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Frohe Weihnachtsfeiertage! Aber wie feiern Pfarrer eigentlich Weihnachten - bei dem ganzen Trubel und den vielen Gottesdiensten?

„Zeit für Begegnung und Gemeinschaft“

So stressig ist das Weihnachtsfest für Pfarrer

Wolfratshausen - Der Besuch der Christmette gehört für viele zum Weihnachtsfest. Wir sprachen mit Dekan Gerhard Beham, Stadtpfarrer in Wolfratshausen, wie er das Christfest erlebt. 

Was bedeutet Weihnachten für Sie persönlich, Herr Dekan Beham?
 
Weihnachten ist für mich das Fest der Menschwerdung Gottes. Im Mittelpunkt steht deshalb der Grundgedanke der Menschlichkeit in meinem eigenen Leben. Zeit für Begegnung und Gemeinschaft ist mir dabei sehr wichtig. Den Heiligen Abend feiere ich mit den anderen Priestern im Wolfratshauser Pfarrhaus. Zwischen Kindermetten und Christmette beten wir zuerst und lesen eine Weihnachtsgeschichte. Dann essen wir zusammen. An den Feiertagen treffe ich Freunde und die Familie meines Bruders. Geschenke spielen keine so große Rolle. Wir schenken uns, füreinander Zeit zu haben.

Bleibt einem Pfarrer über die Feiertage selbst Zeit zur Besinnung?

Dekan Gerhard Beham: Der 53-jährige ist seit September 2013 Pfarrer der im Aufbau befindlichen Stadtkirche Wolfratshausen.

Liturgie, Gottesdienste und Feiern verschränken sich bei mir miteinander. Ich habe zwar jeden Tag zwei oder drei Gottesdienste, aber da feiere ich ja auch selber mit. Die Predigten habe ich für alle Festtage schon fertig vorbereitet. So bleibt zwischen den Gottesdiensten Zeit und Raum für Besinnung und für die Begegnung mit Freunden. Zur Entspannung gehören für mich auch Natur und Bewegung. Ich gehe deshalb immer viel spazieren. Die eigentliche Erholungsphase beginnt für mich dann nach den Schulferien. Da mache ich ein paar Tage Urlaub mit Freunden in Südtirol, zum Wandern und – wenn es geht – Skilanglaufen.

Ärgert Sie das, dass so viele Menschen nur zu Weihnachten in die Kirche gehen?

Nein, ich freue mich über jeden, der kommt, vor allem über die Familien mit Kindern. Wir erleben diesen Abbruch nach den Feiertagen auch nicht so stark, wie das vielleicht in den Städten der Fall ist. In Sankt Andreas liegt der Kirchenbesuch übers Jahr konstant bei etwa zehn Prozent, in Waldram sogar bei 15 Prozent der Katholiken. Das ist überdurchschnittlich viel. Zu den regelmäßigen Kirchgängern gehören inzwischen auch einige Christen mit Migrationshintergrund, die in ihrer Heimat teilweise wegen ihrer Religion verfolgt wurden. Junge Männer und Familien aus Nigeria sind jeden Sonntag da.

Viele weihnachtliche Gottesdienstbesucher sind nicht so tief in der Religion verwurzelt. Wie bringen Sie denen den christlichen Glauben näher?

Ich versuche, die Menschen da abzuholen, wo sie stehen. Symbole und Bilder können helfen, die eigene Lebenssituation mit der christlichen Botschaft in Verbindung zu bringen und sie dadurch auch deuten zu können. Darüber komme ich immer wieder mit Menschen ins Gespräch. Zum Beispiel kann für jemanden, der die Natur und Pflanzen liebt, die Christrose zu einem Zeichen der Hoffnung auf Auferstehung und neues Leben werden: Sie blüht den ganzen Winter hindurch, wenn scheinbar alles abgestorben ist – sogar unter der Schneedecke. Auch die Kerzen am Adventskranz sind ein solches Symbol. Wenn wir in der Dunkelheit ein Licht nach dem anderen anzünden, wird auch die Hoffnung immer größer, bis dann an Weihnachten alles im Licht erstrahlt. Bei mir zu Hause gibt es deshalb auch keine Lichterketten in der Adventszeit, sondern nur eine Kerze. Und der Christbaum leuchtet erst am Heiligen Abend. Wir dürfen solche Symbole nicht so sehr vermarkten, dass sie gar nicht mehr zum Tragen kommen können.

Was möchten Sie den Menschen an Weihnachten mitgeben?

Wichtig ist mir vor allem die Friedensbotschaft. In der Weihnachtszeit sind die Menschen sensibler als sonst, Konflikte und Leid brechen leichter auf. Die Sehnsucht nach Versöhnung und Harmonie ist eine Ursehnsucht des Menschen. Das Fest der Familie der Gotteskinder gibt uns einen Impuls zu schauen, was der andere braucht, Nähe zu leben und Trost zu spenden. Wir können lernen, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Der Glaube, dass in Jesus Gott Mensch geworden ist und unser Menschsein mitgetragen hat, hilft uns dabei.

Das Interview führte Clara Wildenrath

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