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Zeigen, wie es geht: (v. li.) Gerhard Ganser, Ulla Mackensen und Alexander Wutke bieten Abfallberatung im Supermarkt an.  

In einer Banananschale stecken 34 Minuten Licht

Was in die Braune Tonne gehört und was nicht

Eigentlich ist es ganz einfach: Biomüll kommt in die Biotonne. „Die meisten Menschen halten sich auch ganz gewissenhaft daran“, sagt Abfallberaterin Ursula Mackensen. Es landet aber immer noch zu viel falsch weggeworfener Müll im Bioabfall. Deshalb erklärt die Wertstoffgewinnungs- und Vermarktungsgesellschaft (WGV) in diesen Tagen in einigen Rewe-Märkten in Wolfratshausen und Bad Tölz, wie wichtig Mülltrennung ist. Dahinter steckt die bundesweite Kampagne „Aktion Biotonne“.

Wolfratshausen – Landet fremder Müll in der Biotonne, erschwert das die Arbeit der WGV enorm. Zwei Vollzeitkräfte sind jeden Tag damit beschäftigt, Fremdstoffe heraus zu sortieren. Finanziert wird das durch die Müllgebühren – jeder Einzelne kann also Geld sparen, wenn er richtig trennt. Der Inhalt der Biotonne kann nur verwertet werden, wenn er frei von Fremdstoffen ist.

Der Müll ist für die WGV nämlich nicht nur Abfall. Er hat zwei Funktionen: In einem Fermenter wird der Inhalt der Biotonnen drei Wochen lang bei 52 Grad Celsius eingelagert. Dabei entstehen zum einen Biogase, aus denen in einem Blockheizkraftwerk Strom und Wärme gewonnen werden(siehe Kasten). Später kann das Gärgut aus dem Fermenter als Kompost für den Garten- und Ackerbau verwendet werden. Die WGV leistet „einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und zur Nachhaltigkeit“, findet Mackensen.

Was nicht in die Biotonne gehört, ist schnell erklärt: Kein Plastik, keine Verpackungen, keine Steine, keine Windeln, keine Asche, keine Gartenerde und kein Holzabfall. „Aber viele Menschen haben zum Beispiel Plastiktüten in ihrem Mülleimer, damit der nicht so stark verschmutzt“, sagt Mackensen. Die Tüte landet dann allerdings oftmals mit dem Abfall in der Tonne. Beim Abtransport werden diese häufig zerrissen – die kleinen Schnipsel müssen also wiederum in mühseliger Kleinarbeit von den beiden Vollzeitkräften der WGV aussortiert werden.

Es ist aber nicht nur ein Problem, wenn etwas falsch in der Tonne landet, sondern auch, wenn etwas nicht hineingeworfen wird. Küchenreste und Essensabfälle, zum Beispiel. „Dadurch gehen Energieträger verloren“, erklärt Mackensen. Wer also richtig trennt, spart in gewisser Weise nicht nur Geld, sondern auch Strom. Die Biogase, die aus einer vollen Biotonne entstehen können, bieten genügend Energie, um den Strombedarf einer Familie für zwei Tage abzudecken. Mit einer einzigen Bananenschale, kann man eine Lampe für 34 Minuten mit Licht versorgen. „Dafür muss sie aber in der richtigen Tonne landen“, sagt Mackensen – und das am besten ohne Plastikbeutel. 

Beratungstermine

Die WGV steht Interessierten an folgenden Terminen zur Abfallberatung „Aktion Biotonne“ zur Verfügung: Mittwoch, 13. September, am Rewe-Markt im Moraltpark in Bad Tölz (nur vormittags) und am Rewe an der Albert-Schäffenacker-Straße in Bad Tölz (vor- und nachmittags); Donnerstag, 14. September, am Rewe-Markt am Hans-Urmiller-Ring in Wolfratshausen (nur vormittags) und Dienstag, 19. September, am Rewe-Markt im Moraltpark in Bad Tölz (nur nachmittags). 

WGV: Biomüll in Zahlen

-25 000 Tonnen Bioabfall werden jährlich in der Biogasanlage der WGV aufbereitet. 

-Rund 9000 Tonnen davon stammen aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

-Darin (dem Landkreis-Biomüll) sind etwa 200 Tonnen Störstoffe wie Plastik enthalten. 

-71 Kilogramm Bioabfall fallen im Jahr beim Durchschnittsverbraucher im Landkreis an. 

-2,5 Millionen Kubikmeter Biogas entstehen jährlich durch den Bioabfall. 

-5,7 Millionen Kilowattstunden Strom und 6,2 Millionen Kilowattstunden Wärme werden im Jahresschnitt erzeugt. 

-Zwischen 1000 und 1500 Haushalte werden mit dem Strom aus Biogas versorgt. Damit sind außedem alle Abfallanlagen, Verwaltung und Hausmeisterwohnungen in Quarzbichl abgedeckt. 

-10 000 Kubikmeter Flüssigdünger gewinnt die Anlage in Quarzbichl pro Jahr. 

-Drei Wochen wird der Biomüll zuvor in einem Fermenter bei Temperaturen von 50 bis 55 Grad Celsius eingelagert, um Krankheitskeime und Unkrautsamen abzutöten.


Dominik Stallein

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