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Der Maler Werner Neuhaus. 

Bild hängt im Wolfratshauser Heimatmuseum

Er hat den unheimlichen Sensenmann gemalt

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Das Bild „Schnitter Tod“ illustriert das Grauen des Ersten Weltkriegs auf drastische Art und Weise. Momentan ist der unheimliche Sensenmann auf Flyern und Plakaten häufig zu sehen. 

Wolfratshausen – Eine unheimliche Gestalt ist in Wolfratshausen momentan allgegenwärtig. Ein Sensenmann, der mit grimmigem Blick Blumen mäht, schaut über die Schulter aus hohlen Augen den Betrachter an. Man findet ihn auf Faltblättern und Plakaten, die Veranstaltungen zum 100-jährigen Ende des Ersten Weltkriegs ankündigen. Das Bild symbolisiert den millionenfachen Tod, den der Krieg brachte. Was kaum jemand weiß: Der Maler Hermann Neuhaus lebte viele Jahrzehnte am Bergwald. Das Bild aus dem Jahr 1916, als das große Morden gerade in vollem Gange war, hängt im Heimatmuseum.

Annekatrin Schulz vom Heimatmuseum mit dem Bild „Schnitter Tod“. 

Wer das düstere Werk einmal im Original sehen will, braucht nur in den ersten Stock des Museums gehen. Dort hängt das Ölbild rechterhand, neben einigen anderen von Neuhaus. „Der arme Lazarus“, „Sah ein Knab ein Röslein stehen“, „Unser täglich Brot“: Alle sind schön anzuschauen und machen Eindruck auf den Betrachter. Doch so drastisch, ja brutal wie „Schnitter Tod“ ist keines. War der Wahl-Wolfratshauser womöglich Pazifist? „Das kann man angesichts eines solchen Bildes vielleicht vermuten, aber wissen tut man es nicht“, sagt Annekatrin Schulz vom Heimatmuseum.

Manches andere weiß man über Hermann Neuhaus. Der Künstler wurde 1863 in Barmen bei Düsseldorf geboren und starb 1941 in Wolfratshausen. Studiert hat er offenbar unter anderem bei Franz von Lenbach, dem berühmten „Malerfürsten“. Eine Zeit lang lebte und arbeitete Neuhaus in München, vor allem nahm er sich religiöser Themen an. Als sein Bild „Der arme Lazarus“ von der Kritik abgelehnt wurde, kehrte er dem dortigen Kunstbetrieb wohl den Rücken. Er zog zusammen mit seiner Frau Karoline Imhof 1902 in das Städtchen an der Loisach und kaufte 1907 das sogenannte Fahnensattlerhaus am Bergwald. Postadresse: Am Berg 185.

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Hier malte Neuhaus Bild um Bild. „Sie sind in der Regel eher naturalistisch als impressionistisch gehalten“, erklärt die gelernte Kunsthistorikerin Schulz. Zu diesen Werken zählt unter anderem ein reizvoller Ausblick in die Frühlingslandschaft des Loisachtals. Neuhaus’ Hauptwerk in jener Zeit dürfte jedoch die Ausmalung der evangelischen Kirche in Wolfratshausen gewesen sein, der er sich viele Jahre, von 1909 bis 1924, widmete. Die Kritik war begeistert: Unsere Zeitung nannte das Ergebnis „beglückend“. Nach dem Tod von Neuhaus im Jahr 1941 verlor sich allmählich die Erinnerung an den Maler, der offenbar in Wolfratshausen gut integriert war. Das Fahnensattlerhaus wurde 1978 abgerissen, nur eine Tafel erinnert noch daran. Die Bilder der evangelischen Kirche wurden großteils übermalt.

Unmittelbar neben dem düsteren „Schnitter Tod“ hängt im Heimatmuseum ein kaum weniger düsteres Gedicht von Rainer Maria Rilke, der in demselben Haus im Jahr 1897 einen Sommer verbracht hatte. Darin erwähnt der Dichter einen unheimlichen Landwirt. Der Schluss des Gedichts lautet: „Der Bauer war wie ein Riese / Er stand auf fremder Wiese / Und mähte langsam das Licht.“

Die Parallelen zum Bild sind verblüffend – und werfen Fragen auf. Kannten sich Rilke und Neuhaus? Kannte Neuhaus gar das Gedicht? Und ist mit dem Bauern vielleicht der als unheimlich geltende Ex-Besitzer des Fahnensattlerhauses gemeint, Stefan Bauer? Man weiß es nicht und wird es wohl auch nie wissen. Doch vielleicht ist das auch gar nicht nötig. „Das Kunstwerk spricht für sich“, sagt Schulz.

Das Heimatmuseum

ist derzeit am Sonntag von 14 bis 18 Uhr und am Donnerstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen außerhalb der Öffnungszeiten kann man unter Telefon 08171/2140 vereinbaren.

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