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CSU-Größen unter sich: Das erste Treffen hatte wegen des TV-Duells mit Grünen-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann abgesagt werden müssen, doch am Donnerstag – drei Tage vor der Landtagswahl – empfing Dr. Edmund Stoiber Ministerpräsident Dr. Markus Söder in Wolfratshausen. Martin Bachhuber, CSU-Landtagsabgeordneter im Stimmkreis, moderierte das Gespräch.

Beide zeigen sich betont optimistisch

Wahlkampf-Endspurt in Stoibers Heimat: Söder findet Unterstützung bei seinem Förderer

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Drei Tage vor der Landtagswahl: Der amtierende Ministerpräsident Markus Söder besucht den ehemaligen Edmund Stoiber in Wolfratshausen - und findet Unterstützung für die Arbeit der CSU.

Wolfratshausen – Der rote Teppich im Foyer der Loisachhalle ist vor lauter Stühlen kaum zu sehen. Am Donnerstagmittag, als sich Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder mit seinem Förderer Dr. Edmund Stoiber in dessen Heimatstadt trifft, dominiert das CSU-Blau. Der Hintergrund des Podiums ist blau, die Transparente sind blau, selbst der weiße Söder-Schriftzug auf den Mineralwasserflaschen für die Podiumsgäste prangt auf blauem Grund.

Alles passt zum weiß--blauen Himmel über der Loisachstadt. Und so, wie Söder und Stoiber über ihre Partei und den Freistaat sprechen, könnte man fast meinen, dass der Himmel ohne die CSU nicht existieren würde. Rund 150 Zuhörer sind zu dem „Mittagsgespräch“ gekommen, wie Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber das Treffen in Anlehnung an das Wolfratshauser Frühstück von Stoiber mit Angela Merkel im Jahr 2002 bezeichnet. Bachhuber moderiert die Veranstaltung, indem er beiden im Wechsel Fragen zu den schlechten CSU-Umfragewerten, zu Europa und dem Tabellenplatz Bayerns im bundesweiten Vergleich stellt.

Bei einer regionalen Veranstaltung sind für die Besucher natürlich regionale Themen wichtig. Söder gibt zu, dass sich in München „zu lange nicht um das Umland gekümmert“ wurde. Das soll sich ändern: Wohnungsbau und öffentlicher Personennahverkehr wolle er nun selbst in die Hand nehmen. Stoiber erwähnt die S7-Verlängerung nach Geretsried, die er nach eigenen Worten bereits 1978 zum ersten Mal gefordert hat. Um das leidige Thema endlich vorwärts zu treiben, hätten die Wolfratshauser mit Söder nun „jemanden, der das weiß und angeht“.

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Egal, ob die Sprache auf den technischen Fortschritt in Verbindung mit Tradition kommt, auf Steuern, Schulden oder Verkehr: Söder sitzt entspannt im schwarzen Ledersessel. Seine Stimme ist ruhig, die Gesten sind kontrolliert, als er schon oft Gehörtes sagt wie: „So gut wie jetzt ging es Bayern noch nie.“ Der präsidiale Auftritt erinnert an das TV-Duell zwischen ihm und Grünen-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann. Doch um Gelassenheit muss sich der 51-Jährige diesmal nicht bemühen, denn aus dem Publikum, das sich mehrheitlich im Ü 60-Bereich bewegt, kommt kein Widerspruch. Im Gegenteil: Söders Lobeshymnen wie „Die meisten Oktoberfestbesucher kommen nicht nur um Bier zu trinken, sondern um für ein paar Stunden das Privileg zu genießen, Bayer zu sein“, quittieren die Anwesenden mit Gelächter und Applaus.

Dann schlägt der Ministerpräsident ernste Töne an – als er mit Nachdruck darüber spricht, wie sich der Freistaat unter Franz Josef Strauß als „Industrieland“ und unter Stoiber weiter zum „Hightech-Land“ entwickelt habe. Stoiber revanchiert sich: Für die anstehenden „schwierigen Zeiten“ brauche es Söders Fähigkeiten, das heißt, jemanden, „der pragmatisch ist, der Kompetenz und Tatkraft hat“.

Rund 150 Interessierte kamen zum Gespräch zwischen Söder und Stoiber ins Foyer der Wolfratshauser Loisachhalle.

Söder spart ebenso nicht mit Komplimenten für seinen Mentor, unter dem er als Generalsekretär beschäftigt war. Er erzählt Anekdoten, die er mit Sticheleien gegen seinen Lieblingsfeind Horst Seehofer verbindet. Mit Blick auf Stoiber sagt Söder: „Wir telefonieren sehr oft. Öfter als mit anderen herausragenden Persönlichkeiten im Amt.“ Einer, mit dem Söder sicher auch gerne noch telefonieren würde, ist Strauß. Doch auf Bachhubers Frage, für welchen von den beiden ehemaligen Ministerpräsidenten er sich entscheiden würde, kokettiert der amtierende zwar einmal mehr mit dem Strauß-Poster in seinem Jugendzimmer. „Aber meine Bezugsgröße war immer der Edmund.“

„Der Edmund“ und „der Markus“, wie sich die beiden vertraut anreden, geben sich drei Tage vor der Wahl betont optimistisch. Etwas anderes bleibt ihnen auch nicht übrig. Stoiber appelliert eindringlich ans Publikum: „Überlegt euch fünf Sekunden in der Wahlkabine, welche Auswirkungen ein ,Denkzettel‘ für die nächsten fünf Jahre hat.“ Söder gibt sich fast schon demütig. „Wenn Sie’s irgendwie übers Herz bringen – stimmen Sie für die CSU.“ mh

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