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Auto versus Rad: Das ist heute oft noch Alltag. In Wolfratshausen macht man sich Gedanken um ein besseres Miteinander.

Workshop

Wolfratshauser sammeln Ideen für eine nachhaltige Mobilität 

Raus aus dem Auto, rauf aufs Rad:  Bürger erarbeiten Vorschläge für den Stadtverkehr der Zukunft.

Wolfratshausen – „Wie bringt man die Bürger weg vom motorisierten Individualverkehr und hin zu nachhaltigen Mobilitätsformen?“ Diese Frage stellten sich am Freitagabend die Teilnehmer des Workshops „Nachhaltige Mobilität“ im Sitzungssaal des Wolfratshauser Rathauses. „Wir erwarten uns vom heutigen Abend viele Vorschläge, mit denen man weiterarbeiten kann“, sagte Birgit Sachers, Vorsitzende des ADFC-Kreisvorstands Bad Tölz-Wolfratshausen und eröffnete damit die Veranstaltung, die Teil der Aktion „Klimafrühling Oberland“ ist.

Als erste Referentin stellte sich Annette Knott, stellvertretende Geschäftsbereichsleiterin Bauen und Umwelt sowie Fachbereichsleiterin Bauverwaltung der Stadt Garching, vor. Sie gab den etwa 20 Anwesenden mit der neuen Stellplatzsatzung in Garching Denkanstöße für Verbesserungen in der Flößerstadt. „Das Ziel unseres Mobilitätskonzepts ist der Anreiz, den Zweitwagen abzuschaffen“, erklärte Knott. Das Konzept sieht mehr und verbesserte öffentliche Radabstellplätze vor, dabei ist jeder zehnte Stellplatz für die Breite eines Lastenfahrrads ausgestattet. „Wichtig ist uns, dass die Abstellmöglichkeiten oberirdisch, beleuchtet und gut zu erreichen sind“, betonte die Referentin. Die Zahl der Parkplätze für Kraftfahrzeuge an wohngenutzten Anlagen wird hingegen reduziert, wenn sie sich unweit einer U-Bahn-Station befindet.

Die Anwesenden sammelten auf dieser Basis konkrete Vorschläge für das Wolfratshauser Mobilitätskonzept. Unter den Ideen befanden sich Ausleihmöglichkeiten von Lastenfahrrädern und die Errichtung moderner Abstellplätze in der Innenstadt. „Sichere Möglichkeiten zum Abschließen der teuren Räder sind auch in unserem Sinne“, bemerkte Toni Lechner, Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion Wolfratshausen.

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Leonhard regte im Bereich Wohnen die Umwandlung der bisher gültigen Richtlinien in eine Satzung mit höheren Anforderungen an, die auch eine Stellplatzablöse bei Car-Sharing und ähnlichen Konzepten vorsieht. Damit könne man genügend Abstellmöglichkeiten für Fahrräder garantieren und die Bewohner zum Radeln animieren. Einig waren sich einige Workshopteilnehmer darin, dass die bestehenden Pkw-Parkplätze in der Flößerstadt nicht reduziert werden dürfen. „Die Parkplätze, die es gibt, sind bitter notwendig“, hieß es. Ein Gegenargument brachte Lechner hervor: „Jeder Mensch ist bequem. Wenn wir die Autonutzung für kurze Strecken aber durch die Parkplatzsuche noch unbequemer machen, steigen manche vielleicht auf das Rad um.“

Der Verkehrssachbearbeiter schilderte anschließend die Situation für Radfahrer aus verkehrspolizeilicher Sicht: „Die Verkehrsinfrastruktur ist nicht so schlecht, wie sie oft dargestellt wird.“ Man müsse aber vermeiden, dass sich „die Verkehrsarten aneinander reiben und gegeneinander kämpfen“. Alle Verkehrsteilnehmer – egal ob mit dem Auto, dem Rad oder zu Fuß unterwegs – sollen Aufmerksamkeit, Vorsicht und Rücksicht walten lassen.

In der zweiten Diskussionsrunde schilderten die Besucher ihre Ideen zur Konfliktvermeidung mit Fußgängern und Kraftfahrzeugen sowie zur Verbesserung von Radwegen. „Wichtig sind Erinnerungen an die Bürger, ihre Hecken regelmäßig zurückzuschneiden“, hieß es in einem Vorschlag. Bei der Bitte um noch mehr Schutzstreifen, wie sie an der Pfaffenrieder Straße zu finden sind, musste Bauamtsleiterin Leonhard die Anwesenden enttäuschen: „Das liegt nicht in der Hand der Stadt, sondern ist Sache des Landratsamtes.“ Auch die Verbreiterung der vorhandenen Radwege sei oft mit Schwierigkeiten verbunden, aber auf dem Radar der Verantwortlichen. Eine verbesserte Instandhaltung der unbefestigten Wege sicherte Bürgermeister Klaus Heilinglechner den Radfahrern zu. „Diese Punkte werden nun in unserer Projektgruppe besprochen und finden den Weg in den Stadtrat“, schloss Leonhard die Veranstaltung und bedankte sich für die rege Beteiligung.

Leonora Mitreuter

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