Die Mitarbeiter des Jugendhauses La Vida im großen Aufenthaltsraum.
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In Wartestellung: Das Team des Jugendhauses La Vida in Wolfratshausen mit (von links) Leiter Max Aichbichler, Lisa Ettenberger, Frank Webinger, Veronika Kurzlechner und Cosima Kopetz.

Lockdown im Jugendhaus

Warum Jugendliche besonders unter der Pandemie leiden

Die Corona-Pandemie hat das gesellschaftliche Leben fest im Griff. Alle haben mit den Einschränkungen zu kämpfen - ganz besonders leiden jedoch junge Menschen.

Wolfratshausen – Gespräche, soziale Arbeit oder einfach sorgloser Zeitvertreib: Das Jugendhaus La Vida am Josef-Bromberger-Weg bietet normalerweise all das an. Weil derlei Einrichtungen wegen der Corona-Pandemie geschlossen bleiben müssen, bleibt für die Jugendlichen vieles auf der Strecke. „Wir dürfen die Entwicklung auf der sozialen Ebene nicht vergessen“, mahnt Jugendhaus-Chef Max Aichbichler im Interview mit unserem Volontär Dominik Stallein. Aichbichler befürchtet, dass die Jugendlichen in ihrer Entwicklung gehemmt werden. Und er erklärt, wie seine Mitarbeiter den Mädchen und Burschen trotz Schließung eine Stütze sein können.

Herr Aichbichler, das Jugendhaus bleibt zu. Wie geht’s Ihnen damit? Sehen Sie ein Licht am Ende des Tunnels?

Aichbichler: Ja, das schon. Wir haben bei den vergangenen Diskussionen eigentlich immer nur über Schulen, Kindergärten und Krippen gesprochen. Inzwischen wird aber auch über die Jugendarbeit debattiert.

Das begrüßen Sie vermutlich.

Aichbichler: Selbstverständlich. Es ist für die Kinder wichtig, dass die Jugendarbeit in den Fokus rückt. In Jugendhäusern werden soziale Kompetenzen geschult und erlernt, hier findet auch eine Ausbildung statt. Aber eben ganz andere Qualitäten und auf einer ganz anderen Basis als zum Beispiel in der Schule. Wir dürfen die Entwicklung auf der sozialen Ebene nicht vergessen, die wir hier unterstützen. Was die Jugendlichen im persönlichen Kontakt und in der Jugendarbeit lernen, kann die Schule gar nicht vermitteln.

Momentan ist das vor Ort nicht möglich. Was geht durch die Schließung für die Jugendlichen verloren?

Aichbichler: Sie bleiben in einem Teil ihrer Entwicklung stehen. Als junger Mensch orientiert man sich an Vorbildern und an der sozialen Gruppe, an Freunden zum Beispiel. Vorbilder außerhalb der eigenen Familie können die Jungs und Mädels aber gerade gar nicht treffen. Das ist schwierig für die Kids, weil sie mit vielen Herausforderungen vielleicht alleine gar nicht umgehen können – Herausforderungen wie den Lockdown und Kontaktbeschränkungen vermutlich ganz besonders.

Wie können Sie als Jugendhaus-Mitarbeiter dabei momentan unterstützen?

Aichbichler: Wir sind auf allen Kanälen für die jungen Menschen erreichbar. Manche schreiben uns über die Plattform Instagram und machen Gesprächstermine aus.

Viele leiden wirklich heftig unter der momentanen Situation. Das reicht bis hin zu depressiven Zügen.“

Max Aichbichler, Chef des Jugendhauses

Worum geht es bei den Treffen?

Max Aichbichler, Chef des Jugendhauses La Vida

Aichbichler: Das ist wie immer in der Jugendarbeit unterschiedlich. Viele leiden wirklich heftig unter der momentanen Situation. Das reicht von einer Motivations- und Antriebslosigkeit bis hin zu wirklichen depressiven Zügen. Wer Probleme in der Familie hat, leidet noch extremer. Es gibt in dem Alter viele Hürden, die die jungen Leute überspringen müssen. Während der Pandemie werden es noch mehr. Wir sind froh und bereit, wenn sich jemand bei uns meldet und Hilfe braucht.

Wie gehen Sie mit solchen Anfragen um?

Aichbichler: Wir machen in der Regel ein Treffen aus. Manche Kids besuchen uns im Jugendhaus – ein Beratungsgespräch zu zweit ist nämlich gestattet –, mit anderen gehen wir spazieren. Es ist uns ganz wichtig, dass wir die Jugendlichen nicht alleine lassen in dieser Zeit, auch wenn ein offener Betrieb momentan nicht erlaubt ist.

Ändert sich für die Jugendlichen etwas, wenn Sie ihre Gespräche mit einem Online-Termin anmelden müssen?

Aichbichler: Die Schwelle ist höher als im Jugendhaus. Im persönlichen Gespräch kommt man viel eher mal auf eine belastende Situation zu sprechen als bei Instagram. Wenn wir sehen, dass ein Jugendlicher mit einem Problem zu kämpfen hat, suchen wir im normalen Betrieb auch mal selber das Gespräch, brechen so das Eis und können schnell und spontan helfen. Wenn sich jemand aber nur ungern öffnen möchte, dann schreibt er uns auch keine Nachricht. Wir versuchen natürlich trotzdem Kontakt zu halten und wenn wir den Eindruck haben, dass es nötig ist, schreiben wir die Kids auch mal von uns aus an. Die Rückmeldungen darauf sind aber eher mau. Trotzdem stecken wir viel Energie rein, weil wir wissen, wie wichtig das für die Jugendlichen ist.

Jugendhaus plant Online-Kurse in Sport und Unterhaltung

Was plant das La Vida in den kommenden Wochen?

Aichbichler: Wir wollen unsere Sportprogramme digital anbieten. Für die Zumba- und Box-Kurse wird es bald Termine geben, zu denen sich die Jugendlichen live einwählen und mitmachen können. Ansonsten drücken wir die Daumen, dass wir bald wieder öffnen dürfen. Außerdem gibt es immer wieder Do-it-yourself-Anleitungen, Rezepte und andere Online-Angebote für unsere Jugendlichen.

In der Reihe

„Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben.

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