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Ein „absoluter Glücksfall“ sind für Stadtarchivar Simon Kalleder die neuen Räumlichkeiten in der ehemaligen Landwirtschaftsschule.

Umzug in die Landwirtschaftsschule hat sich gelohnt

Die Wolfratshauser begeistern sich für Geschichte: Stadtarchiv ist sehr beliebt

Ein neuer Leiter, eine neue Heimat: Das Stadtarchiv hat sich im vergangenen Jahr stark verändert. Kürzlich legte Simon Kalleder, hauptamtliche Archivar, seinen ersten Jahresbericht vor.

Wolfratshausen Die Stelle hat er im März vergangenen Jahres angetreten – pünktlich, um den Umzug der Einrichtung vom alten Pumpenhäuschen am Loisachufer in die ehemalige Landwirtschaftsschule abwickeln zu können. Die neue Heimat an der Bahnhofsstraße bezeichnet er als „absoluten Glücksfall“. Besonders, dass die historischen Archivalien in einem historisch bedeutsamen Gebäude untergebracht sind, sei eine schöne Symbolik. Kalleder: „Wir haben hier optimale klimatische Bedingungen, die Ausstattung ist besser, und es gibt noch ausreichend Lagerraum, damit das Archiv weiterwachsen kann.“

Dabei ist Kalleder auf Unterstützung aus der Bevölkerung angewiesen. „Relativ regelmäßig“ kommen Menschen ins Stadtarchiv, um historische Schätze, Urkunden oder Fotografien vorbeizubringen. „Davon ist nicht alles immer zu gebrauchen, aber es sind oft richtige Schätze dabei.“ Die Spendenbereitschaft und das Geschichtsbewusstsein der Wolfratshauser bezeichnet er als „sehr gut“.

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Letzteres zeige sich auch an der Zahl der Anfragen. „Man merkt gerade nach dem Umzug, dass viele Leute vorbeikommen und in den Akten lesen oder mich telefonisch bitten, etwas für sie herauszusuchen.“ Insgesamt hatte er im vergangenen Jahr 121 Anfragen zu bearbeiten. „Wir sind kein Massenbetrieb und werden das auch nie werden“, sagt er. „Aber die Resonanz ist wirklich gut.“ Vor allem das Thema Flößerei und Vereinsanfragen beschäftigen den hauptamtlichen Archivar häufig. „Manchmal suchen Bürger Akten zur Familienforschung und wollen zum Beispiel wissen, wo ihr Großvater geboren wurde.“

Wegen der Nachfragen hat Kalleder die Öffnungszeiten des Archivs verlängert: Von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr steht er den Bürgern zur Verfügung, donnerstags sogar bis 18 Uhr. Freitags bleibt das Archiv zu. „Die Sprechzeiten haben sich auch noch einmal positiv ausgewirkt“, berichtet er. Kalleder bearbeitet die Anfragen nicht alleine: Vier ehrenamtliche Wolfratshauser helfen dem hauptamtlichen Archivar. „Das ergänzt sich sehr gut, weil alle verschiedene Qualitäten einbringen.“

Für Ende des Jahres – vermutlich ab 18. November – plant der Archivleiter eine Sonderausstellung zum Ersten Weltkrieg, dessen Ende sich heuer zum 100. Mal jährt. „Dabei möchte ich keine globale Übersicht machen oder Frontverläufe nachzeichnen“, erklärt er. „Mir geht es um die Wolfratshauser Seite des Krieges.“ Sein Fokus liegt auf den Auswirkungen, den die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts auf Bauern, Flößer, Handwerker und die Region hatt, wenn Männer an die Front mussten. „Wir haben dazu schon viel Material“, sagt er. Feldpost, Ehrenchroniken und Antiquitäten sollen einen Eindruck von der Zeit vermitteln. Wenn Bürger Artefakte oder Ähnliches als Leihgaben beisteuern könnten, „haben wir eine super Ausstellung“, ist Kalleder zuversichtlich. Geplant ist außerdem eine Kooperation mit dem Heimatmuseum, der Stadtbücherei und der Musikschule. Dominik Stallein

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