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Mit Verwöhnaroma: Alle Rathausmitarbeiter – hier (v. li.) Marlene Schretzenmayer,Helga Hacibegiroglu, Dietmar Wicht, Marion Klement und Claudia Holzer – genießen seit einiger Zeit nur noch fair gehandelten Kaffee. 

bericht von stadträtin dr. ulrike krischke   

Wolfratshausen will Fair-Trade-Kommune werden

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Die Flößerstadt möchte im Frühjahr als „Fair-Trade-Kommune“ anerkannt werden. Über das bisherige Engagement informierte Stadträtin Dr. Ulrike Krische, Mitglied der Steuerungsgruppe „Fair Trade“, jetzt den Stadtrat.

WolfratshausenDas „Fair-Trade“-Siegel, das die Kommune anstrebt, wird vom Verein „TransFair“ vergeben. Die Voraussetzungen: Die Erstellung einer Liste der Geschäfte, die fair gehandelte Produkte anbieten, Bildungsarbeit, die Verwendung beziehungsweise der Konsum fair gehandelter Produkte im Rathaus und Öffentlichkeitsarbeit. Alle diese Aufgaben seien erledigt, stellte Krischke fest, die Bildungsarbeit sei sogar „übererfüllt“. Die Stadträtin verwies in diesem Zusammenhang auf den Projekttag der Wolfratshauser Realschule, an dem sich 650 Schüler beteiligten, sowie die Projektwochen an den beiden Kinderhorten in Wolfratshausen und Waldram (siehe unten).

„Wie viele Sklaven halten Sie persönlich, Herr Schwarz ?“

„Zugegeben provokant“ fragte Krischke ihre Amtskollegen Dr. Hans Schmidt, Renate Tilke und Maximilian Schwarz: „Wie viele Sklaven halten Sie persönlich?“ Die Antwort gab sie selbst: „Jeder von uns 60“, zitierte Krischke die Ökonomin Prof. Evi Hartmann. „Wir lassen unseren Honig von unterbezahlten mexikanischen Bauern ernten, unsere iPhones von zwangsrekrutierten Arbeitern in China zusammenbauen, und unsere Jeans und Hemden von Arbeiterinnen in Bangladesch oder Indien nähen“, erklärte die Stadträtin. Das Konsumverhalten sorge für einen starken Preisdruck, die Konsequenz seien unfaire Produktions- und Handelsbedingungen. Dazu geselle sich die Zerstörung der natürlichen Lebensumwelt vieler Menschen und „die persönlichen Risiken, die diese Menschen eingehen müssen, um zu überleben – zum Beispiel sich schutzlos gefährlichen Chemikalien aussetzen“.

Krischke appellierte an das Mitgefühl der westlichen Welt, „wir müssen den moralischen Zeigefinger heben“. Und: „Wir müssen Prozesse verstehen lernen und erkennen, wie unser Konsumverhalten die Lebensbedingungen in allen Teilen der Welt – auch bei uns – diktiert.“ Dann müsse gehandelt werden: „Im Großen wie im Kleinen. Wir müssen fair produzierte und gehandelte Produkte kaufen, andere informieren und uns politisch einsetzen.“

Den ersten Schritt auf diesem Weg unternahm Wolfratshausen 2015 mit der Gründung der Steuerungsgruppe „Fair Trade“. Die legte ihr Augenmerk laut Krischke vor allem auf die Bildungsarbeit. Vorträge und Workshops – zum Beispiel im Rahmen der Isar-Loisach-Gewerbeausstellung (Iloga) – Projekttage an Schulen sowie die Präsenz auf dem Christkindlmarkt zählten dazu.

„Möchten mehr faire Produkte auf den Ladentischen“

„Wir möchten auch mehr und mehr Produkte, die fair produziert und gehandelt sind, auf den Ladentischen in Wolfratshausen sehen“, betonte Krischke. Damit die Anbieter sichtbar werden, sind sie im Einkaufsführer der Stadt hervorgehoben worden, berichtete Krischke. Faire Produkte, das sagte die Stadträtin, gibt’s auch im Rathaus: „Zum Beispiel den Kaffee, der hier in jeder Sitzung bereitsteht.“ Krischke mahnte: „Denken sie daran, welche Welt Sie Ihren Kindern hinterlassen wollen. Denken sie daran, dass Sie mit jedem fair gehandelten Kaffee, den sie trinken, die Welt ein wenig gerechter machen können.“

Bürgermeister Klaus Heilinglechner sowie Vertreter aller vier Stadtratsfraktionen dankten Krischke nach ihren Ausführungen stellvertretend für den Einsatz der „Fair-Trade“-Steuerungsgruppe ausdrücklich. CSU-Fraktionschef Günter Eibl gab jedoch zu bedenken, „dass es Familien gibt, die sich dieses Thema nicht leisten können“. Den Konsum fair gehandelter Lebensmittel „von oben herab zu verordnen, wäre nicht sozialverträglich“. Eibl regte an, dass auch die Tochterunternehmen der Loisachstadt (dazu zählen Abwasserverband, Städtische Wohnungsbaugesellschaft und Stadtwerke) künftig in den Genuss fair gehandelten Kaffees kommen.

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