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Kein Führerschein, aber Cannabis im Blut: An der Tattenkofener Brücke brachte ein 22-jähriger Wolfratshauser mehrere Menschen in Lebensgefahr. Nun muss er sich vor Gericht verantworten.

Er hat keinen Führerschein

Wolfratshauser kifft, steigt aufs Motorrad – und bringt Menschen in Lebensgefahr

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Kein Führerschein, aber Cannabis im Blut: An der Tattenkofener Brücke brachte ein 22-jähriger Wolfratshauser mehrere Menschen in Lebensgefahr. Nun muss er sich vor Gericht verantworten.

Wolfratshausen – Er besitzt keinen Führerschein. Aber als ein Kumpel ihm sein neues Motorrad präsentiert, kribbelt es den Wolfratshauser (22) mächtig. Er schwingt sich auf das noch nicht angemeldete Senke-Motorcycle, will „nur eine kurze Runde fahren“. Einmal über die Tattenkofener Brücke in Geretsried und wieder zurück.

Am Ende der Geraden überholt der 22-Jährige einen wartenden Pkw und schießt förmlich auf die Staatsstraße 2072, direkt in eine Gruppe Motorradfahrer, die in Richtung Bad Tölz unterwegs ist. Nur durch viel Glück konnte ein Crash verhindert werden.

Nun wurde der 22-Jährige wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs, Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie Gebrauch eines Fahrzeugs ohne Haftpflichtversicherung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt.

Eine an zweiter Position in einer Reihe von vier Motorrädern fahrende Verwaltungsangestellte (36) aus Hannoversch-Münden in Niedersachsen hatte den Angeklagten auf die Einmündung zukommen sehen. „Er ist sehr ruppig gefahren, sehr unkontrolliert, ruckartig. Er kriegte die Kurve nicht, wie es sein sollte“, erinnerte sich die Frau, die mit ihrem Ehemann und einem befreundeten Ehepaar auf dem Weg in den Urlaub nach Südtirol war. „Er wäre definitiv in mich reingefahren, wenn ich nicht eine Vollbremsung gemacht hätte und ausgewichen wäre“, schilderte sie die Situation, die sich am Vormittag des 17. Juli 2017 ereignet hatte.

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Der Beschuldigte gab an, sich verschaltet zu haben. Deshalb sei er ruckartig an dem vor ihm wartenden Rechtsabbieger vorbei geschossen. „Ich war noch nie damit gefahren. Ich dachte, es geht schon, aber es ging nicht“, entschuldigte sich der Angeklagte.

Der Staatsanwalt bezweifelte, dass der Schaltfehler auf die Unerfahrenheit des jungen Bikers zurückzuführen gewesen sei. In dessen Blut waren kurz nach dem Beinahe-Unfall Rückstände von Tetrahydrocannabinol (THC) nachgewiesen worden. Der festgestellte Wert deute laut Aussage einer forensischen Toxikologin darauf hin, dass der Angeklagte „zeitnah“ vor dem Zwischenfall Cannabis konsumiert habe. „Unkonzentriertheit, verminderte Reaktionsfähigkeit, verzögerte Wahrnehmung, erhöhte Risikobereitschaft“ zählte die Medizinerin als Folgen auf.

Weil der junge Mann zum Tatzeitpunkt zudem unter offener Bewährung stand, beantragte der Staatsanwalt eine zu vollziehende Freiheitsstrafe von neun Monaten. Anders als der Anklagevertreter sah Verteidiger Florian Ott seinen Mandanten, der eine feste Arbeit hat, „auf dem besten Wege zu einem geregelten Leben. Aber er braucht Zeit, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden.“ Eine Vollzugsstrafe sei deshalb nicht erforderlich.

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Richter Helmut Berger setzte die Haftstrafe von neun Monaten, die er für die „unsägliche Idee und überhaupt nicht zu verharmlosende Spritztour“ als angemessen erachtete, für vier Jahre zur Bewährung aus. Als Auflage muss der Verurteilte 1000 an einen gemeinnützigen Verein zahlen und durch regelmäßige Screenings nachweisen, dass er das angeordnete Drogenkonsumverbot einhält. rst

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