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Eine S-Bahn, 16 Buslinien, 250 Haltestellen: Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) erschließt den Norden des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen. 

Alles soll einfacher und vieles billiger werden

Was die MVV-Tarifreform den Pendlern bringt

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Noch ist nichts endgültig entschieden. Doch wenn die neue MVV-Tarifreform umgesetzt wird, profitieren laut Landratsamt auch die hiesigen Pendler erheblich. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wenn die große, nachgebesserte MVV-Tarifreform in Kraft treten soll, müssen alle Gesellschafter zustimmen. Freising hat schon Ja gesagt, der Landkreis München ebenfalls. Die anderen sechs Landkreise sowie die Stadt München sollen im Laufe der kommenden Monate folgen, so auch Bad Tölz-Wolfratshausen. Hier fällt die Entscheidung im Laufe des Februar: Am 4. Februar tagen der Umwelt- und Infrastruktur- sowie der Kreisausschuss gemeinsam, am 27. Februar stimmt der Kreistag endgültig ab.

Ein großes Ziel der Reform war die Vereinfachung des Systems. In den Augen von Matthias Schmid, im Landratsamt zuständig für den öffentlichen Nahverkehr, ist dies gelungen. „Es gibt nur noch sieben Zonen“, sagt er. Nämlich die Zone M und sechs Außenzonen. „Das dürfte die Zugangshürden verringern“, erklärt er. Will sagen: Das Chaos mit Räumen und Ringen gehört der Vergangenheit an. Der öffentliche Nahverkehr wird nach seiner Einschätzung einfacher verständlich – und damit attraktiver.

Günstig für Pendler im Nordlandkreis ist die Tatsache, dass alle Städte sowie weitere gemeindliche Haltestellen (und damit viele potenzielle MVV-Nutzer) in einem so genannten Überlappungsbereich liegen. Wolfratshausen etwa ist im Übergangsbereich von Zone 3 und Zone 4 angesiedelt. Wer ein Ticket in Richtung München zieht, zahlt deshalb vier Zonen (Zone M + 3). Gleiches gilt für Geretsried (Übergang Zone 4 und 5) und Bad Tölz (Übergang Zone 5 und 6).

Dadurch, dass der Freistaat dem MVV 35 Millionen zur Verfügung stellt, werden die Tickets günstiger – vor allem für Pendler, die Bus und Bahn häufig nutzen. Es steht auch schon fest, um wie viel. So zahlen derzeit Inhaber der IsarCard Monat, die zwischen Wolfratshausen und dem Münchner Marienplatz pendeln, pro Monat 152,50 Euro. Nach der Reform sollen es 137,90 Euro sein. „Das ist eine spürbare Entlastung“, findet Schmid.

Lesen Sie auch: Landrat beharrt auf MVV-Tarifreform

Auch Senioren werden von den Neuerungen profitieren. Das ist insofern erwähnenswert, weil in einer der jüngsten Kreistagssitzungen noch die Befürchtung laut geworden, dass die ältere Generation stärker belastet wird. Doch dem ist nicht mehr so. Die bei Senioren beliebte IsarCard 9 Uhr (die so heißt, weil man damit erst ab 9 Uhr fahren darf), wird ein Stück billiger. Um wie viel, hängt von der jeweiligen Zone ab.

Gleiches gilt für die IsarCard 60, die dann IsarCard 65 heißen wird, weil das Alter, das zum Bezug berechtigt, auf 65 Jahre angehoben wird. Bislang kostet die Karte pauschal fürs Gesamtnetz 69,10 Euro. Danach wird sie nach Zonen gestaffelt und kostet in die Innenstadt etwa für einen Rentner aus Icking 61,90 Euro, für einen Senior aus Geretsried 66,90 Euro. Wichtiger Zusatz: Die Sperrzeit bei der IsarCard 65 von 6 bis 9 Uhr entfällt künftig.

Teurer wird hingen das Tagesticket für das Münchner Umland. Bisher konnte man für günstige 6,70 Euro mit dem Bus kreuz und quer durch die Gegend fahren. Das wird sich ändern, wenn auch nicht sehr stark. Das Tagesticket für die Strecke von Wolfratshausen nach Bad Tölz wird dann 7,80 Euro kosten.

All das klingt schon sehr konkret. Doch ob es so weit kommt, hängt vom Abstimmungsverhalten der Gesellschafter ab. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Zur Erinnerung: Im Herbst hatte der Kreistag des Landkreises München die Reform überraschend zurückgestellt. Danach stellte Ministerpräsident Markus Söder die 35 Millionen in Aussicht, um Härten abzumildern.

Sollten jetzt alle ihr Placet geben, gibt es laut Landratsamtssprecherin Marlis Peischer bis Mitte Dezember 2019 eine „Nullrunde“. Sprich: Es sind keine Preiserhöhungen zu erwarten, bis die Reform in Kraft tritt. Greifen wird die neue Reform zum nächsten Fahrplanwechsel, der immer im zweiten Sonntag im Dezember ansteht. Also in ziemlich genau einem Jahr.

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) wurde kurz vor den Olympischen Spielen 1972 von der Landeshauptstadt München und der Deutschen Bundesbahn gegründet. Nach der Eröffnung der Stammstrecke am 28. Mai 1972 ging die S-Bahn an den Start, mit der die Region weiträumig erschlossen wurde. 1996 wurde der MVV neu organisiert: Gesellschafter sind seitdem der Freistaat Bayern, die Landeshauptstadt München sowie die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, München und Starnberg.

Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen trat 1982 dem MVV bei und verzeichnet seitdem kontinuierlich Wachstumsraten. Die Broschüre „Mobilität im Landkreis“ (Kleiner Schönheitsfehler: Sie stammt aus dem Jahr 2010, neuere Zahlen gibt es nicht). nennt neben der S 7 mit den Haltestellen Icking und Wolfratshausen 16 Regionalbuslinien mit 250 Haltestellen. Der Süden des Landkreises wird vom RVO erschlossen

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