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Was früher der Brockhaus war, ist heute Wikipedia: Das gemeinnützige Projekt bietet kostenlose lexikalische Artikel in fast 300 Sprachen. 

Veni, vidi, wiki

Wie viele Wolfratshauser finden sich auf Wikipedia?

Wikipedia ist das bekannteste Lexikon der Welt. Auch einige Wolfratshauser können sich mit einem eigenen Artikel schmücken.

Wolfratshausen – Mit wenigen Mausklicks kann sich der Nutzer in jedes erdenkliche Thema einlesen. Wie in einem herkömmlichen Nachschlagewerk zum Anfassen sind auch in Wikipedia bekannte und bedeutende Persönlichkeiten repräsentiert.

Die Recherche unserer Zeitung zeigt, dass sich auch einige Wolfratshauser mit einem eigenen Artikel schmücken können. Im Eintrag zur Flößerstadt sind unter der Rubrik „Persönlichkeiten“ etliche Namen aufgelistet. 25 davon sind mit einer eigenen Seite verlinkt, für zwei werden noch Autoren gesucht. Bei einem davon handelt es sich um Hans Urmiller. Er hat – entgegen aller Erwartung – keinen Eintrag. Die Informationen zu seiner Person finden sich auf der Website der Stadt. Urmiller war von 1529 bis 1535 Richter und Landpfleger. Seinem Porträt begegnete man auf dem alten 50-Mark-Schein, im Wolfratshauser Gewerbegebiet trägt eine Straße seinen Namen.

Auch Richard Wagners Name ist bisher nur rot verlinkt und führt ins Leere. Wer nun die Verbindung zum berühmten deutschen Komponisten zieht, wird enttäuscht. Der Musik-Erneuerer aus dem 19. Jahrhundert hatte mit Wolfratshausen nichts zu tun. Sein Namensvetter war ein Porträtist und Kunstmaler aus der Region. In der Gemäldegalerie des Heimatmuseums kann man seine Werke bewundern.

Der bekannteste Wolfratshauser mit einem Wiki-Eintrag ist derzeit Dr. Edmund Stoiber. Bayerns ehemaliger Ministerpräsident ist zwar nicht in der Flößerstadt geboren, lebt dort aber – zunächst von 1961 bis 1968 und dann wieder seit 1979. In den 1990er-Jahren verlieh die Stadt Stoiber den Titel des Ehrenbürgers, seit 2017 weist eine Messingplakette auf dem Wolfratshauser „Walk of Fame“ auf ihn hin.

Regisseur und Kolumnist Matthias Kiefersauer sowie Jazzmusikerin Stephanie Lottermoser sind beide in Wolfratshausen geboren. Sie gingen in Geretsried aufs Gymnasium und erlangten auf ihrem weiteren Weg überregionale Bekanntheit. Der Name der ehemaligen Radsportlerin Claudia Lichtenberg findet sich nicht nur in zahlreichen Artikeln unserer Zeitung, sondern auch auf der beliebten Internetplattform.

Eine lange Zeit wenig bekannte Persönlichkeit war der Oscar-Preisträger Herbert Strabel. Der Filmarchitekt lebte mutmaßlich ab Mitte der 1970er-Jahre in der Flößerstadt und erhielt 1973 den Oscar für das Szenenbild zum Filmmusical „Cabaret“. Bei seinem Umzug ins Holzkirchner Pflegeheim entdeckten seine Betreuer den Academy Award in einer Vitrine. Auch Saul Rubinek und Towje Kleiner haben sich in der Filmbranche einen Namen gemacht. Beide sind 1948 im DP-Lager Föhrenwald geboren. Rubinek zog später mit seiner Familie nach Kanada und wurde Schauspieler, Regisseur und Filmproduzent. Für den Film „Nichts als Ärger“ stand er mit Hollywoodschauspielerin und Oscar-Preisträgerin Julia Roberts vor der Kamera, wie sein Wikipedia-Artikel verrät. Kleiner erlangte seinen Durchbruch mit der Hauptrolle in der Fernsehserie „Der ganz normale Wahnsinn“. Laut der Enzyklopädie wurde er in dieser Zeit von den Medien als „deutscher Woody Allen“ bezeichnet.

Wer im Online-Nachschlagewerk auftaucht, hat es geschafft. Nur mit Rang und Namen stößt man beim „Egosurfing“ auf seinen Namen. Wer aber auf die Idee kommet, das eigene Profil durch einen Wikipedia-Eintrag aufzupeppen, ist auf dem Holzweg. Entgegen hartnäckiger Gerüchte werden neuen Texte genauestens überprüft. Die ehrenamtlichen Autoren – in der deutschen Version etwa 800 Mitarbeiter – müssen sich an strenge Regeln halten. Ihre Texte durchlaufen viele Kontrollen. Bearbeitungen werden von Administratoren geprüft und gegebenenfalls wieder gelöscht.

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Um in die Reihe der repräsentierten Persönlichkeiten aufgenommen zu werden, muss man Einiges vorweisen können. Adelige müssen Thronfolger sein, ein einfaches Von-und-zu reicht nicht. Bei Schriftstellern zählt die Anzahl der Veröffentlichungen. Köche müssen überregional bekannt sein. Raumfahrer bekommen einen Platz, sofern sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Ein Garant für einen Eintrag bei Wikipedia ist die Heiligsprechung.

Wikipedia

Wikipedia ist ein gemeinnütziges Projekt zu Erstellung eines Nachschlagewerks. Sie gehört aufgrund der hohen Publikumsnachfrage inzwischen zu den Massenmedien. Die Online-Enzyklopädie setzt sich aus kostenlosen und zur Weiterverarbeitung gedachten Artikeln zusammen. Ziel ist es laut Gründer Jimmy Wales „eine frei lizenzierte und hochwertige Enzyklopädie zu schaffen und damit lexikalisches Wissen zu verbreiten“. Angemeldete und nicht angemeldete Autoren schreiben die Texte nach einem kollaborativen Prinzip. Aktuell gibt es über 2 305 500 deutschsprachige Artikel.

Leonora Mitreuter

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