalten haben, falls sich eine Menschenschlange bilden sollte. Doch zu Gedränge kommt es weder am Samstag, noch am Sonntag. „Es ist ungewohnt“, gesteht Dr. Christoph Kürzeder. An den „Kaltstart“, mit dem die Ausstellung „Tugendreich“ nun wie berichtet begonnen hat, kann sich der Direktor des Diözesanmuseums nur langsam gewöhnen. Wegen der Corona-Pandemie mussten Festakt und Führungen zur Eröffnung ausfallen. „Es ist im ganzen Team eine etwas melancholische Stimmung“, räumt Kürzeder ein. Die Besucher bewegen sich frei in den Kreuzgängen und Ausstellungsräumen, genießen Kaffee und Kuchen auf der Terrasse am Klostergarten. Derweil basteln einige Kinder im „Klosteratelier“ Mund-Nase-Masken aus Socken. „Die Leute sind sehr diszipliniert“, stellt der Kurator fest und ergänzt mit leichtem Seufzer: „Ich bin ganz zufrieden.“ An den ersten zwei Ausstellungstagen zählte das Kloster jeweils rund 250 Besucher.

Auch beim Märchenwald in Wolfratshausen hält sich die Besucherschlange am Kassenhäuschen in Grenzen. „Es gab kein Gedränge, alles lief recht entspannt ab“, sagt Franziska Diessl, sichtlich erfreut über das Kinderlachen und -geschrei, das aus dem Park zum Eingangsbereich herüberschallt. Viele Besucher seien noch verhalten. „Die Leute sind vorsichtig. Alle bringen großes Verständnis für die Situation mit“, berichtet Diessl. Alles in allem sei es „ein sehr zögerlicher Start“ gewesen, fasst sie das Besucheraufkommen an den ersten beiden Tagen zusammen. „Wir waren weit unter irgendeiner Grenze.“ Auch am Pfingstmontag erwartete sie nicht, den Park zwischenzeitlich wegen Überfüllung schließen zu müssen – obwohl der Andrang gleich in der Früh vergleichsweise groß gewesen sei.

So erlebten auch die Polizeistreifen, die am Wochenende verstärkte Präsenz zeigten und „mehrere Schwerpunkte regelmäßig überwachten“ eine relativ ruhige Zeit. „Es herrschte vergleichsweise wenig Ausflugsverkehr, und auch in Sachen Corona blieb alles sehr im Rahmen“, erklärt Alexander Huber, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Er ahnt, was nach den teils chaotischen Verhältnissen vor allem an den Seen im Süden ein, zwei Wochen zuvor für die Zurückhaltung wohl maßgeblich ausschlaggebend war: „Das Wetter war nicht so brutal Bombe.“

Anders am Montag: Blauer Himmel und sommerliche Temperaturen lockten viele Ausflügler an den Starnberger See. Sonnenhungrige und Wasserratten genossen das Wetter – mit Abstand auf der Liegewiese und weit entfernt vom befürchteten Chaos.

rs

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