Andreas Lehner, Pächter der Wolfratshauser Hütte
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Seniorchef Andreas Lehner hat alle Hände voll zu tun, die Wolfratshauser Hütte vom Schnee zu befreien. Betrieb ist derzeit leider nicht möglich, wegen der in Österreich geltenden Corona-Regelungen.

Andreas und Mathias Lehner brauchen Geduld

Wolfratshauser Hütte: Corona bremst die neuen Pächter aus

  • Volker Ufertinger
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Viel Schnee, aber keine Gäste: Die neuen Pächter der Wolfratshauser Hütte, Andreas und Mathias Lehner, müssen sich in Geduld üben.

Wolfratshausen/Leermoos – Eigentlich wäre jetzt die Zeit, in der die neuen Pächter der Wolfratshauser Hütte keine Zeit für ein Gespräch mit der Presse hätten. Die Terrasse und die Hütte auf 1751 Metern unterhalb des Grubigsteins wäre voll mit Skifahrern, die einen Einkehrschwung machen, um zu essen und zu trinken. Aber die erste Saison von Vater Andreas (50) und Mathias Lehner (28) fällt gleich in die Corona-Zeit, in der genau das verboten ist. „Höchstens kommen wir mit Skifahrern mal ins Gespräch“, erzählt Andreas Lehner. Ansonsten steht alles still.

So hatten sie sich ihren Einstand natürlich nicht vorgestellt. Aber sie versuchen, das Beste draus zu machen. Sie halten die Hütte instand, probieren Rezepte aus und schaufeln Schnee. „Davon haben wir im Moment ja wirklich genug“, erzählt Lehner senior. Hin und wieder unternehmen sie auch Skitouren in die nähere Umgebung. „Die Gegend hier ist wunderbar“, so Andreas Lehner. Er lernt sie jetzt eigentlich erst so richtig kennen.

Die neuen Pächter stammen aus der Nähe von Linz

Ursprünglich kommen die neuen Pächter der Hütte – die Nachfolger von Werner und Bettina Blaßl – aus der Gegend von Linz. In die Berge hat es sie immer schon gezogen, vor allem natürlich in die heimischen, etwa Dachstein, Totes Gebirge und Großvenediger. Bis in die Gegend von Lermoos sind sie aber nie gekommen. „Höchstens bis Seefeld“, so Andreas Lehner. Abgesehen davon haben sie alle fünf Kontinente erkundet, und nicht ohne Stolz erzählt der neue Hüttenwirt, dass er schon auf dem Gipfel des Aconcagua in Argentinien gestanden hat, mit 6961 Metern der höchste Berg außerhalb Asiens.

Die Wolfratshauser Hütte im Sommer, mit herrlichem Blick auf die Zugspitze.

Der berufliche Hintergrund von Andreas Lehner ist eigentlich ein ganz anderer: Er arbeitete lange Zeit als Krankenpfleger, bevor er in die Gastronomie wechselte. Damit begann ein „richtiges Zigeunerleben“, wie er es nennt. Er arbeitete in Galtür, in Fieberbrunn, in Saalbach-Hinterglemm und zwischendurch auch mal an der Ostsee. In den vergangenen vier Jahren betrieben Vater und Sohn gemeinsam ein Restaurant in Linz. Den Traum, selbst einmal Hüttenwirt zu werden, hegte Andreas Lehner schon länger. Er bewarb sich, als die Hütte auf einem Alpenvereinsportal ausgeschrieben wurde – und erhielt im vergangenen April den Zuschlag. Vom Linzer Restaurant bringt er zwei junge Mitarbeiter mit.

Juniorchef Mathias Lehner, gezeichnet von Eis und Schnee.

Jetzt heißt es aber erst einmal, sich in Geduld zu üben. Der Oberösterreicher nimmt an, dass sich die Lage zum Sommer hin entspannt und er dann vielleicht Wandergäste auf der Hütte am Grubigstein empfangen kann. Normalerweise hat die Hütte von Weihnachten bis Ostern geöffnet, und dann ab Mitte/Ende Mai wieder, sobald es eben die Schneeverhältnisse zulassen. Wie es heuer verlaufen wird, kann niemand voraussagen. Die Zeiten sind kompliziert. Fest steht nur: Sie wollen, dass sich ihre Gäste rundum wohl fühlen. „Für unsere Gäste soll die Hütte ein zweites Zuhause sein“, so Andreas Lehner.

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Eigentlich hat die Wolfratshauser Sektion heuer viel zu feiern. Vor genau 100 Jahren errichteten Mitglieder die Hütte und weihten den Neubau am 2. Oktober 1921 offiziell ein. Doch ob und wenn ja, wie gefeiert werden kann, ist momentan völlig unklar. „Vielleicht verbinden wir es mit der Bergmesse, die wir am zweiten Sonntag im September feiern“, erklärt der Wolfratshauser Sektionschef Gerhard Hofmann. Doch all das sind reine Gedankenspiele, der Verlauf der Wandersaison bleibt unsicher. Bisher hat der Sektionsvorsitzende die neuen Pächter am Grubigstein noch nicht einmal persönlich besuchen können.

Die Wolfratshauser Hütte

Die Wolfratshauser Hütte liegt auf 1751 Metern oberhalb des Talkessels von Lermoos und Ehrwald, am Rande der Lechtaler Alpen. Wegen ihrer guten Erreichbarkeit wird sie vorwiegend von Tagesgästen besucht. So dauert der Aufstieg über Lermoos etwa zwei Stunden und ist wegen seiner Blumenvielfalt im Frühjahr und Sommer sehr zu empfehlen. Hausberg ist der Grubigstein mit 2233 Metern, der Blick auf den Ehrwalder Talkessel mit Zugspitzmassiv ist großartig, auch Upsspitze und Daniel sind zu sehen. Erbaut wurde die Hütte 1921, im Krieg verfiel sie, 1953 wurde sie wieder eröffnet. 32 Jahre lang hatte Werner Blaßl die Hütte geführt, zuletzt mit seiner zweiten Frau Bettina.

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