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Um Madagaskar und die Ausbeutung des Bodens der Insel geht es in einem Vortrag am kommenden Dienstag im Pfarrheim St. Andreas.

Interview mit Dr. Ulrike Krischke

Wolfratshausen will Fair-Trade-Kommune werden

„Der Weg ist das Ziel“, findet Dr. Ulrike Krischke. Sie will Wolfratshausen zur offiziellen Fair-Trade-Kommune machen. Wie steinig der Weg ist, berichtet sie im Interview.

Wolfratshausen – Die Stadt Wolfratshausen möchte das Bewusstsein für fairen Handel stärken. Das Ziel ist eine offizielle Auszeichnung als Fair-Trade-Kommune. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Dominik Stallein erklärt die Chefin der Fair-Trade-Lenkungsgruppe, Stadträtin Dr. Ulrike Krischke, welche Aktivitäten geplant sind, wie sich Wolfratshauser Schüler an den Bemühungen beteiligen und welche Vorteile die Kommune durch die Auszeichnung hätte.

Frau Krischke, wann wird die Stadt Wolfratshausen offiziell Fair-Trade-Kommune?

Wir möchten Anfang des nächsten Jahres den Antrag für das Fair-Trade-Siegel stellen.

Davor muss die Stadt einige Auflagen erfüllen...

... richtig. Die haben wir inzwischen erfüllt. Dazu zählt, dass im Rathaus mindestens zwei fair gehandelte Produkte zu den Sitzungen ausgegeben werden. Eine lokale Steuerungsgruppe wurde eingerichtet; auch das ist ein Kriterium gewesen. Eine gewisse Anzahl – abhängig von der Größe einer Stadt – an Gastronomiebetrieben und Einzelhändlern muss entsprechende Produkte verkaufen. Im Falle Wolfratshausens wären das jeweils zwei Geschäfte und Gastronomiebetriebe. Da liegen wir sogar deutlich darüber: 13 Einzelhändler verkaufen derzeit fair gehandelte Waren, dazu kommen drei Gastronomiebetriebe.

Außerdem braucht es Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen – dieser Punkt war noch offen.

Für mich ist das mit der entscheidendste Aspekt unserer Arbeit. Auch hier ist etwas passiert: Wir planen einen Vortrag am 26. September zum Thema Madagaskar und der Ausbeutung des Bodens der Insel durch internationale Unternehmen. Dafür arbeiten wir mit dem Katholischen Kreisbildungswerk und Misereor zusammen. Am Wolf-ratshauser Weihnachtsmarkt und der Iloga (Isar-Loisach-Gewerbe-Ausstellung; Anm. d. Red) wollen wir ebenfalls für unsere Arbeit werben.

Binden sie die Wolfratshauser Jugendlichen in das Thema ein?

Natürlich sind wir auch in puncto Bildungsaktivitäten an Schulen tätig geworden. An der Realschule gab es Anfang des Jahres einen Projekttag zum Thema „reduce & reuse“, also eine Kombination aus Wiederverwertung und Einsparung von Ressourcen. Daran haben 650 Schüler teilgenommen. Die Jugendlichen haben zum Beispiel ihren eigenen Wasserverbrauch und die Mülltrennung kontrolliert. Die Grund- und Mittelschule hat mit allen Schülern eine ganze Projektwoche ausgerichtet. Die Ergebnisse waren sehr spannend, auch deswegen weil sie sehr kommunalbezogen waren. Wollen Sie ein Beispiel hören?

Gerne.

Eine Schülergruppe hat eine Umfrage in Wolfratshausen zum Thema Eierverbrauch gemacht, um zum Beispiel herauszufinden, wie viel Geld die Bürger bereit sind auszugeben. Man muss nämlich bei fairem Handel nicht immer auf die Südhalbkugel des Globus gucken. Gerade bei Eiern, auch den lokal hergestellten, weiß man ja um die Unterschiede in der Produktion. Das Ergebnis: Viele Menschen gucken eher auf den Geldbeutel als auf die Nachhaltigkeit der Produkte. Andere Schüler haben Marmelade eingekocht und die verkauft.

Angenommen, der Antrag auf das Siegel ist erfolgreich: Was hat die Stadt effektiv davon, Fair-Trade-Kommune zu sein?

Es gibt keine Finanzmittel oder wirklich zählbare Vorteile durch das Siegel. Das ist lediglich eine Auszeichnung. Darum geht es aber auch nicht. Denn das, was geleistet wird, um das Siegel zu erreichen – also fairer Handel vor Ort, Informationsveranstaltungen und die Bereitschaft der Kommune, in dieser Sache aktiv zu werden – ist der Erfolg, der uns antreibt. Mit jedem Gedanken, der bei diesem Thema hängen bleibt, machen wir einen weiteren Schritt. Wenn man so möchte, ist der Weg das Ziel.

Vortrag

Die Vortragsveranstaltung „Bodenlos – die Jagd auf Land“ findet am Dienstag, 26. September, um 19.30 Uhr statt. Veranstaltungsort ist der Pfarrsaal St. Andreas am Marienplatz in Wolfratshausen. Der Eintritt kostet fünf Euro.

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