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Große Projekte setzen hohe Investitionen voraus: Dennoch will der Stadtrat heuer den Schuldenberg der Kommune weiter abtragen.  

Schuldenabbau ist das Ziel

Wolfratshauser Haushalt:  Sparsamkeit ist das Gebot der Stunde

Der Stadtrat verabschiedet 52-Millionen-Euro-Haushalt einstimmig.

Wolfratshausen – Einige große Projekte mit immensen Investitionskosten nehmen im Jahr 2020 ihren Anfang. Und dennoch baut die Stadt Wolfratshausen ihren Schuldenberg weiter ab, weil die Steuereinnahmen sprudeln. So lässt sich der Haushaltsplan grob zusammenfassen, den der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstagabend verabschiedet hat.

Insgesamt ist das Gesamtvolumen des Etats (Kennzahlen: siehe Kasten) im Vergleich zum Vorjahr deutlich abgespeckt: Um fast zehn Millionen Euro liegt der diesjährige Ansatz unter dem des Vorgängers. Gezeichnet ist der Plan vor allem von Ausgaben, die erst in den kommenden Jahren in voller Höhe anfallen. Viele Projekte – allen voran die beschlossene Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg mit derzeit geschätzten Kosten von rund 60 Millionen Euro – werden das Gremium noch beschäftigen.

Deshalb, und weil die Flößerstadt nach Abzug der Kreisumlage heuer rund 19 Millionen Euro Steuern erwartet, soll der Schuldenstand im Jahr 2020 weiter gesenkt werden. „Seit 2010 wurde der nicht weiter erhöht“, berichtete Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) am Dienstag. Ganz im Gegenteil: In den vergangenen neun Jahren wurde der Berg auf rund die Hälfte abgeschmolzen – und soll nun auf unter 8,5 Millionen Euro schrumpfen.

CSU-Fraktionssprecher Günther Eibl lobte die Konsolidierung der vergangenen Jahre – gab aber mit Blick auf die anstehenden Großprojekte zu bedenken: „Wir werden am Ende des Jahres den niedrigsten Schuldenstand für viele, viele Jahre erreichen.“ Dass die Kommune nämlich hohe Kredite aufnehmen muss, um die kommenden Aufgaben schultern zu können, bezweifelte niemand im Gremium. „Wir tätigen allerdings Investitionen, die zukunftsweisend sind“, befand Eibl und zählte dazu das neue Feuerwehrhaus, die Sanierung der Grund- und Mittelschule sowie den Neubau einer Dreifachturnhalle.

Auch Grünen-Stadträtin Annette Heinloth betonte, dass die Investitionen in den kommenden Jahren nicht deshalb zustande kämen, „weil wir auf großem Fuße leben“, sondern weil diese drängen würden. Sie kritisierte in diesem Zusammenhang , dass viele der kostenträchtigen Vorhaben wegen eines „jahrzehntelangen Sanierungsstaus“ jetzt geballt anstehen würden. Heilinglechner wies diesen Vorwurf zurück: „Wir haben laufend in Gebäude investiert.“

Dennoch muss nun tief in den Stadtsäckel gegriffen werden – dazu kommt ab 2021 eine Neuverschuldung. Vize--Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) bemühte vor diesem Hintergrund den Dichter Heinrich Heine (1797-1856) und sprach die Worte: „Denk’ ich an die Haushaltung der kommenden Jahre in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ Der neue Stadtrat, der am 15. März gewählt wird, müsse „die Tugend der Sparsamkeit wieder erreichen“.

Deshalb versuche der Stadtrat, die – geschätzten – 60 Millionen Euro für die Sanierung und Erweiterung der Hammerschmiedschule zu reduzieren, betonte Dr. Ulrike Krischke (BVW). Deutlich weiter ging der Vorschlag von Dr. Manfred Fleischer (CSU). Er plädierte für eine Neuplanung des Mammutprojekts. „Sonst wird sich die Stadt daran verschlucken – und uns fällt ein Riesen-Finanztrumm auf die Füße.“

„Die Spielräume für neue, große Wünsche sind begrenzt“, sagte Heilinglechner. Deshalb habe die Stadt in den vergangenen Jahren „keine Fantasieprojekte“ angeschoben. Auch in Zukunft müsse der Haushalt „mit Vorsicht“ erstellt werden – vor allem, was die freiwilligen Leistungen der Kommune betreffe. Das Gremium verabschiedete den Haushaltsplan einstimmig.

dst

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Haushaltsentwurf für 2020: Stadt will 45,9 Millionen Euro investieren

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