Eine Schule.
+
Die drohende Schließung ist vom Tisch: Die Mehrheit des Stadtrats entschied sich am Mittwoch für den Erhalt der Grundschule an der Weidacher Hauptstraße in Wolfratshausen.

Entscheidung fällt mit 11:14 Stimmen

Wolfratshauser Grundschule: Stadtrat trifft überraschende Entscheidung

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
    schließen

Das Schicksal der Grundschule im Wolfratshauser Ortsteil Weidach schien bereits besiegelt. Doch der Stadtrat traf mit Mehrheit eine überraschende Entscheidung.

  • Die Grundschule in Weidach auflösen und ins Großprojekt in der Innenstadt integrieren.
  • Diese Vorgehensweise war bis jetzt Konsens im Wolfratshauser Stadtrat.
  • Doch das Gremium fällte eine Entscheidung, die viele überrascht.

Wolfratshausen – Die geplante Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg war Dreh- und Angelpunkt der Stadtratssitzung am Mittwochabend in der Loisachhalle. Die größte Überraschung: Mit 11:14 Stimmen votierten die Bürgervertreter gegen die Auflösung der Grundschule in Weidach. Und: Das Schulbaukonzept, das Kulturreferent Alfred Fraas (CSU) ungefragt erarbeitet hat, wird geprüft. Diese Entscheidung fiel mit 13:12 Stimmen denkbar knapp aus.

Schicksal der Schule schien schon besiegelt

Rückblende: Nach einer Ortsbegehung vor einigen Wochen schien das Schicksal der Weidacher Schule besiegelt. Die notwendige Sanierung des betagten Gebäudes sei nicht zielführend, die Integration der Grundschule ins Großprojekt am Hammerschmiedweg aus vielerlei Hinsicht die einzig sinnvolle Alternative. Auch die Schulleitung hatte sich für diese Lösung ausgesprochen. Ausschlaggebend waren „organisatorische Verbesserungen“, die man sich von der Zentralisierung der Grundschule an einem Ort verspricht.

Doch in der Stadtratssitzung machte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) den Anfang und plädierte mit Nachdruck für den Erhalt des Grundschulstandorts in dem Ortsteil, in dem er wohnt: „Wir können auf die Grundschule Weidach nicht verzichten“, so der Rathauschef. Ein Argument: In der bis Anfang der 1970-er Jahre selbstständigen Gemeinde gebe es sehr viel potenzielles Bauland. Falls sich der Stadtrat in naher oder ferner Zukunft für eine weitere Wohnbebauung ausspreche, heiße das voraussichtlich: ein Mehr an Bevölkerung, ein Mehr an schulpflichtigen Kindern. Daher wäre es aus seiner Sicht falsch, die Grundschule an der Weidacher Hauptstraße aufzugeben.

Die Weidacher Schule genießt einen hervorragenden Ruf, und der Schulweg ist ausgesprochen sicher.“

Helmut Forster, Sprecher der Liste Wolfratshausen

Peter Plößl war derselben Meinung. Eine Schließung komme für die CSU „definitiv“ nicht in Frage, stellte der Fraktionsvorsitzende kategorisch fest. Auch Helmut Forster, Sprecher der Liste Wolfratshausen, erklärte, dass er einer Eingliederung der Weidacher in die Grund- und Mittelschule in der Innenstadt „auf keinen Fall“ zustimmen werde. Die Weidacher Grundschule genieße „einen hervorragenden Ruf“ und der Schulweg sei für die Kinder „ausgesprochen sicher“. Warum also „funktionierende Strukturen“ gefährden? Forster sah „keinen sinnvollen Grund“, den Schulstandort Weidach aufzulösen.

„Die Bürgervereinigung ist für den Erhalt der Grundschule Weidach“, konstatierte deren Vorsitzender Josef Praller. Das Gebäude müsse saniert und „langfristig ausgebaut werden“. Der Wiederinbetriebnahme des seit Jahren geschlossenen Lehrschwimmbeckens im Untergeschoss erteilte Praller jedoch eine Absage. Stattdessen befürworte er den Neubau eines Lehrschwimmbads am Hammerschmiedweg.

Corona-Krise zeige, wie wichtig dezentrale Strukturen seien

Die Weidacher Grundschule „dicht machen“? Das sei „auf den ersten Blick eine logische Entscheidung“, doch bei genauerer Betrachtung „zu kurz gedacht“, meinte Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne). Die Corona-Krise zeige, wie wertvoll dezentrale Strukturen seien. Sie warnte davor, den städtischen Grund am Hammerschmiedweg für „immer mehr Nutzungen“ ins Auge zu fassen, „ohne dass ein zusätzlicher Quadratmeter Fläche dazu kommt“. Heinloths Fazit: Weidach als „Satellit“ der Grundschule am Hammerschmiedweg „belassen“. Eine Sanierung des Lehrschwimmbeckens sei dagegen „nicht zukunftsorientiert“, stimmte sie ihrem Stadtratskollegen Praller zu.

Neues Schulzentrum: Fraas-Konzept wird geprüft

Er sei „verwundert“, sagte Fritz Schnaller (SPD). Schließlich sei es nach der Ortsbegehung Konsens gewesen, dass der Erhalt der Weidacher Schule aufgrund wirtschaftlicher Erwägungen „nicht sinnvoll ist“. Zudem sei völlig ungewiss, wie teuer die Sanierung des Gebäudes werde. Derzeit liegt nur eine grobe Kostenschätzung vor, unterm Strich stehen rund 4,1 Millionen Euro. Aufgrund der Ungewissheit regten auch Schnallers Fraktionskollege Manfred Menke sowie die Grünen-Vertreter Assunta Tammelleo und Dr. Hans Schmidt an, die Entscheidung „noch einmal zu überdenken“ beziehungsweise „heute keine Entscheidung zu treffen“.

Schließlich fielen zwei Beschlüsse: Die Grundschule Weidach wird nicht wie angedacht an den Hammerschmiedweg umziehen – und beim Erweiterungsvorhaben in der Innenstadt werden 20 Grundschulklassen berücksichtigt. Diese Entscheidung fiel einstimmig. Allerdings legte der Stadtrat das Zig-Millionen-Euro-Projekt am Hammerschmiedweg am Mittwoch für unbestimmte Zeit auf Eis. Der Grund: Das Schulbaukonzept, das Kulturreferent Fraas präsentiert hat, wird geprüft. (cce)

Lesen Sie auch: Jugendlicher in Wolfratshausen niedergestochen - Polizei nimmt Tatverdächtigen fest.

Auch interessant

Kommentare