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Obdachlose übernachten in Städten oftmals auf der Straße, wie hier in Düsseldorf.

Obdachlosenheim in Wolfratshausen ist voll

Zu wenig Platz: Müssen Obdachlose künftig mehr zahlen?

Wolfratshausen – Das Obdachlosenheim in Wolfratshausen ist voll. Jetzt muss sich die Politik dringend etwas überlegen, sagt die Koordinatorin.

13 Menschen wohnen im so genannten Haus Schlickenrieder an der Münchner Straße, mehr Zimmer gibt es nicht. Ines Lobenstein, die die Wolfratshauser Wohnungslosen betreut, kündigte am Donnerstagabend im Sozialausschuss an, dass man sich deshalb dringend etwas überlegen müsse. „Vielleicht müssen wir aus den Räumen Doppelzimmer machen, damit wir alle unterkriegen.“ Außerdem denkt Lobenstein über eine Erhöhung des Nutzungspreises nach.

In ihrem Rechenschaftsbericht zog die Wolfratshauserin dennoch ein nahezu durchweg positives Fazit. „Wir können es meistens verhindern, dass Menschen obdachlos werden“, sagte Lobenstein. Sie betreibe vor allem präventive Wohnungslosenhilfe – mit Erfolg.

Im Rathaus ist man mit der Obdachlosenhilfe zufrieden

Auch der zuständige Abteilungsleiter im Rathaus, Martin Melf, äußerte sich zufrieden: „In Wolfratshausen beruht die Obdachlosenhilfe auf dem Motto ,Fordern und Fördern.‘“ Andere Kommunen hätten die hiesige Wohnungslosenunterstützung bereits kopiert. „Zum Beispiel hat sich die Stadt Regensburg unsere Arbeit genau angeschaut und einiges übernommen“, berichtete Melf. Die Vorgehensweise von Lobenstein und der Loisachstadt sei ein großer Erfolg: „Unser Weg ist der Königsweg.“ Statt des früheren „Outlaw-Distrikts“ (Melf) an der Isarstraße habe die Obdachlosenbetreuerin Lobenstein „Luxusobdachlosenunterkünfte“ geschaffen. „Die Menschen merken gar nicht, dass das ein Heim ist“, sagt Lobenstein über das Haus Schlickenrieder. Auch von den Nachbarn habe es im vergangenen Jahr keine Beschwerden gegeben. „Das läuft ruhig und geordnet.“

Ihrer Beobachtung nach habe sich das Bild der Wohnungslosen in der Loisachstadt in den vergangenen Jahren geändert. „Wir reden nicht mehr von Besoffenen, die in der Stadt herumlungern.“ Solche Fälle gebe es fast nicht mehr. Inzwischen hätten sogar auch Frauen und Familien Probleme, hier eine Bleibe zu finden. „Wenn eine geringverdienende Frau mit zwei Kindern von ihrem Mann verlassen wird, kann sie sich in Wolfratshausen keine Wohnung leisten.“

Für die Wohnungssuchenden in Wolfratshausen gibt es auch einige ehrenamtliche Hilfsangebote. Beispielsweise sorgt ein Strickkreis dafür, dass regelmäßig Spendengelder eingehen. „Einmal in der Woche treffen sich einige Frauen und stricken Mützen oder Handytäschchen, die auf dem Christkindlmarkt und einem Markt vor Ostern verkauft werden“, sagte Lobenstein.

Erhöht sich die Miete für Obdachlose?

Die Wohnungslosenbetreuerin der Stadt Wolfratshausen, Ines Lobenstein, möchte von den Bewohnern im Haus Schlickenrieder mehr Geld verlangen. Bislang zahlen die Nutzer des Obdachlosenheims im Monat 100 Euro plus Strom für ein Zimmer. Übernommen werden die Kosten entweder vom Bewohner selbst oder – bei Arbeitssuchenden – von der Arbeitsagentur. Zu jedem zwölf Quadratmeter großen Einzelzimmer gehört ein eigenes Bad.

In Geretsried werden für ein Einzelzimmer 240 Euro verlangt. Das ist kein Einzelfall: „Alle größeren Städte verlangen mindestens das Doppelte“, sagte Lobenstein im Ausschuss für Kultur, Jugend, Sport und Soziales. Da die Bewohner außer dem Festbetrag keine weiteren Gebühren, zum Beispiel für die Nutzung des Waschraums, zu zahlen haben, sei ein höherer Preis zu rechtfertigen.

Laut dem zuständigen Abteilungsleiter im Rathaus, Martin Melf, wäre eine Mieterhöhung möglich. „Das wäre ein Wimpernschlag für den Stadtrat.“ Auch Bürgermeister Klaus Heilinglechner würde einen höheren Zimmerpreis begrüßen: „So schaffen wir einen Anreiz, dass die Menschen sich eine eigene Bleibe suchen.“ Lobenstein ergänzte: „Es gibt Bewohner, die wollen beim Preis von 100 Euro nie wieder ausziehen.“ Ausnahmen sollten für einzelne Bewohner weiter möglich sein – schließlich, so der Rathauschef, sei Wolfratshausen „auch eine soziale Stadt.“

von Dominik Stallein

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