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Jetzt fahren sie wieder: Die Motorradsaison hat begonnen. Auto- und Kradfahrer sollten gegenseitig Rücksicht nehmen.

Miteinander statt gegeneinander

Zum Saisonstart: Fahrlehrer erklärt, was Motorradfahrer nun beachten sollten

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Im Frühling ist es soweit: Der Start in die Motorradsaison beginnt. Doch damit sind auch Gefahren verbunden. Fahrschullehrer Georg Meier erklärt, was Motorradfahrer nun beachten sollten.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Sie lassen sich ein wenig mit den Bienen vergleichen: Kaum werden die Tage wärmer, kommen sie in Scharen heraus, tauchen nicht selten unvermittelt auf, sind rasant unterwegs und oft deutlich zu hören. Nicht umsonst nennen unsere niederländischen Nachbarn ein Kraftrad neckisch Brommer. Doch der Start in die Motorradsaison birgt Gefahren – für Zweirad- wie Autofahrer. Darüber unterhielt sich Redakteur Peter Borchers mit Georg Meier, Wolfratshauser Fahrlehrer und Vorstandsmitglied im Landesverband der Bayerischen Fahrlehrer.

-Herr Meier, was sollten Motorradfahrer vor ihrer ersten Ausfahrt beachten?

Jetzt im Frühjahr ist ein sauberer Check wichtig: Stimmen Luftdruck, Kettenspannung und Ölstand? Funktionieren die Beleuchtung und Bremsen? Und ganz wichtig: Man sollte sich zum Einfahren Zeit nehmen und es langsam angehen lassen. Ein Motorrad beschleunigt anders, man sitzt im Freien. Es ist einfach ein anderes Handling als das eines Autos. Auch ein Auffrischungskurs, den manche Fahrschulen anbieten, kann hilfreich sein.

-Was kann ein Mopedfahrer außerdem tun, um seine Sicherheit und Sichtbarkeit zu erhöhen?

Er sollte sich hell und auffällig kleiden. Auch gegen reflektierende Streifen oder eine Warnweste ist nichts einzuwenden, um gesehen zu werden. Motorradfahrer sollten sich zudem durch klare Aktionen gut erkennbar machen für den Autofahrer – also keine riskanten Überholmanöver, kein Durchschlängeln zwischen Fahrzeugkolonnen. Viele Autofahrer sind überfordert oder zumindest irritiert, wenn plötzlich aus dem Hinterhalt jemand auftaucht, womöglich auch noch sehr schnell und sehr laut.

-Die äußeren Bedingungen können im Frühjahr ebenfalls tückisch sein.

Georg Meier Vorstandsmitglied im Landesverband Bayerischer Fahrlehrer.

Richtig. Bevor man loslegt, sollte man sich gut überlegen, ob die Straßen wirklich schon zweiradtauglich sind. Rollsplitt, Frostschäden auf den Straßen sind gefährlich für einspurige Fahrzeuge. In Waldgebieten sollte man ebenfalls vorsichtig sein. Dort liegt oft Restschnee, und es ist nicht nur um zwei, sondern gleich um fünf Grad kälter. Das heißt, man muss mit überfrierender Nässe rechnen. Weil die Gummimischungen von Motorradreifen eher für höhere Temperaturen ausgelegt sind, ist deren Haftung in den Übergangsjahreszeiten nicht so gut. Ich bin deshalb ein Verfechter davon, später anzufangen, denn Motorradfahren birgt schon mehr Risiko als Autofahren.

Lesen Sie auch: Fahrschullehrer erklärt: So verhält man sich als Geisterfahrer richtig

-Stichwort Autofahrer: Auch die müssen sich wieder an mehr Biker auf den Straßen gewöhnen. Was empfehlen Sie?

Was ganz wichtig ist, weil es immer wieder zu Unfällen aus diesem Grund kommt: Wenn ein Autofahrer einem Motorradfahrer ein Zeichen gibt, sollte dies unmissverständlich und abgesichert sein. Ein Beispiel: Es kann tödlich enden, wenn ich einem querenden Kradfahrer signalisiere, ihn die Straße vor mir passieren zu lassen, der Fahrer im Auto hinter mir mein Zeichen aber nicht mitkriegt und mich überholt. Außerdem kommt ein Motorradfahrer selten allein. Oft sind sie in Gruppen unterwegs. Autofahrer sollten damit rechnen, dass nach einem Biker, der um die Kurve biegt, weitere folgen. Auf der anderen Seite gilt für Motorradfahrer in Gruppen, dass sie ihr Verhalten vor der Ausfahrt abstimmen: Wann machen wir Pausen? Was ist im Pannenfall zu tun? Außerdem sollte der schwächste Fahrer immer vorne fahren und das Tempo vorgeben.

-Auf was sollten sich Autofahrer noch einstellen?

Motorräder beschleunigen schneller. Die Entfernung zu zwischen mir und einem Krad ist folglich nicht so leicht einzuschätzen. Am Anfang einer Saison muss man sich darauf erst wieder einstellen. Zweiräder sind außerdem kleiner, ihre Silhouette schmäler. Sie sind – man spricht hier vom Blickschatten – viel leichter zu übersehen. Fährt ein Motorrad an einem Lkw vorbei oder an einer Plakatwand, kann das für den Autofahrer mit einem Blick manchmal nicht zu erfassen sein. Generell gilt im Straßenverkehr: Miteinander statt gegeneinander. Gerade Auto- und Motorradfahrer sollten diesen Grundsatz beherzigen. peb

Lesen Sie auch: Autonomes Fahren & Co.: Wie ein Fahrlehrer trotz immer mehr Technik überleben will

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