Major Dr. Karl Luber
+
Bataillonskommandeur Dr. Karl Luber riskierte Kopf und Kragen, um die Stadt Wolfratshausen friedlich an die Amerikaner.

Er übergab Wolfratshausen friedlich an die Amerikaner

Vorstoß von Zeitzeugen: Wolfratshausen soll Dr. Karl Luber mit einer Gedenktafel ehren

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
    schließen

Als die Amerikaner kamen, wären Teile Wolfratshausens beinahe zerstört worden. Dass dies nicht passierte, ist Dr. Karl Luber zu verdanken. Er soll nun geehrt werden.

Wolfratshausen – Das Schicksal von Wolfratshausen hing am 30. April 1945 an einem seidenen Faden. Auf der einen Seite rückten die Amerikaner von Icking her auf die Loisachstadt zu, ohne zu wissen, was sie dort erwartet. Auf der anderen Seite war die „SS“ fanatisch entschlossen, eine friedliche Übergabe zu verhindern. Dass dies gegen Abend gelang, ohne dass die Stadt zerstört wurde oder Bürger ihr Leben lassen mussten, ist einem Mann zu verdanken: Major Dr. Karl Luber. Er war eigentlich als Kampfkommandant für die Verteidigung der Region gegen die Alliierten vorgesehen, aber nicht willens, diesen sinnlosen Befehl auszuführen. Er war es auch, der den Amerikanern gegen 19.30 Uhr an jenem schicksalhaften Tag mit der weißen Fahne entgegen ging.

Eine Explosion hätte verheerende Folgen gehabt

Christian Steeb und Hans Reiser sind der Überzeugung, dass die Stadt an diesen Mann und seinen Mut mit einer Ehrentafel erinnern sollte. „Wir sind über 80 und dürften zu den letzten Zeitzeugen gehören“, heißt es in einem gemeinsam verfassten Brief an Bürgermeister Klaus Heilinglechner. Steeb verdankt Luber sein Leben. Denn: Der Major verhinderte die Sprengung der Andreasbrücke durch die „SS“, die mit diesem Akt des Wahnsinns den Amerikanern das Vorrücken erschweren wollte. Die näheren Umstände hat Steeb später im Detail erforscht. „Ich habe damals wenige hundert Meter entfernt im Garten gespielt und wusste von nichts“, erzählt Christian Steeb. „Ich hätte die Explosion sicher nicht überlebt.“ Wenn es nach Reiser und Steeb geht, wird zu Ehren des Retters von Wolfratshausen an der Andreasbrücke – damals untere Loisachbrücke genannt, westlich der evangelischen Kirche – eine Marmortafel angebracht. Ähnlich der, die am Rathaus an die Sendlinger Mordweihnacht erinnert.

Inzwischen haben die Antragsteller Post aus dem Rathaus bekommen. Sie klingt vielversprechend. „Ein würdiges Andenken in Form einer Gedenktafel kann ich als Bürgermeister vollumfänglich unterstützen“, schreibt Rathauschef Heilinglechner. Behandelt wird der Antrag in der März-Sitzung des Ausschusses für Kultur, Jugend, Sport und Soziales.

Lesen Sie auch: 75 Jahre DP-Lager Föhrenwald

Was Luber an diesem dramatischen 30. April 1945 für die Stadt leistete, ist in Steebs Buch „Kriegsende in Wolfratshausen“ nachzulesen. Dort schildert er unter anderem, wie Luber das Leben von Ignaz Leeb und Karoline Engelhardt rettete. Sie hatten zu früh die weiße Fahne gehisst, worauf die „SS“ sie an der Kirchenmauer erschießen wollte. Luber verhinderte das, indem er sie in „Schutzhaft“ nahm. So geriet er selbst ins Fadenkreuz. Nun sollten Leeb, Engelhardt, Luber und dessen Adjutant Ludwig Kollmeier hingerichtet werden. Als ein „SS“-Mann Luber forschend ins Gesicht blickte und fragte, ob er der Gesuchte sei, erwiderte der geistesgegenwärtig: „Was habt Ihr nur für einen Saustall auf der Dienststelle, die vier sind tot, ich bin schon der neue Kommandant.“

Christian Steeb spielte als kleiner Junge im Garten, als Luber die Explosion der Andreasbrücke verhinderte. Er hätte es sicher nicht überlebt. Später erforschte er das Leben des Mannes.

Kurz vor der Übergabe der Stadt vereitelt Luber zudem den Versuch der „SS“, die Andreasbrücke zu sprengen: Auf seinen Befehl hin wurde das mit der Sprengung betraute Kommando mit vorgehaltener Pistole überrascht. Die „SS“-Männer verließen fluchtartig die Brücke – Wolfratshausen blieb verschont.  

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare