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Theater in der Turnhalle: Für die Siebt- bis Zehntklässler der Waldramer Mittelschule wurde das Stück „Am Rande des Regenbogens“aufgeführt.

Spielerisch gegen den Schmerz

Wie ein Theaterprojekt Schülern dabei hilft, Depressionen vorzubeugen

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Das Eukitea Kindertheater war kürzlich an der Waldramer Mittelschule zu Gast. Das neueste Projekt soll den Schülern helfen, Depressionen und Burnout vorzubeugen.

Waldram – Wer in einem Gebäude mit 100 Stockwerken im Aufzug ganz nach oben fährt und die Welt betrachtet, wird eines feststellen: Menschen, Häuser, Bäume sind nur kleine Farbkleckse. Und nicht nur das: Auch die Sorgen und Probleme, die jeder mit sich herumträgt, sind nur winzige Kleckse – und keine großen, unüberwindbaren Hindernisse.

Öfter mal Abstand zu gewinnen und die Perspektive zu ändern: Das waren Gedanken, die die Schauspieler des Eukitea Kinder- und Jugendtheaters aus dem schwäbischen Diedorf den Waldramer Mittelschülern mit auf den Weg gaben. Mit Unterstützung des Gewinn-Sparvereins der Münchner Sparda-Bank hatte Jugendsozialarbeiter Joachim Koch das mobile Theaterstück für die Schüler der siebten bis zehnten Jahrgangsstufe nach Waldram geholt. Es wurde eigens zur Prävention von Depression und dem Burnout-Syndrom entwickelt. „Es ist wichtig, dass die Schüler über Depressionen aufgeklärt werden und die Hilfsmöglichkeiten kennenlernen“, sagte Koch.

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„Am Rande des Regenbogens“ erzählt die Geschichte von den beiden Jugendlichen Amira und Matteo. Wie bei allen Teenagern spielen ihre Gefühle verrückt: Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt ist alles dabei. Wenn sie sich freuen, springen sie durch die zur Bühne umfunktionierte Turnhalle und tanzen zu fröhlicher Musik. Doch dann brüllt Amira, weil sie sich von ihren Eltern bevormundet fühlt, und vergräbt das Gesicht in einem Kissen, weil sie denkt, nicht zu genügen. Matteo hastet von links nach rechts, weil er es allen recht machen will, um dazuzugehören.

Wut, Angst, Ohnmacht, Selbstzweifel: All das sind Gefühle, mit denen die beiden Teenager kämpfen müssen. Doch dann begegnet ihnen ein unsichtbarer Freund. Er ist der innere Ratgeber, der ihnen hilft, mit den Schattenseiten des Lebens umzugehen: Er lehrt Matteo, Nein zu sagen und sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Amira zeigt er, das es manchmal nötig ist, eine Freundschaft zu beenden, die nicht guttut. Langsam freunden sich die Jugendlichen an. Sie sprechen miteinander über ihre Probleme, und merken, dass sie nicht allein sind.

Lernen, auf den Wellen des Lebens zu surfen

Ziel des Stücks ist es, Resilienz, also die seelische Widerstandskraft, zu fördern und Jugendliche darin zu unterstützen, ihren eigenen Weg zu gehen. „Es ist wichtig, dass du immer wieder den Liebeslichtschalter einschaltest und dich selbst liebst“, sagt Matteo zu seiner Freundin Amira.

Nach der Aufführung betonten die beiden Schauspieler noch einmal, was sie mit ihrem Stück erreichen möchten: „Wir wollen Lebensfreude weitergeben“, sagte Kathrin Müller alias Amira. „Im Leben schlagen Euch immer wieder Wellen entgegen. Lernt, auf Ihnen zu surfen.“ Giorgio Buraggi alias Matteo ergänzte: „Habt Spaß mit dem Leben. Jeder Mensch ist einzigartig. Jeder Mensch ist ein Wunder.“

In Workshops mit Mitgliedern des Eukitea-Theaters setzten sich die Jugendlichen weiter mit dem Thema auseinander. „Es geht darum, sich seiner Stärken und Schwächen bewusst zu werden“, erklärte Kathrin Müller. Die Schüler beschäftigten sich mit ihrem eigenen Lebensweg und versuchten, eine Antwort auf die Frage zu finden, was es bedeutet, sich selbst zu lieben. mh

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