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„WOR tolerant“ macht gegen Montags-Spaziergänge mobil

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Von: Volker Ufertinger

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Nur ein „Spaziergang“? In Wolfratshausen trafen sich vor Weihnachten 650 Corona-Protestler.
Nur ein „Spaziergang“? Seit einigen Wochen zieht montags ein unangemeldeter Protestzug durch die Loisachstadt. Dagegen will „WOR tolerant“ jetzt ein Zeichen setzen. © Hermsdorf-Hiss / Archiv

Das Bündnis „WOR tolerant“ will die Spaziergänge von Corona-Leugnern und Impfgegnern nicht mehr hinnehmen. Für kommenden Montag ist eine Menschenkette geplant.

Wolfratshausen – Am kommenden Montag werden wieder Hunderte „Spaziergänger“ mit Kerzen in der Hand die Wolfratshauser Innenstadt bevölkern. Doch diesmal werden sie nicht allein sein. Ein Bündnis von Bürgern, die sich unter dem Namen „Menschenkette für Solidarität: WOR tolerant“ versammeln, wird von 18.30 bis 19.30 Uhr auf dem Marienplatz für einen solidarischen Weg aus der Pandemie demonstrieren.

„Wir sehen im Schweigen der Spazierenden das Manko eines nicht offen ausgetragenen Diskurses, und in der Verweigerung der Protestierenden, offen Verantwortung für ihre Haltung und ihren Protest zu übernehmen, eine Gefahr für die demokratischen Prozesse“, heißt es in einer Mitteilung, die am Freitagnachmittag an die Presse versandt wurde. Unterzeichnet ist sie von Peter Lobenstein (Grüne), Ulrike Krischke (Bürgervereinigung), Gerald Bruschek und Konrad Huber.

Angemeldet hat die Veranstaltung IT-Fachmann Konrad Huber (58). Das ist ganz bewusst geschehen: Er hängt keiner Partei an, die Gegendemo soll einen überparteilichen Charakter haben. Anders als die „Spaziergänger“ wollen er und seine Leute mit vollem Namen für ihre Sache einstehen. „Wir verstecken uns nicht hinter Schweigen oder irgendwelchem Geschwurbel, wir zeigen uns“, sagt er.

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Mit wachsendem Entsetzen hat Huber in den vergangenen Wochen das montägliche Treiben der Corona-Leugner und Impfgegner in seiner Heimatstadt beobachtet. Um zu erfahren, was da wirklich vor sich geht, meldete er sich sogar beim Messenger-Dienst „Telegram“ an, wo sich die hiesigen Spaziergänger austauschen. „Nach ein paar Tagen des Mitlesens war ich absolut entsetzt und hatte echt Angst um die Zukunft unserer Gesellschaft“, sagt er. Als er seine Meinung äußerte, wurde er ganz schnell gesperrt. „Dabei haben die doch angeblich keinen Systemadministrator.“

Nun ging Huber in die Offensive und gründete seinerseits eine Gruppe mit dem Namen „Wolfratshausen wehrt sich.“ Damit hat er sich von der Facebook-Gruppe „Du bist aus Wolfratshausen, wenn...“ unabhängig gemacht. „Das Thema wäre dort verwässert worden.“ Die neue Gruppe dient vor allem dem Zweck, die Gegendemo zu organisieren und für Werte wie Toleranz, Rücksichtnahme und Solidarität zu werben. „Innerhalb von drei Tagen hatten wir 180 Mitglieder“, erzählt er. Das stimmt ihn optimistisch, dass am Montag um die 150 Bürger mobilisiert werden können.

Der Wolfratshauser Polizeichef bestätigt, dass die Demonstration ordnungsgemäß angemeldet worden ist. Sie soll eine Stunde dauern. „Der Anmelder hält sich an alle Vorgaben“, so Inspektionsleiter Andreas Czerweny. Er vermutet, dass die Spaziergänger etwas weniger sein werden als zuletzt, vielleicht 600 oder 700. „Das normale Leben fängt ja wieder an, da haben manche vielleicht etwas anderes vor.“ Über ein Einsatzkonzept zur Vermeidung einer eventuellen Eskalation wird er sich in den nächsten Tagen Gedanken machen.

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Grundsätzlich verweist er darauf, dass die Demonstranten größtenteils aus dem Einsatzbereich der Wolfratshauser Polizei stammen, sprich: Loisachstadt und umliegende Gemeinden. Von Rechten unterwandert sind die Spaziergänge seiner Beobachtung nach nicht, anders als etwa in Murnau, wo es eine starke AfD gibt. „Hier marschiert nicht der Leipziger Mob durch die Straßen“, versichert er. „Das sind Menschen, die das Vertrauen in den Staat verloren haben.“ Dass die Polizei bislang, anders als in München, keine Bußgelder verteilt, hat auch damit zu tun, dass die Personalstärke dort eine ganz andere ist. „Es ist von Montag zu Montag spannend“, sagt er. Der nächste Montag wohl besonders.

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