+
Ein Bild mit Seltenheitswert: Im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes unters tützt dieser junge Mann einen Senior bei dessen Mahlzeit im Pflegeheim. 

Noch immer sind viele Stellen offen

„Wir suchen händeringend“: Immer weniger Interesse an FSJ-Stellen im Landkreis

  • schließen

Ein Jahr, um im Berufsalltag anzukommen. Ein Jahr, um einen Zukunftswunsch zu fassen. Ein Jahr, um anderen zu helfen. Bufdi und FSJ sind gute Angebote für junge Erwachsene. Trotzdem ist das Interesse gesunken.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Karina Rebele sitzt auf Kohlen. Bisher hatte die Geschäftsführerin des TuS Geretsried spätestens zum Jahresanfang mindestens eine Bewerbung für ein Freiwilliges soziales Jahr (FSJ). Heuer blieb der Briefkasten bis dato leer. Ohne einen FSJler ab Ende August müssten die Abteilungen des Sportvereins schlimmstenfalls Trainigszeiten absagen.

Für den TuS ist das ein neues Problem. „Wir hatten in manchen Jahren sogar drei FSJler“, berichtet Rebele. Dass das Interesse gesunken ist, scheint aber ein allgemeines Phänomen zu sein. Junge Erwachsene verkürzen ihr Freiwilliges Soziales Jahr, weil sie sich nicht so lange binden können oder wollen. Und im Bereich des Bundesfreiwilligendienstes (Bufdi) bricht sogar jeder Dritte seinen Einsatz vor Ende ab, wie Medien mit Verweis auf Zahlen der Bundesregierung berichten.

In der Jugendsiedlung Hochland in Königsdorf haben zwei junge Erwachsene ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr zum Februar beendet, um ihr Studium mit dem Sommersemester zu beginnen, berichtet Leiter Roland Herzog. Unter den Bufdis habe es aber bisher niemanden gegeben, der die Jugendsiedlung vor Ablauf des Jahres verlassen wollte. Abbrecher gab es auch beim TuS nicht. „Wenn sie zwölf Jahre Schule hinter sich haben, freuen sie sich, dass sie etwas anderes machen können“, sagt Rebele.

Bei Rudi Mühlhans, Geschäftsführer des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit, haben zwei FSJler ihre begleitende Arbeit in den Grundschulen und im Jugendtreff vorzeitig beendet. „Im einen Fall fand derjenige einen Ausbildungsplatz – was super ist –, im anderen Fall war eine persönliche Krisensituation der Grund“, berichtet Mühlhans. Und da sei es besser so gewesen. Ansonsten hat er nur positive Erfahrungen mit jungen Erwachsenen im Freiwilligen Sozialen Jahr gemacht. „Wir wollen nächstes Jahr sogar einen dritten FSJler einstellen.“

Lesen Sie auch: „Man lernt sehr viel für sich selbst“: Warum jeder von einem FSJ profitieren kann

Drei Stellen hat auch das Josefistift in Bad Tölz. Wenn die jungen Männer im August fertig sind, hat Heimleiterin Bettina Emmrich bis dato allerdings nur zwei Nachfolger für die soziale Betreuung der Patienten. Aber „in den vergangenen Jahren hat es immer Nachzügler gegeben“, sagt sie.

Sorgen macht sie sich allerdings mit Blick auf die Bufdi-Stelle im Alten- und Pflegeheim. „Wir bekommen so gut wie keine Bewerbungen“, berichtet Emmrich. Aktuell haben sie keinen und auch fürs nächste Jahr sieht es nicht gut aus. Dabei hat die Heimleitung gute Erfahrungen mit der Gesetzesänderung gemacht, zu der es kam, als der Zivildienst weggefallen war. „Einer unserer Bufdis ist jetzt Auszubildender, der andere Pflegehelfer.“

