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Warten aufs Christkind: Da wird Kindern die Zeit oft lang.

Gastbeitrag

Wolfratshauser Dekan erklärt was passiert, wenn wir Zeitlang haben

Die Zeit wird lang, wenn man wartet. Über dieses „Zeitlang haben“ schreibt Gerhard Beham, Katholischer Dekan in Wolfratshausen, in einem Gastbeitrag.

„Haben Sie auch manchmal „Zeitlang“? Das Bairische kennt dieses treffende, bildhafte Wort: „Zeitlang haben“! Es meint, dass mir die Zeit lang wird, wenn ich auf jemanden warte. Wenn ich zum Beispiel Sehnsucht habe nach einem geliebten Menschen, dann kann ich es kaum erwarten, dass er endlich kommt: „Ich habe Zeitlang nach dir!“ – so sagen wir.

GERHARD BEHAM Katholischer Dekan in Wolfratshausen

Auch der Advent, der nun in das Weihnachtsfest mündet, ist eine Zeit, die gerade den Kindern lang wird, wenn sie aufs Christkind warten, das ihnen die Geschenke bringt. Doch auch wir Erwachsene kennen das Gefühl von Zeitlang, wenn wir uns bewusst machen, welche Menschen uns Liebe, Frieden und Geborgenheit spüren lassen, wenn sie in unserer Nähe sind.
Dann aber ist die Frage, was ich tue, wenn ich „Zeitlang habe“ nach jemand: Ich werde gerade in Zeiten der Stille an den Betreffenden denken. Ich nutze meine Möglichkeiten zum Kontakt mit ihm: in einem Telefongespräch, indem ich mir Zeit nehme, einen Brief zu schreiben oder eine längere E-Mail, oder wenn ich sein Bild anschaue, das ich als Foto bei mir habe. Ich erzähle anderen manchmal auch dankbar, nach wem ich „Zeitlang“ habe. Und ich überlege in meinen Entscheidungen: Was würde er oder sie jetzt an meiner Stelle tun? Mit anderen Worten: Ich fülle die „Zeitlang“, die ich habe, mit dem, wo ich glaube, dass es auch dem Ankommenden, auf den ich warte, Freude bereitet. „Zeitlang haben“ ist, so verstanden, keine langweilige, sondern eine erfüllte Zeit. Auch als Erwachsener erlebe ich auf diese Weise die Spannung zwischen Advent und Weihnachten, wenn ich aufs Christkind warte, das ich schon als Kind durch meine Eltern, Lehrer und Seelsorger kennenlernen durfte. Dabei merke ich, wie sehr mein Leben geprägt ist durch das menschliche Gesicht unseres Gottes in Jesus Christus und seine Botschaft, wenn ich sie auch hören will und an mich heranlasse. Denn „Zeitlang haben“ ist ja keine Einbahnstraße. Auch Gott hat Zeitlang nach uns. Darum ist er in Jesus Mensch geworden. Und in unserem Alltag wie auch an den kommenden Festtagen schenkt er uns in vielen menschlichen Gesten der Zuneigung und des Wohlwollens auch seine Zeichen, wie er bei mir persönlich ankommen will.
So wünsche ich uns, dass wir an Weihnachten die Erfahrung machen, wie sehr Gott „Zeitlang“ hat nach uns und umgekehrt auch wir „Zeitlang haben“ nach ihm: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn…“
(Gal 4,4).“

VON GERHARD BEHAM
Katholischer Dekan in Wolfratshausen

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