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Umstritten: Die geplante Surfwelle in Weidach.

Unterschriftenaktion

Widerstand gegen die Surfwelle: Weidacher gründen Aktionsbündnis

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Gegen den Bau der Surfwelle in Weidach formiert sich Widerstand: Einige Bürger haben ein Aktionsbündnis gegründet. Außerdem werden Unterschriften gesammelt.

Wolfratshausen –  Sie fordern Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen) und den Stadtrat auf, „unverzüglich“ die Unterstützung für die in Weidach geplante Surfwelle einzustellen. Die Hauptinitiatoren sind Gitarrenbauer Joe Striebel und Hildegard Seitner - auch der Bürgermeisterkandidat der Wolfratshauser Liste, Richard Kugler, unterstützt das Bündnis. In einer Pressemitteilung begründen Striebel und Seitner auf eineinhalb Seiten, warum sie das viel diskutierte Projekt ablehnen.

Joe Striebel ist einer der Initiatoren des Aktionsbündnisses.

Der Stadtrat und vor allem der Verein „Surfing Wolfratshausen“ blicken auf turbulente Zeiten zurück: Weil es eine Finanzierungslücke gab,hatte das Gremium den Bau abgelehnt. Aber dem engagierten Verein gelang es, diese Lücke über eine Spendenaktion zu schließen. Mehr als 400 Privatpersonen und Unternehmen beteiligten sich und spendeten über 65 000 Euro.

Seit den ersten konkreten Planungen haben sich die geschätzten Kosten von 320 000 auf 800 000 Euro erhöht. „Der Zuschuss, den die Stadt im Moment gewährt, hat sich in diesem Zeitraum vervierfacht“, rechnen die Gegner vor. Das Bündnis befürchtet, dass durch bisher nicht berücksichtigte Infrastrukturmaßnahmen wie Parkplätze, WCs und deren Unterhalt weitere „erhebliche“ Kosten entstehen.

Viele Wolfratshauser Vereine, die auch durch ihre Kinder- und Jugendarbeit für die Stadt einen „immensen Beitrag“ leisteten, würden durch Nutzungsgebühren belastet. Die meist „geringe Vereinsförderung“ durch die Kommune kompensiere das nicht. Dem Surferverein würden dagegen Gelder in „unverhältnismäßiger Höhe“ in Aussicht gestellt. Weiter schreiben die Verfasser: Einerseits würde die Stadt die Surfwelle finanziell unterstützen, „während auf der anderen Seite kein Geld für ein Schwimmbad zur Verfügung steht, das infrastrukturell gesehen einen deutlich höheren Stellenwert hat als die Surfwelle“.

Striebel und Seitner haben außerdem Zweifel an den Betriebszeiten. Im Moment sei geplant, die Surfwelle von April bis Oktober, Donnerstag bis Sonntag und an Feiertagen zu betreiben. Recherchen hätten ergeben, dass von theoretisch etwa 125 möglichen Tagen ein Surfbetrieb in den vergangenen Jahren nur an 60 bis 100 Tagen möglich gewesen wäre. Sollten die Sommer trocken ausfallen, werde sich die Anzahl der Betriebstage „eher am unteren Ende bewegen“.

Der Betrieb der künstlichen Surfwelle sei außerdem nicht wie behauptet ein klimaneutraler Sport. Seit Anfang der 1990er Jahre würden mit dem neuen Kraftwerk Weidach bis zu 650 Kilowatt (kW) Strom erzeugt. Das alte Kraftwerk Weidachmühle erzeuge maximal 350 kW. Weil der Betrieb des neuen Kraftwerks effizienter sei, werde das alte nur genutzt, wenn zusätzliche Wassermengen verfügbar sind. Die für den Betrieb der Surfwelle notwendige Abflussmenge von mindestens zehn Kubikmeter, „müssen jedoch dem effizienterem Kraftwerk entzogen und durch das alte, weniger effiziente Kraftwerk geleitet werden“. Dadurch reduziere sich der klimaneutral produzierte Strom. Den Einnahmeverlust „hat der Verein Surfing Wolfratshausen dem Kraftwerksbetreiber zu vergüten“, meinen Striebel und Seitner. Ferner sei nicht ausgeschlossen, dass sich der Verein Surfing Wolfratshausen irgendwann auflöst. In diesem Fall sei die Kommune verantwortlich für sämtliche Folgekosten.

Das Duo befürchtet außerdem, dass durch die Surfwelle das Verkehrsaufkommen in Weidach zunimmt, vor allem am „Nadelöhr“ von der Eisenbahnbrücke bis zur Kreuzung am Netto-Supermarkt. „Über diese vorhersehbaren Einschränkungen wird kaum diskutiert, obwohl die Stadt Wolfratshausen den Klimanotstand ausgerufen hat.“

Das Aktionsbündnis gegen die Surfwelle gründete sich laut Mitinitiatorin Hildegard Seitner vor Weihnachten. Die 64-Jährige findet, die Stadt sollte Steuergelder besser in kommunale Pflichtaufgaben wie beispielsweise den Straßenunterhalt investieren. Zusammen mit ihren Mitstreiter sammelt Seitner derzeit Unterschriften gegen das Projekt.

Info

Das Thema Surfwelle soll in einer Sondersitzung des Stadtrats am Dienstag, 14. Januar, behandelt werden.

nej

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