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Mehr als 90 von 100 Punkten: Mit ihrem Wettbewerbsbeitrag begeisterten die jungen Sänger beim Musikfestival Publikum und Jury.

Eindrucksvolle Begegnungen

Wolfratshauser Kinderchor bei Musikfestival in Belgien

Wolfratshausen/Neerpelt – Der Wolfratshauser Kinderchor nahm an einem Musikfestival in Belgien teil. Chorleiter Yoshihisa Kinoshita zieht zufrieden Bilanz.

Über 3000 Menschen tummeln sich im Feestsaal der belgischen Kleinstadt Neerpelt. Ein Orchester spielt die ersten Töne eines Liedes. Einige Sänger stimmen ein. Andere kennen das Musikstück nicht. „Ist das ,Let It Go‘?“, fragt eine Wolfratshauserin ihre Nachbarin. Die nickt, dann singen beide die nächsten Liedzeilen mit. „Innerhalb von einer Minute hat die ganze Halle mitgemacht“, erinnert sich Sophie Abrahams – „ein schöner Moment“. Die 15-Jährige musiziert im Wolfratshauser Kinderchor und besuchte zusammen mit 32 Mitstreitern das europäische Musikfestival in Neerpelt an der belgisch-holländischen Grenze. An dem Wettbewerb nahmen Chorgruppen aus 24 Nationen teil – zum Beispiel aus Spanien, Island, der Türkei und Südafrika.

„Es war eine tolle Erfahrung“, sagt Laura Winklmeier (15). „Die Stimmung war so herzlich, man hat viele Menschen aus ganz anderen Kulturkreisen kennen gelernt.“ Vor allem im Bungalowdorf, das die Wolfratshauser für ein Wochenende bezogen, kam es zu abenteuerlichen Treffen. „Wir haben jede Gruppe erst einmal auf Englisch angesprochen“, erzählt Abrahams. Nach einigen Minuten stellten sie dann teilweise fest: „Wir sprechen ja mit Deutschen.“

Parade: Die Wolfratshauser Chormitglieder ziehen fröhlich durch das belgische Städtchen Neerpelt.

Musiziert wurde natürlich auch. „Zusammen mit einem Chor aus Österreich und einer ungarischen Gruppe haben wir einen gemeinsamen Workshop gemacht“, berichtet Sophia Jellema. Der „Austausch der Kulturen“ blieb nicht ohne Folgen: Einige der Lieder, die die Wolfratshauser kennen lernten, wollen sie in Zukunft ins eigene Repertoire einbauen. Auch am Wettbewerbstag erlangten die jungen Sänger neue Eindrücke von Chormusik: „Eine Gruppe aus Südafrika hat Bauchtanz in ihren Auftritt eingebaut, die spanischen Chöre haben eine ganz andere Art zu singen – sie sind viel kraftvoller“, berichtet Abrahams. „Es ist ein anderer Charakter von Musik“, ergänzt die 13-jährige Jellema.
 
Neben dem Workshop am Samstag und dem Wettbewerb am Sonntag standen zwei weitere Highlights auf dem Programm der Nachwuchsmusiker. „Wir haben ein Konzert in einem Krankenhaus in Neerpelt gegeben“, sagt Winklmeier. „Und am Samstag war eine große Parade aller Teilnehmer durch die Stadt.“ Die Kommune, etwa so groß wie Wolfratshausen, stand voll im Zeichen des Musikfestivals. „Alle Häuser waren geschmückt, die ganze Stadt war auf den Beinen und hat mitgeholfen“, erinnert sich die junge Sängerin. „Das war eigentlich das Schönste an dem Wettbewerb: Es ging nicht nur um den Wettkampf.“

Das bestätigt Chorleiter Yoshihisa Kinoshita. „Es ist nie ein Gegeneinander zwischen den verschiedenen Gruppen entstanden“, berichtet er. „Stattdessen haben wir uns an den Leistungen der anderen gefreut, konnten uns von manchen Stücken inspirieren lassen.“ Obwohl der Wettkampfgedanke höchstens im Hinterkopf der Musiker eine Rolle spielte, lief der Auftritt der Wolfratshauser höchst erfolgreich. Sie holten einen der ersten Preise in ihrer Kategorie, Kinderchor, gehobenes Niveau. Eine internationale Jury bewertete die Teilnehmer. Kinoshitas Schützlinge erreichten über 90 von 100 Punkten – „ein tolles Ergebnis, das sehr hoch einzuschätzen ist“, freut sich der Deutsch-Japaner. In der Kategorie der Wolfratshauser nahmen sonst nämlich nur professionelle Gruppen teil. „Bei uns kann aber jeder mitsingen, niemand wird zurückgelassen“, sagt Kinoshita.

von Dominik Stallein

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