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Ein 55-Jähriger Wolfratshauser, der aus Lenggries stammt, hat den Freund seiner Stieftochter mit einem Messer angegriffen.

Er konnte ihn noch nie leiden

Wolfratshauser greift Freund der Stieftochter mit dem Messer an

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Ein 55-Jähriger Wolfratshauser, der aus Lenggries stammt, hat den Freund seiner Stieftochter mit einem Messer angegriffen. Er störte sich lange an der Tatsache, dass dieser aus Ostdeutschland kommt. Der Streit entzündete sich an einem kaputten Gurkenglas.

Wolfratshausen – Manchmal ist das Leben kein Wunschkonzert. Den Bierfahrer aus Wolfratshausen führte es im November 2017 direkt ins Gefängnis. Er befand sich in einer derartigen psychischen Abwärtsspirale, dass er mit einem Messer auf den 33-jährigen Freund der Stieftochter losging. Am Montag begann am Landgericht sein Prozess.

Eigentlich war der 33-Jährige kein schlechter Kerl. Er half im Haushalt und im Garten, doch der Angeklagte konnte ihn nicht ausstehen – weil er aus Ostdeutschland war. Immer wieder meckerte er den Mann an, weil er kiffte, nicht so schwer arbeitete wie er und überhaupt, weil er in seinem Haus wohnte, das die Frau des 55-Jährigen von ihrer Tante geerbt hatte.

Oft spielte der aus Lenggries stammende Bierfahrer in der kurzen Zeit zwischen Arbeitsschluss und Schlafenszeit den Haustyrann. Er brüllte herum, kochte sich alleine Essen und verkroch sich im Keller, wo er sich nachts verbarrikadierte. In seinem Hirn ging mit zunehmendem Alter einiges durcheinander. Er fürchtete, von seinen Familienmitgliedern angegriffen zu werden. Er vermutete, dass sie ihm Geld stehlen und sein Essen vergiften würden. Aus Angst schlief er mit einem Messer unter dem Kissen.

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Dennoch rechtfertigte das nicht die Attacke, durch die er dem Freund seiner Stieftochter einige Schnittwunden zufügte. Die Staatsanwaltschaft klagte sein Vorgehen als versuchten Mord an. Seit Mai dieses Jahres befindet sich der 55-Jährige in der Psychiatrie. Für einen Aufenthalt in der U-Haft war er psychisch zu instabil.

„Es tut mir leid, gell“, sagte der Angeklagte zu seinem einstigen Mitbewohner und schob ein „Entschuldigung“ hinterher, noch bevor die Sitzung nach der Mittagspause am Landgericht München II fortgesetzt wurde. Das Opfer nickte zustimmend. Seiner Schilderung zufolge war der 55-Jährige am Tatabend extrem wütend. Er konnte nicht kochen, weil seine an Multipler Sklerose erkrankte Frau den Ofen brauchte, sie erwartete Gäste, die sie bewirten wollte. Erzürnt pfefferte der Angeklagte ein Gurkenglas die Kellertreppe herunter. Es ging zu Bruch. Die Ehefrau rief nach dem 33-Jährigen und bat ihn, die Scherben aufzukehren.

Der half der bewegungseingeschränkten Frau oft. Als er aus dem ersten Stock runterkam, fuhr ihn der Angeklagte mit den Worten „Grattler, DDRler, Kruzifix“ an. Ironisch bemerkte der 33-Jährige: „Der Wortschatz ist wieder recht karg.“ Die Frau erwiderte: „Lass’ ihn, heute ist er wieder deppert.“ Als er die Scherben in den Müll schütten wollte, stach der Angeklagte zu, obwohl er auch seine Frau hätte treffen können, die sich gerade zwischen den Männern in der Küche befand. Durch großes Glück wurde sie gar nicht und der 33-Jährige nicht allzu schwer getroffen. Der Prozess dauert an.

wal

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