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Praxisarbeit: Rose Khisa (Agrartechnikerin im Landwirtschaftsministerium) misst zur Gewichtsbestimmung den Brustumfang eines Kalbes.

Trotz 6000 Kilometer Entfernung

Zwei Welten, ein Beruf: Wie bayerische und afrikanische Landfrauen zusammenarbeiten

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Auch wenn die Frauen rund 6000 Kilometer trennen, ihr Beruf ist der gleiche: Sie sind Landfrauen. Nun gaben bayerische Bäuerinnen ihr Wissen an afrikanische Kolleginnen weiter.

Bad Tölz-Wolfratshausen/ Kenia – Auch wenn die Frauen rund 6000 Kilometer trennen, ihr Beruf ist der gleiche: Sie sind Landfrauen, kümmern sich um die Bestellung der Felder und die Viehaufzucht. Deshalb reiste die stellvertretende Kreisbäuerin von Bad Tölz-Wolfratshausen, Maria Urban, nach Westkenia, um den dortigen Kolleginnen ihr Wissen weiterzugeben, und zwar zusammen mit der bayerischen Landesbäuerin Anneliese Göller sowie Christine Reitelshöfer (Bezirksbäuerin Mittelfranken und Kreisbäuerin Ansbach) und Carola Reiner (ehemalige Milchprinzessin und Beirätin im Kreisverband Ansbach).

Unter dem Motto „Gleicher Beruf – zwei Welten“ haben sich die bayerischen und kenianischen Bäuerinnen vernetzt. Seit rund einem halben Jahr führen die Landfrauen des Bayerischen Bauernverbands (BBV) ein Entwicklungshilfeprojekt durch. „Ziel ist, in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – kurz BMZ – die dortigen Bäuerinnen bei der Vertretung ihrer Interessen zu stärken sowie eine Weiterbildung, beispielsweise bei der Kälberaufzucht, zu ermöglichen“, erklärt Maria Urban. „Unsere Hoffnung sind hier die jungen Frauen, die dieses Wissen dann weitergeben.“

Teufelskreis muss durchbrochen werden

So gab die Delegation aus Bayern während ihrer elftägigen Reise vier Seminare zur Kälberaufzucht. Eine ihrer Stationen war die Selbsthilfegruppe Hema Sacco in Nyoritis im äußersten Eck des Countys Kakamega. „Deren Vorsitzende hatte an Seminaren in Berlin und Bayern teilgenommen und dort zum ersten Mal Schweizer Braunvieh gesehen. Seitdem ist sie ein leidenschaftlicher Fan dieser Rinderrasse.“ Maria Urban und ihre Kolleginnen gaben den eifrig mitschreibenden jungen Kenianerinnen wertvolle Tipps, wie man zum Beispiel einer Euterentzündung vorbeugen kann oder welche Hausmittel bei Kälberdurchfall schnell wirken. Denn Aufklärung tut Not: Das Landwirtschaftsministerium von Kakamega hatte vor einiger Zeit ein Projekt ins Leben gerufen unter dem Leitspruch „One cow per household“ (eine Kuh pro Haushalt). „Dabei wurden trächtige Kalbinnen mit guter Genetik verteilt, um die Milchleistung zu steigern“, berichtet die stellvertretende Kreisbäuerin weiter. „Mittlerweile wurde das Projekt aber gestoppt, weil die Kälbersterblichkeit mit 60 Prozent viel zu hoch war.“

Gemeinsam sind wir stark: Die Delegation aus Bayern und ihre afrikanischen Seminarteilnehmerinnen.
Mühevoll: Maria Urban versucht, ein Kalb zum Trinken zu bewegen.

Grund für die hohe Todesrate ist ein Teufelskreis, aus dem es herauszukommen gilt. „Wir haben magere Kälbchen gesehen, die ohne Wasser apathisch in der Sonne lagen“, berichtet die Landwirtin sichtlich berührt. „Die Tiere bekommen nur morgens und abends ein paar Schluck Milch, da der Rest für die Familie verwendet oder verkauft wird.“ Allerdings produzieren die Kühe nur etwa drei bis fünf Liter am Tag. „Ihnen fehlt es an gehaltvollem Futter, das sie aber für die Milchproduktion brauchen“, sagt Maria Urban. Eine Lösung hierfür wäre die Herstellung von Silage oder Heu während der Regenzeit. Das unterstreicht auch Rose Khisa, Agrartechnikerin des kenianischen Landwirtschaftsministeriums, die die Besucherinnen aus Deutschland vor Ort unterstützte: „Unser Kalb ist die Kuh von morgen. Eine gute Kälberaufzucht ist die Grundlage für eine leistungsfähige Milchkuh.“

„Ausbildung ist das A und O“, resümiert Maria Urban am Ende der Reise. Beeindruckt hat sie das große Interesse der kenianischen Landfrauen. Und: „Die Gastfreundschaft und Herzlichkeit waren einmalig.“ Auch die Geselligkeit kam nicht zur kurz: „Mitsingen ging schon ganz gut. Nur das Tanzen war ein Problem – wir haben uns zwar nach Kräften bemüht, konnten aber leider nicht mithalten.“ sh

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