+
Ein Kirchturm, wie der von St. Andreas, vermittelt einen inneren Halt, Sicherheit und das Gefühl von Geborgenheit. 

Dekan Beham erklärt den Spruch

Wenn wir die Kirche im Dorf lassen: Warum ein Kirchturm Geborgenheit vermittelt

Wenn an diesem Wochenende Kirchweih gefeiert wird, erfreuen sich viele am Blick auf die Gotteshäuser. Dekan Beham aus Wolfratshausen erklärt, warum ein Kirchturm vielen ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt.

Wolfratshausen – Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass unsere alten Kirchenbauten in der Ortsmitte gewachsener Dörfer und Städte von oben gesehen wie eine große Glucke ausschauen? Wenn man etwa von einer Anhöhe wie dem Wolfratshauser Bergwald aus auf die Pfarrkirche St. Andreas hinunterschaut, kann man dies so empfinden: In der Mitte des Marktes erhebt sich der Kirchturm wie ein Kopf, und die Dachflächen mit den kleinteiligen Ziegeln erinnern an ein bergendes Gefieder für alles, was sich ringsherum abspielt.

Im Lukas-Evangelium (Kap. 13,34) umschreibt Jesus seine Sendung für das Volk Israel selber mit dem Bild einer Henne: „Jerusalem, wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt!“ Jesus, der Gottessohn, ist wie eine Henne.

Es gibt wohl in der Bibel kein so intimes, zärtlich liebenswürdiges und zugleich kurioses Bild von Christus wie dieses. Er will uns schutzbedürftige, gebrechliche und immer wieder heimatlose Menschen unter seine Fittiche nehmen. Er möchte uns in seiner Liebe bergen.

Lesen Sie auch: Höhenzauber: Wie ein Mantra Wanderern auf dem Weg zum Gipfel helfen kann

Wenn wir an diesem Wochenende Kirchweih feiern mit Kirchweihgans, „Kirtahutschn“, Kirchweihtanz und Kirchweihmärkten und anderem Brauchtum, dann erfreuen sich daran auch viele, die unsere Kirchen sonst „nur“ von außen sehen. Doch interessant ist: Bei Umfragen kam heraus, dass – egal, ob sich jemand als religiös oder nicht-religiös bezeichnet – die meisten Bürger eines Dorfes oder Stadtteils es sehr schätzen, einen Kirchturm in ihrer Umgebung zu haben. Warum? Er vermittelt weitgehend unbewusst einen inneren Halt, Sicherheit und das Gefühl von Geborgenheit. Er ist wie ein Fingerzeig zum Himmel mit der Ahnung, dass es im Leben noch mehr geben muss als unsere eigene Kleinheit und das, was uns täglich niederdrückt. Er ist Ausdruck von Sehnsucht, dass ich einmal über alle Begrenzungen und Einschränkungen hinauskommen werde. Und – um noch einmal auf das Bild von der Henne und ihren Küken zurückzukommen – Kirchtürme und Kirchenbauten haben auch eine beruhigende Wirkung: „Lassen wir doch die Kirche im Dorf!“, sagen wir manchmal, wenn uns etwas zu verrückt wird, übertrieben erscheint oder zu kompliziert. Wir wollen dann wieder ins Gleichgewicht kommen, suchen neu nach einer Mitte, an der wir uns orientieren können, nach einer Ordnung, die trägt.

Der Kirchweihsonntag lädt uns deshalb, Ferne wie Nahstehende, ein, uns von Gott und seiner Liebe beheimaten zu lassen, und dass, wenn Sie so wollen, „wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt“.

Auch interessant: „Engagiert euch“: So eindrucksvoll appelliert ein Geistlicher für mehr Gemeinschaft

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Brotzeit & Spiele: Wolfgang Ramadan lädt zur Abo-Reihe nach Dorfen ein – Vorverkauf läuft
Er sichert die „kulturelle Grundversorgung“ im Landkreis: Wolfgang Ramadans Theaterreihe „BrotZeit & Spiele“ findet nächstes Jahr zum 15. Mal statt.
Brotzeit & Spiele: Wolfgang Ramadan lädt zur Abo-Reihe nach Dorfen ein – Vorverkauf läuft
Wolfratshausen erinnert an das Ende des Ersten Weltkriegs
1918 ging der Erste Weltkrieg zu Ende, nach vier Jahren mit vielen brutalen Schlachten. Daran erinnert die Stadt Wolfratshausen mit mehreren Veranstaltungen - unter …
Wolfratshausen erinnert an das Ende des Ersten Weltkriegs
Von wegen Microsoft: Frau tappt in die Falle
Angeblich war am anderen Ende der Telefonleitung ein Mitarbeiter der Firma Microsoft: Diese Annahme kam eine Frau teuer zu stehen.
Von wegen Microsoft: Frau tappt in die Falle
Wolfratshauser Fluss-Film-Festival: Vereins-Chefin freut sich über Besucherzahlen
Das Publikum war begeistert vom Fluss-Film-Festival Die Filmvorführungen am Freitag und Samstag waren zwar nicht ausverkauft, aber gut besucht. Und trotz schönsten …
Wolfratshauser Fluss-Film-Festival: Vereins-Chefin freut sich über Besucherzahlen

Kommentare