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Ob heuer noch ein Floß in Wolfratshausen ablegt? Die drei Betriebe in Wolfratshausen hegen mittlerweile Zweifel. 

Weiter Warten auf das „Go“ von Söder

Warum die Flößer kaum mehr Hoffnung für die Saison 2020 haben

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Ein Mindestabstand von 1,50 Metern ist im Alltag schon eine Herausforderung, auf einem Floß ist er unmöglich. Die Flößer haben kaum mehr Hoffnung auf ein happy end. 

Wolfratshausen – Der Vatertag ist immer etwas ganz Besonderes für die Flößer. Busseweise werden die – vorwiegend männlichen – Ausflügler nach Wolfratshausen gebracht und machen sich auf der Fahrt nach München einen schönen Tag auf dem Wasser. Und heuer? Nix. Gar nix. „Da blutet mir schon das Herz“, sagt Josef Seitner.

Nach wie vor warten die Flößer darauf, dass Ministerpräsident Markus Söder endlich sein „Go“ gibt. Eigentlich legen Anfang Mai die ersten Floße vom Loisachufer ab. Wann es heuer losgeht, weiß niemand. „Wie bitte sollen wir bei uns einen Abstand von 1,50 Metern halten?“, fragt Seitner. „Und Bier wird auch noch getrunken.“ Mit einem Schmunzeln fügt er hinzu: „Alles, was momentan als schlecht gilt, findet man bei uns auf kleinem Raum.“ Seinen Humor hat er offenbar nicht verloren.

Mehr als 11.000 Ausflügler pro Jahr - nur bei Josef Seitner

Josef Seitner muss wie alle Flößer abwarten, ob die Abstandsregel heuer noch gelockert wird oder nicht. 

In einer ganz normalen Saison schickt das Seitnersche Unternehmen 220 Floße pro Jahr in Richtung Landeshauptstadt, jedes im Schnitt mit 50 feiernden Ausflüglern besetzt. Das macht pro Jahr weit über 10 000 Menschen. Ob es heuer ein einziger sein wird? Sprich: Ob der Betrieb heuer überhaupt erlaubt werden wird? Josef Seitner „weiß es nicht, aber wir sind bereit“.

Sein Augenmerk richtet er vor allem auf die Seenschifffahrt auf dem Starnberger See. „Wenn es da drüben losgeht, haben wir vielleicht auch eine Chance.“ Bis dahin heißt es abwarten, Kleinigkeiten erledigen – und immer wieder Gästen absagen, die Wochenenden 2020 waren allesamt ausreserviert. Seine drei Mitarbeiter hat er in Kurzarbeit geschickt. Und selbst wenn die Saison ganz ausfällt: Josef Seitner hat Reserven. „Das wird uns nicht umbringen.“

Ein Blick auf die Seenschifffahrt macht etwas Hoffnung

In Wolfratshausen gibt es bekanntlich noch einen zweiten Flößerbetrieb mit demselben Nachnamen, den von Franz Seitner. Dessen Tochter Monika Heidl-Seitner, die sich um das Organisatorische kümmert, sieht eher schwarz für die Saison 2020. „Vom Bauchgefühl her habe ich abgeschlossen“, sagt sie. Bis Ende Juni sind bereits alle Fahrten storniert, und ob danach auch nur ein Floß isarabwärts fährt, weiß man nicht. „Auf einem Floß die Abstandsregel einzuhalten, ist ein Ding der Unmöglichkeit“, erklärt sie. Ihre Vermutung: Selbst wenn noch viele Lockerungen kommen sollten – diese Regel wird erst einmal bleiben. Das wäre gleichbedeutend mit dem Aus für die laufende Flößersaison.

Die Kunden reagieren sehr verständnisvoll

Sie ist froh, dass ihre Kundschaft – zwei Drittel davon sind Stammkunden – so verständnisvoll reagiert. Die meisten haben ihren Termin ohne Murren einfach auf das nächste Jahr verlegt. In Kurzarbeit schicken mussten die Seitners keinen ihrer 15 Mitarbeiter, weil in dem kleinen Familienunternehmen alle ohnehin in Teilzeit arbeiten. Sie selbst versucht positiv zu bleiben: „Zurzeit habe ich einen wunderschönen Garten daheim“, erzählt sie mit einem Schmunzeln. In einem normalen Jahr bleibe ihr dafür so gut wie gar keine Zeit.

Lesen Sie auch: Wovor die alten Flößer eine Heidenangst hatten

Auch das Isarfloßteam von Michael Angermeier aus Wackersberg, das seine Floße unterhalb der Marienbrücke in Richtung München schickt, „hält sich an die Vorgaben der Landesregierung und des Robert Koch-Instituts“. Das bekommt man vom Anrufbeantworter zu hören, wenn man dort anruft. Eine freundliche Frauenstimme bittet um Verständnis, wenn man derzeit nicht jeden Anruf zur Covid-19-Problematik entgegennehmen könne. Sobald der Betrieb wieder aufgenommen wird, werde dies über die Homepage öffentlich gemacht. „Wir melden uns“, heißt es. Ob das noch heuer sein wird? Die Zweifel wachsen.

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