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Suchen Unterstützer: Ilse Nietzsche und Helmut Groß von der Friedensinitiative im Landkreis. 

Initiative sucht neue Mitstreiter

Einsatz für den Frieden ist wichtiger denn je

Die Wolfratshauser Friedensinitiative ist auf der Suche nach frischem Blut, denn sie hält ihren Einsatz nach wie vor für unverzichtbar.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Proteste gegen den Golfkrieg, Demonstrationen gegen den Einsatz deutscher Soldaten in Jugoslawien und Afghanistan, Die großen Zeiten der Friedensbewegung sind lange vorbei und die Mitglieder der Friedensinitiative im Landkreis größtenteils im Rentenalter. „Dabei ist ein Engagement für den Frieden auch jetzt wichtig“, betonten Ilse Nietzsche (85) aus Wolfratshausen und Helmut Groß (64), Vorstand der Friedensinitiative, jetzt in einem Pressegespräch.

Auf dem Papier zählt der Verein zwar noch rund 20 Mitglieder. Aber nur neun davon treffen sich monatlich zu den Versammlungen, um über geplante Aktionen oder einfach über die politische Lage in der Welt zu sprechen. Dabei seien die außenpolitischen Brainstorming-Runden gar nicht weit weg vom Lebensalltag im Landkreis. „Wir merken seit der Flüchtlingskrise hautnah, dass die Probleme der ganzen Welt auch bei uns ankommen“, erklärt Ilse Nietzsche.

Aktiv sind die Mitglieder bei Vorträgen über die Lage der Welt oder Protestaktionen wie zur Sicherheitskonferenz in München, dem Bundeswehr-Gelöbnis in München oder beim jährlichen Ostermarsch in Miesbach. „Wir zeigen Gesicht – und dass wir eben nicht einverstanden sind mit Militärinterventionen, Rüstungsexporten und Drohgebärden“, erklärt Helmut Groß die Hauptziele.

Um diesen Protest noch eindrucksvoller zu gestalten, braucht es aber nach Meinung des langjährigen Friedensaktivisten mehr und vor allem jüngere Mitglieder, die die Arbeit des Vereins weitertragen. Dazu zähle mehr als das Dagegen-Sein. Die Initiative unterstützt auch völkerverbindende Aktionen wie „Ferien vom Krieg“, bei denen Jugendliche aus Krisengebieten ein Urlaub in Frieden ermöglicht wird. Auch ein Krankenhaus in Afghanistan, das von einer deutschen Krankenschwester aufgebaut wurde, wird unterstützt. Außerdem halten die Mitglieder Kontakt zur Bundespolitik. Jüngst verschickte die Friedensinitiative einen offenen Brief an Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), in dem sie eine Abrüstung statt mehr Interventionen deutscher Soldaten in Krisengebieten fordern. „Einige dieser Krisen wurden erst durch Kriege geschaffen“, erklärt Groß. Würde man die „vielen Milliarden Euro“, die jährlich in die Aufrüstung investiert werden, „in die Infrastruktur oder in soziale Projekte“ stecken, „wäre allen mehr geholfen“.

Es schwingt viel Idealismus mit, wenn Groß und Nietzsche über die Friedensbewegung sprechen. „Das stammt aus unserer persönlichen Erfahrung“, sagt Nietzsche, deren Bruder im Alter von 15 Jahren an die Front gerufen worden war. Nach drei Jahren Kriegsgefangenschaft kam er so verändert zurück, „dass selbst meine Mutter ihn nicht mehr erkannte“. Den meisten jungen Menschen im Landkreis sind solche Erfahrungen erspart geblieben. „Aber gerade jetzt, wo man täglich in den Nachrichten die Hetze von einigen Machthabern mitbekommt, betrifft das auch die jungen Leute um uns herum“, sagt Nietzsche und hofft auf Zuwachs für ihren Verein. 

dst

Kontakt

Wer Interesse an einer Mitarbeit in der Friedensinitiative im Landkreis hat, meldet sich per E-Mail bei Helmut Groß unter kontakt@friedensini.de.

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