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Ein Bild aus besseren Tagen: Das Rathauscafé in der Wolfratshauser Altstadt steht seit Anfang 2019 leer.

Stadtrat lehnt „Maximallösung“ ab

Wolfratshauser Rathauscafé: „Müssen schauen, ob das Ganze noch Sinn macht“

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Das Rathauscafé in Wolfratshausen ist seit Mai 2019 geschlossen. Zwei neue Pächterinnen standen Gewehr bei Fuß, doch die stellen ihr Vorhaben nach dem jüngsten Stadtratsbeschluss in Frage.

Wolfratshausen - Vor gut einem Jahr war guter Rat teuer. Konditormeisterin Rita Streicher hatte angekündigt, sich aus Altersgründen aus dem Rathauscafé in Wolfratshausen - die Immobilie gehört der Stadt - zurückzuziehen. Nach einigem Hin und Her fand sich ein Nachfolger, der den Pachtvertrag mit der Stadt unterschrieb. Doch er bekam keine Konzession, die Kommune schickte ihm die Kündigung – schließlich musste der Mann auf Beschluss des Gerichts das Objekt räumen. Er hinterließ einen Haufen Unrat (die Entrümpelung kostete die Stadt 36 000 Euro) sowie Mietschulden in Höhe von 12 000 Euro.

Potenzielle Pächterinnen wollten im Oktober ihr Café öffnen

Erneut begab man sich auf die Suche – und fand mit Rita Schmid, die mit ihrer Tochter Hedwig das „Kaffee Ratscherl“ an der Königsdorfer Straße betreibt, sowie Barbara Schramm-Kastl, die Chefin der „Busserl-Manufaktur“ in Pöcking, zwei potenzielle Pächterinnen fürs Rathauscafé. Im Oktober dieses Jahres wollten die Damen öffnen – doch mit ihren Plänen, konkret den damit verbundenen Investitionskosten, ist der Stadtrat wie berichtet nicht einverstanden.

Rita Schmid und Barbara Schramm-Kastl halten eine Produktionsstätte im Untergeschoss der Immobilie für unverzichtbar. Die und eine Küche, in der täglich rund 100 warme Speisen zubereitet werden können, „sind die Voraussetzungen für ein weiterhin erfolgreiches Café“, stellt Schmid fest.

Die zwei designierten Pächterinnen schalteten aufgrund der sich abzeichnenden Kostenentwicklung sogar einen eigenen Fachplaner ein. Der sei zu einem 150 000 Euro günstigeren Ergebnis als die von der Dienstleistungs-GmbH der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (StäWo) konsultierten Experten gekommen. „Doch das hat die Stadträte nicht interessiert“, sagt Schmid.

Rita Schmid: „Ob das Ganze noch Sinn macht?“

Während Bürgermeister Klaus Heilinglechner in der Stadtratssitzung am Dienstagabend mehrfach betonte, dass Schmid und Schramm-Kastl weiterhin großes Interesse an dem Pachtobjekt hätten, äußert sich Schmid im Gespräch mit unserer Zeitung am Tag darauf zurückhaltender. „Wir müssen jetzt mal schauen, ob das Ganze unter den neuen Voraussetzungen noch Sinn macht.“ Sie und ihre Geschäftspartnerin hätten schon viel Geld in ihren Traum investiert, „das wirft man natürlich nicht einfach so weg“, räumt sie ein. Schmid hofft, dass in weiteren Gesprächen mit der StäWo und der Stadt doch noch eine einvernehmliche Lösung gefunden wird.

Falls nicht, so der Tenor im Stadtrat, werde eine neue Runde gedreht. „Dann gibt’s eine neue Ausschreibung, dann wird ein neuer Pächter fürs Rathauscafé gesucht“, so SPD-Fraktionschef Fritz Meixner am Dienstag in der Loisachhalle. Rita Schmid beteuert gegenüber unserer Zeitung: „Unser Ziel ist es, im Stadtkern für alle Bürger wieder einen gemütlichen und genussvollen Treffpunkt zu schaffen.“ cce

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