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Der Wolfratshauser Stadtteil Waldram hat ein eigenes Lied. 

Die Spurensuche führt ins Spätberufenen-Seminar

Was es mit dem „Waldram-Lied“ auf sich hat

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Fast ist es so etwas wie eine inoffizielle Hymne, das „Waldram-Lied“. Unsere Zeitung hat sich umgehört, woher Text und Melodie stammen - und Erstaunliches herausgefunden.

Wolfratshausen – Als es kürzlich an der Mittelschule Waldram darum ging, 32 Absolventen ins Leben zu verabschieden, durfte es natürlich nicht fehlen, das Waldram-Lied. Der Grundschulchor schmetterte den schönen Refrain „Ja, Waldram gibts nur einmal / auf dieser schönen Welt, / Der Herrgott hats auf jeden Fall / nur einmal hingestellt.“

Tatsächlich erklingt das Lied in letzter Zeit im Wolfratshauser Ortsteil immer öfter. Fast ist es so etwas wie eine inoffizielle Hymne geworden, zu hören bei Schulfeiern oder beim Maibaumaufstellen. Auch der Festakt bei der Einweihung des Badehauses wurde damit eröffnet.

Eine Spurensuche gestaltet sich nicht ganz einfach. Nachfrage bei der Musikerfamilie Mayrhofer aus Waldram. Für sie ist die Sache glasklar: Es handelt sich nicht um eine eigenständige Komposition, sondern um die Ballade „Mariechen saß weinend im Garten“, eine alte Moritat, in der ein verlassenes Mädchen mit dem Gedanken spielt, sich und das Kind umzubringen, dann aber davon ablässt. „Das Original ist ziemlich unheimlich“, sagt Sissy Mayrhofer.

Sehr beliebt und viel gesungen: Das Waldram-Lied. Das musikalische Vorbild ist die alte, schaurige Ballade „Mariechen saß weinend im Garten“, der Text stammt vermutlich vom mittlerweile verstorbenen Alois Zaby.

Der Text des Originals stammt – kein Scherz – von einem österreichischen Adeligen namens Nimmersatt (1790 bis 1862). Der Komponist ist unbekannt. Ähnlich wie „Sabinchen war ein Frauenzimmer“ handelt es sich bei „Mariechen saß weinend im Garten“ um ein klassisches Küchenlied, das hauptsächlich von Dienstmägden gesungen wurde. Die Mayrhofers erinnern sich, dass sie das Lied selbst zum ersten Mal 2016 gesungen haben, beim Maibaumaufstellen. Damals wurde es als Kopie unter den Gästen verteilt – und dann geträllert. Seither scheint es eine Renaissance zu erleben.

Und der Text? Das hohe Lied auf das schöne Waldram? Stammt nach Erinnerung von Christine Weinert von einem gewissen Alois Zaby, einem der ersten Seminaristen des Spätberufenen-Seminars St. Matthias, wohl 1958. „Wir hatten damals keinen Fernseher und kein Radio, also sind wir zusammengekommen und haben gesungen“, erzählt sie. Viel weiß sie nicht mehr vom Texter, nur, dass er seinen Abschluss nicht in Waldram, sondern in Stams (Tirol) gemacht hat – wohl der Hauptgrund, warum sich im Archiv von St. Matthias keine Spuren mehr von ihm finden. Später ist er bei Ehemaligentreffen aufgetaucht. „Er muss also wirklich Pfarrer geworden sein.“

Tatsächlich taucht ein Pfarrer namens Alois Zaby im Bereich des Bistums Augsburg auf. Doch befragen lässt er sich nicht mehr. Im Internet stößt man auf eine Todesanzeige, derzufolge der mutmaßliche Texter des Waldram-Lieds 1932 geboren wurde und 2012, im 42. Jahr seines priesterlichen Wirkens, verstarb. Angeblich war der besagte Alois Zaby 1948 bis 1952 Schlosser-Lehrling im Kloster St. Ottilien. Der Eintritt ins neue Späteberufenen-Seminar St. Mathias würde also passen, sowohl von der Vorgeschichte als auch vom zeitlichen Ablauf her. „Es gibt eine gewisse Plausibilität, dass er es ist“, erklärt der Pressesprecher des Bistums, Karl-Georg Michel. „Bestätigen kann ich es aber nicht.“ Er hat die Anfrage unserer Zeitung an das Archiv weitergeleitet.

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Wenn dieser Alois Zaby der Dichter des Waldram-Lieds sein sollte, hat er als Seelsorger viele Wirkungsstätten gehabt, als Aushilfspfarrer Rain am Lech, Memmingen und Heimenkirch, als Kaplan Kaufering, Gersthofen und Bobingen, als Pfarrer Großohrenbronn, Rehrosbach und Fristingen.

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Wie der Zufall so spielt: Laut Bistumssprecher ist der ehemalige Direktor des Spätberufenen-Seminars Martin Schnirch mittlerweile Pfarrer in Rehrosbach bei Friedberg – also Nachfolger von Alois Zaby. Dort hat man uns versprochen, im Archiv nach einem Foto zu fahnden. Die Spurensuche in Sachen Waldram-Lied geht weiter.

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