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„WOR tolerant“ ruft wieder zur Menschenkette auf - Dr. Josef Hingerl will versöhnen

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Von: Volker Ufertinger

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Am Montagabend standen sich die Spaziergänger (li., ohne Maske) und die Gegendemonstranten gegenüber.
Am vergangenen Montagabend standen sich coronakritische Spaziergänger (li., ohne Maske) und Gegendemonstranten gegenüber. Die Spaziergänger gehen wohl wieder vom und zum Edeka an der Sauerlacher Straße. Die Menschenkette wird jetzt an der Loisach gebildet. © Sabine Hermsdorf-Hiss/ Archiv

Am Montag werden wieder „Spaziergänger“ und Menschenkette aufeinandertreffen. Ausgerechnet Dr. Josef Hingerl ruft jetzt zur Versöhnung auf - eine dritte Veranstaltung.

Wolfratshausen – Langsam wird es unübersichtlich: Am kommenden Montag werden wohl drei Veranstaltungen zeitgleich zum strittigen Thema Corona-Politik in der Altstadt stattfinden. Neben den so genannten Spaziergängern hat sich die Organisatoren von „WOR tolerant“ entschlossen, die Menschenkette vom vergangenen Montag zu wiederholen. Zusätzlich ist dem Landratsamt als zuständiger Behörde eine weitere Veranstaltung angezeigt worden, mit dem Ziel, ein versöhnendes Gespräch zu ermöglichen. Angemeldet hat diese Veranstaltung Dr. Josef Hingerl.

Ausgerechnet Hingerl, könnte man sagen. Der Rechtsanwalt hatte in seiner Eigenschaft als Pächter des Golfplatzes Bergkramerhof bewusst gegen die damals geltenden Corona-Auflagen verstoßen, auch wenn ein Gericht ihm später teilweise Recht gab. Vor Wochen sagte er bei einer öffentlichen Demo gegen Kinderimpfungen den seither berüchtigten Satz: „Impfen lasse ich mich erst, wenn ich tot bin.“ Und bei den ersten „Spaziergängen“ durch die Loisachstadt marschierte er mit.

Josef Hingerl
Anwalt Josef Hingerl hat die Coronapolitik der Regierung mehrfach stark attackiert. © Sabine Hermsdorf

Jetzt schlägt der Mann aus Berg am Starnberger See in einer Pressemitteilung versöhnliche Töne an. „Ich fände es ein unglaublich positives Zeichen nicht nur für Wolfratshausen, sondern vielleicht für die ganze Gesellschaft, wenn auf diese Weise gezeigt werden könnte, wie wir bei unterschiedlichen Positionen aufeinander zugehen können.“ Konkret plant der Jurist ab 18.30 Uhr einen „Spaziergang“ vom Obermarkt über die Bahnhofstraße zum Floßkanal, von dort zur Sauerlacher Straße, dann über die Johannisgasse und zurück. Wer dialogbereit ist, soll eine Kerze (das Symbol der „Spaziergänger“) sowie eine Maske tragen. Hingerl: „Jeder kann in den Rundgang einsteigen und diesen auch wieder beliebig verlassen.“

Das Landratsamt hat gegen die Veranstaltung grundsätzlich nichts einzuwenden. „Die Versammlungsfreiheit ist ein Grundrecht“, erklärt Pressesprecher Michael Heigl. Die Auflagen, unter denen das Hingerlsche Versöhnungsgespräch stattfinden darf, werden derzeit erarbeitet. Wenn gegen die Auflagen verstoßen wird, kann die Versammlung aufgelöst werden. Das ist die Rechtslage.

Die Initiative „WOR tolerant“ will weiterhin Haltung zu den „Spaziergängern“ zeigen und für einen solidarischen Weg aus der Pandemie zu werben. Daher wird am Montag, 17. Januar, für die Zeit von 18.30 Uhr bis 19.30 Uhr erneut zu einer Menschenkette aufgerufen. Diesmal findet sie nicht in der Altstadt statt, sondern, von der alten Floßlände ausgehend, auf beiden Seiten der Loisach.

In einer Pressemitteilung verweisen die Macher – namentlich Gerald Bruschek, Andrea Beck, Konrad Huber, Dr. Ulrike Krischke sowie Ines und Peter Lobenstein – darauf hin, dass sie mit „Spaziergängern“ in einem „konstruktiven Diskurs“ sind. Das ist der Grund, warum beide Seiten am Montag so besonnen agiert haben. Dem Hingerlschen Angebot, das aus dem Nichts gekommen ist, misstrauen viele, wie zu hören ist. Außerdem wird „WOR tolerant“ ab Sonntag die Internet-Seite www.coronahilfewor.com/menschenkettefuersolidaritaet freischalten, auf der in zehn Punkten erklärt wird, wofür die Initiative steht. Dort kann man seine Unterschrift setzen, und zwar per Mail an wor-sol@gmx.de.  

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