Pflege
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Viele Menschen sorgen sich, ob sie im Alter Hilfe brauchen.

Gastkommentar

Wolfratshauser Pfarrerin erklärt, wie wir das „Hamsterrad Sorge“ anhalten können

Wer älter und gebrechlicher wird, hat die eigene Hilfsbedürftigkeit immer vor Augen. Wie man aus Sorgen wie diesen herauskommt? Darüber hat sich Pfarrerin Elke Eilert in unserem wöchentlichen Gastkommentar Gedanken gemacht.

Wolfratshausen - „Weißt du, wo der Himmel ist? Nicht so weit verborgen! Einen Sprung aus dir heraus, aus dem Haus der Sorgen.“ Das haben wir letztens gesungen bei der Beerdigung einer alten Frau. Bei der Seniorengymnastik hatte sie diesen Vers oft selbst gesungen. Er war ihr ans Herz gewachsen.

VON ELKE EILERTEvangelische Pfarrerin in Wolfratshausen

Mir kommt der Vers in den Sinn, wenn mich der Alltag wieder fest in den Griff nimmt nach Weihnachtsfest, Familientreffen und einigen Urlaubstagen. Für ein paar kostbare Tage hat es nicht im Vordergrund gestanden, was alles noch auf Erledigung wartet.

Kaum sind die freien Zeitfenster vorüber, geht es wieder los: Termine, offene Probleme, wichtige Aufgaben. Und hast du’s nicht gesehen, rattert es wieder, das Hamsterrad der Sorgen. Allem Anschein nach haben die Sorgen ja recht.

Ich denke an die Damen aus der Gymnastikgruppe. Hochbetagt und gebrechlich wissen sie: Wir werden nie mehr so beweglich sein wie in jungen Jahren. Unser Weg führt weiter hinein in die Hilfsbedürftigkeit. Wer sich da keine Sorgen macht, hat eine begnadete Seele. Tatsächlich bietet unser Glaube Hilfe an, aus dem „Haus der Sorgen“ herauszufinden.

Martin Luther hat es einmal in zornig-innige Worte gefasst. Kurz vor seinem Tod muss er in einer wichtigen Mission auf Reisen gehen. Käthe Luther sorgt sich um ihren Mann. Er ist krank und geschwächt losgefahren. Er antwortet: „Lass mich zufrieden mit Deiner Sorge, ich habe einen besseren Sorger, denn Du und alle Engel sind, der liegt in der Krippen und hängt an einer Jungfrau Zitzen, aber sitzet gleichwohl zur rechten Hand Gottes, des allmächtigen Vaters; darum sei zufrieden.“

Überlassen wir unseren Sorgen viel Platz oder weisen wir sie in Schranken wie Martin Luther? Selbst wenn wir nicht im Glauben stark sind, gibt es Wege, das „Hamsterrad Sorge“ anzuhalten. Eine ältere Frau erzählt: Wenn der Freundeskreis zusammen verreist, gilt folgende Regel: Erst nach dem Abendessen dürfen Krankheiten besprochen werden. Jede hat hier etwas zu erzählen und zu beklagen. Doch von Sonnenaufgang bis zum Abend müssen die leidigen Themen ruhen. So hat sich die Reisegruppe eine Zone geschaffen, in der ein wenig Sorglosigkeit gedeihen kann.

Ich finde dies ein gutes Beispiel, die Sorgen zu begrenzen. Jesus kennt uns. Er ermuntert uns freundlich: Sorgt Euch nicht! Euer himmlischer Vater weiß nämlich, was Ihr alles braucht.

VON ELKE EILERT
Evangelische Pfarrerin in Wolfratshausen

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