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Ein Sparkassengebäude.
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2,94 Millionen Euro Bilanzgewinn: Den erwirtschafte die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen (das Foto zeigt das Sparkassen-Center in Bad Tölz) nach eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2019. Das Geld wird für die Eigenkapitalbildung verwendet.

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie

Wolfratshauser Grüne: Warum führt Sparkasse Gewinne nicht an die Kommunen ab?

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie stellen die Wolfratshauser Grünen die Frage: Warum führt die Sparkasse ihre Gewinne nicht an die Kommunen im Kreis ab?

  • Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie treffen viele Kommen hart.
  • Die Grünen wollen nun wissen: Warum führt die Sparkasse ihre Gewinne nicht an die Städte und Gemeinden ab?
  • Die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen erwirtschaftete 2019 einen Bilanzgewinn von fast drei Millionen Euro.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Wolfratshauser Grünen interessiert die Antwort auf die Frage, warum die Sparkasse ihre Gewinne nicht an die Kommunen im Kreis abführt. Zudem verlangen sie, dass das Geldinstitut nicht in Rüstungsunternehmen sowie „in Anlagen der Kohle-, Erdöl- und Gasindustrie“ investiert – und stattdessen „generell“ nur zu Anlageformen greift, „die hohe ethische Standards nachweisen“. Sparkassensprecher Willi Streicher betont auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Geldanlagen regelmäßig einem „Nachhaltigkeits-Check“ unterzogen werden.

Die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen ist eine sogenannte Anstalt des öffentlichen Rechts. Träger des Unternehmens ist der Zweckverband Vereinigte Sparkassen im Landkreis, an dem der Kreis mit 54 Prozent beteiligt ist, die Stadt Bad Tölz mit 19,7 Prozent und die Gemeinden Benediktbeuern (6,9 Prozent), Kochel am See (6,9 Prozent) sowie Lenggries mit 12,5 Prozent. Angesichts der Corona-Pandemie kreisen die Gedanken des Wolfratshauser Grünen-Ortsverbands um die Gewinnausschüttung der Sparkasse. Konkret wollen die Grünen-Sprecher Justyna Czajka und Dr. Hans Schmidt wissen: Warum fließen die Gewinne „nicht direkt in die Kassen der Städte und Gemeinden im Landkreis“?

Gesamtvolumen rund 4,6 Milliarden Euro

Der Bilanzgewinn der Sparkasse betrug im Jahr 2018 laut Angaben der Vorstandsvorsitzenden Renate Waßmer 2,91 Millionen Euro. Das habe dem Geldinstitut eine „angemessene Eigenkapitalbildung“ beschert. „Wir konnten uns selbst stärken“, erklärte Waßmer in der Bilanzpressekonferenz Anfang vergangenen Jahres. Zum 31. Dezember 2019 wies die Sparkasse einen Bilanzgewinn von 2,94 Millionen Euro aus.

„Das Geschäftsmodell der Sparkasse basiert in erster Linie darauf, Gelder aus der Region als Einlagen hereinzunehmen und diese im Geschäftsgebiet als Ausleihungen, sprich Kredite, wieder der Region zur Verfügung zu stellen“, erklärt Sparkassen-Sprecher Willi Streicher auf Anfrage unserer Zeitung. „Das ist das nachhaltigste Geschäftsmodell, das man sich vorstellen kann – und das seit mehr als 160 Jahren hier im Landkreis“, so Streicher weiter. Das Gesamtvolumen an Kundeneinlagen und -krediten beträgt nach seinen Worten rund 4,6 Milliarden Euro.

Investitionen in Weizen, Fisch und Vieh sind untersagt

Zu einem „kleineren Teil“ investiere die Sparkasse in Eigenanlagen zum Liquiditätsausgleich, zur Erfüllung aufsichtsrechtlicher Vorgaben und zur Anlage ihres Eigenkapitals. Streicher: „Für einen Teil dieser Anlagen führen wir regelmäßig einen Nachhaltigkeits-Check durch – mit dem unter anderem die Themenfelder Umwelt, Rüstung, Kernarbeitsnormen und Korruption abgeprüft und ausgeschlossen werden“. Bei den sogenannten Fondsanlagen seien Investitionen in Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais, Soja, Fisch und Vieh laut den internen Anlagerichtlinien ausgeschlossen. „Bei den Immobilienfonds werden überwiegend auf Nachhaltigkeit zertifizierte Gebäude – Green Buildings – erworben beziehungsweise die Zertifizierung bei Modernisierung et cetera nachgeholt.“

Es gibt kein nachhaltigeres Geschäftsmodell als das der Sparkassen.“

Josef Niedermaier, Landrat und Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen

Zur Gewinnausschüttung stellt der Pressesprecher fest: „Sparkassen sind anders aufgebaut als private Banken. Sie haben einen sogenannten ,öffentlichen Auftrag‘, das heißt, sie sind vom Staat eingesetzt, um die Menschen und die Regionen mit Finanzdienstleistungen zu versorgen.“ Sparkassen können beziehungsweise dürfen sich nicht wie private Banken – zum Beispiel über Aktien – oder wie genossenschaftliche Banken über Genossenschaftsanteile finanzieren, erläutert Streicher. Sie müssen dagegen selbst vorsorglich notwendiges Eigenkapital für bankaufsichtliche Eigenkapitalanforderungen aufbauen. „Eine solide Eigenkapitalausstattung ist die Grundvoraussetzung für die Kreditvergabe in der Region und somit die Finanzierung des Mittelstandes und der Immobilienfinanzierer im Landkreis“, so Streicher gegenüber unserer Zeitung.

Gewinne werden zur Stärkung des Eigenkapitals verwendet

Bei der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen werden die Gewinne zur Stärkung des Eigenkapitals verwendet. Warum? „Das ermöglicht der Sparkasse, ihre Aufgaben im Geschäftsgebiet zum Wohle der Allgemeinheit und des öffentlichen Auftrags zu erfüllen“, antwortet der Unternehmenssprecher. Die Entscheidung über die Gewinnverwendung treffe der Verwaltungsrat.

Vorsitzender dieses Gremiums ist Landrat Josef Niedermaier, der auf Anfrage sagt: „Für uns ist es wichtig, dass der regionale Wirtschaftskreislauf und die Kreditvergabe der Sparkasse für die Menschen und Unternehmen in unserem Landkreis gut funktioniert.“ Dies sei „seit Jahren ein entscheidender Erfolgsfaktor unserer Region“. In Niedermaiers Augen gibt es „kein nachhaltigeres Geschäftsmodell als das der Sparkassen“.

Für den Verwaltungsrat „stellt sich die Frage nicht“

Aufgrund der vielfachen Herausforderungen für die Banken und Sparkassen auf Grund der Niedrigzinsphase sei es „elementar“, mit den Jahresüberschüssen das Eigenkapital zu stärken „und eben nicht auszuschütten“, konstatiert Streicher. Verwaltungsratsvorsitzender Niedermaier pflichtet ihm uneingeschränkt bei: „Die Stärke der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen als Marktführer wollen und müssen wir erhalten. Aus diesem Grund stellte und stellt sich für uns die Frage nach Ausschüttungen in Übereinstimmung mit dem Vorstand der Sparkasse nicht.“ (cce)

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