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26-jähriger Spüler „wäscht“ 48.000 Euro – „für karitative Zwecke Geld gesammelt“

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Von: Rudi Stallein

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Dubiose Geldgeschäfte via Wirecard-Bank brachten einen Wolfratshauser vor das Amtsgericht.
Dubiose Geldgeschäfte via Wirecard-Bank brachten einen Wolfratshauser vor das Amtsgericht. © Peter Kneffel/DPA

Dubiose Geldgeschäfte via Wirecard-Bank brachten einen Wolfratshauser vor das Amtsgericht. Er soll als „Finanzagent“ tätig gewesen sein.

Wolfratshausen – Wegen dubiosen Geldbewegungen auf seinem Bankkonto landete ein Wolfratshauser vor Gericht. Der Mann soll laut Anklageschrift „als Finanzagent für unbekannte Täter“ sein Konto bei der Wirecard-Bank zur Verfügung gestellt haben. In einem Zeitraum von 13 Monaten gingen insgesamt rund 48.000 Euro auf dem Konto ein.

Wolfratshauser vor Gericht: Verantwortlich für 51 Fälle von Geldwäsche

Einen kleinen Teil des Gelds behielt der 26-Jährige für sich, den Rest leitete er per Western Union an andere Konten weiter. Nun musste sich der Asylbewerber, der als Beruf Spüler angab, wegen Geldwäsche in 51 Fällen vor dem Wolfratshauser Amtsgericht verantworten: Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt.

Das Geld soll von Opfern des sogenannten „Love- oder Romance-Scammings“ stammen. Dabei benutzen Betrüger im Internet falsche Identitäten, gaukeln ihren Opfern Liebe vor, um sie dann finanziell auszunehmen. In der Regel behauptet der Betrüger unverhofft in Notlage geraten zu sein, aus denen er sich nur durch Geldzahlungen seiner Opfer befreien könne.

Angeklagter äußert sich nicht in der Verhandlung

Im vorliegenden Fall handelte es sich um Einzelsummen zwischen 500 und 3000 Euro, die zwischen Mitte November 2018 und Mitte Dezember 2019 auf das Konto des Beschuldigten eingezahlt worden waren. Der Angeklagte äußerte sich während der Verhandlung nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Die Frage des Richters, ob er zu den diversen Kontobewegungen etwas sagen möchte, beantwortete er mit einem Kopfschütteln.

Geld für „karitative Zwecke“ gesammelt

Ins Visier der Ermittler geraten war der Mann, weil der Verdacht bestand, dass er in Betrügereien mit Bahntickets verwickelt war. Auch dies habe der Wolfratshauser Mann bestritten, berichtete ein Polizist. Im Zuge der Ermittlungen seien dann seine Bankdaten abgefragt worden. Dabei sei man auf „eine Vielzahl von Geldeingängen gestoßen, die Love-Scamming vermuten ließen“, erklärte der Zeuge. Tatsächlich hätten sich unter den Einzahlerinnen einige Frauen befunden, die bei verschiedenen Polizeistationen bereits Betrugsanzeigen erstattet hatten, erklärte ein weiterer Polizist, der den Beschuldigten am 17. Dezember 2019 nach einer entsprechenden Anzeige eines Opfers befragt hatte.

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Damals habe der Mann gesagt, dass er sein Konto einem Freund in Nigeria zur Verfügung gestellt habe. Dieser habe „für karitative Zwecke Geld eingesammelt“. Es selbst habe dann das Geld abgehoben und per Western Union weitergeleitet. Für den Freundschaftsdienst habe er „mal 50, 60 Euro behalten“ dürfen, zitierte der Polizist aus der früheren Vernehmung.

Anwalt beantragt Freispruch

Die Beweisaufnahme vor Gericht ergab jedoch auch, dass die Ermittler mit keinem der Geldeinzahler persönlich Kontakt aufgenommen hatten. „Ob sie geschädigt worden waren, warum sie das Geld überwiesen hatten, wurde nicht recherchiert“, musste der Polizist einräumen. Unter anderem deshalb hielt der Verteidiger es nicht für erwiesen an, dass „die Gelder aus rechtswidrigen Taten stammen“, und beantragte, seinen Mandanten freizusprechen.

Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr und zwei Monate ohne Bewährung wegen leichtfertiger Geldwäsche. Richter Helmut Berger sah ein gewerbsmäßiges und zielgerichtetes Handeln des Angeklagten als erwiesen an und sprach eine Gesamtstrafe von einem Jahr und sechs Monaten aus. Zudem ordnete der Richter die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 48.000 Euro an. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (rst)

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