Ähnliche Schwierigkeiten gibt es in der Jugendsiedlung. Aktuell sind zwei von vier Stellen besetzt. „Es ist sehr schwer, junge Menschen zu finden und zu begeistern“, sagt Roland Herzog. Es sei nicht mehr so einfach wie zu Zivi-Zeiten. „Wir müssen uns als mögliche Stelle sehr gut präsentieren.“ Die Königsdorfer sind auf die freiwilligen Helfer – es gibt ein Taschengeld für diese Tätigkeit – angewiesen. Sie helfen, die Kinder zu betreuen oder den Getränkekühlschrank aufzufüllen. „Habe ich keinen Bufdi, muss ich jemanden teuer dafür bezahlen, und bei uns als sozialer Träger wird dann alles teurer.“

Ehemalige Bufdis packen immer noch mit an 

Als große Unterstützung empfindet auch der Kreisverband des Bund Naturschutzes (BN) seine Bufdis – sechs hatte er seit dem Jahr 2012. „Unsere Bufdine hilft, den Tölza Garten zu versorgen, und unterstützt bei der Umweltbildung“, erklärt die Wolfratshauser Geschäftsstellenleiterin Monika Schotte. Auch beim Projekt „Oberland Plastikfrei“ sei eine zusätzliche Kraft wichtig. Bisher konnte der Verein immer einen Interessierten finden. Manche blieben allerdings nur ein halbes Jahr, um Zeit zu überbrücken. Schlimm sei das aber nicht gewesen, sagt Schotte. „Drei haben ihr Jahr nämlich sogar verlängert.“

Teilweise packen die ehemaligen Bufdis immer noch beim BN an – sei es im Tölzer Gemeinschaftsgarten oder bei Bootstouren. „So schrecklich kann es nicht gewesen sein“, scherzt Schotte. Dass FSJ und Bufdi wertvoll sind, darüber ist man sich einig. „Es entstehen schöne Beziehungen, deswegen besuchen viele immer noch unsere Feste“, sagt etwa Bettina Emmrich vom Josefistift.

Deswegen hat Karina Rebele die Hoffnung für den TuS noch nicht aufgegeben. Sie vermutet, dass manche Abiturienten einfach noch keine Zeit hatten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Vielleicht merkt der eine oder andere jetzt nach dem Abi, dass er noch nicht weiß, was er machen will.“ Roland Herzog von der Jugendsiedlung Hochland ist ebenfalls grundsätzlich zuversichtlich. Bisher ist eine von vier Bufdi-Stellen besetzt. „Wir suchen händeringend.“ sw

Lesen Sie auch: Ferienjobs im Landkreis: Alles, was Sie wissen müssen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Sirenenchor und die „KIL all stars“ feiern Premiere 
Diese Erdbeerbowle hat es in sich: Das Sommerkonzert von Sirenenchor und „KIL all stars“ im Hollerhaus war erfrischend. 
Sirenenchor und die „KIL all stars“ feiern Premiere 
Wolfratshauser Wirtefest: Von Bar zu Bar, von Band zu Band
Rund geht‘s am 14. September in Wolfratshausen: Die Besucher des Wirtefests werden mit zwei Oldtimer-Bussen von Location zu Location kutschiert.
Wolfratshauser Wirtefest: Von Bar zu Bar, von Band zu Band
Waschechte Wolfratshauser feiern Gnadenhochzeit
Dass ein Paar gemeinsam den 70. Hochzeitstag feiert, ist ein seltenes Ereignis. Dem Ehepaar Hoffmann ist diese Gnade widerfahren. Etwas hat sie ganz besonders verbunden. 
Waschechte Wolfratshauser feiern Gnadenhochzeit
Streifenwagen in Wolfratshausen angezündet: Für die Kripo steht der Täter fest
Es waren gespenstische Szenen: In der Wolfratshauser Altstadt brannte ein Streifenwagen. Nun haben die Ermittler den vorsätzlichen Brandstifter ausgemacht.
Streifenwagen in Wolfratshausen angezündet: Für die Kripo steht der Täter fest

Kommentare