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Wolfratshauser Stadtrat trifft finale Entscheidung zur geplanten Surfwelle

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Von: Carl-Christian Eick

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Stefanie und Marcus Kastner Surfwelle Wolfratshausen
Neun lange Jahre kämpften Stefanie und Marcus Kastner für eine künstliche Surfwelle in Wolfratshausen. Gut 125 000 Euro Spenden trommelte der von ihnen gegründete Verein zusammen. © Sabine Hermsdorf-Hiss/Archiv

Nach neun Jahren kontroverser Debatten über die Surfwelle hat der Wolfratshauser Stadtrat das letzte Wort gesprochen.

Wolfratshausen – Seit Mitte Februar war der Leichnam aufgebahrt, am Dienstagabend um 20.28 Uhr hat der Stadtrat den Sarg geschlossen: Mit 22:0 Stimmen votierte das Gremium für die „Rückabwicklung“ des Projekts Surfwelle. Alle seit 2013 gefassten Beschlüsse werden aufgehoben, bereits geschlossene Verträge annulliert und die zugesagten rund 270.000 Euro aus dem Leader-Förderprogramm der Europäischen Union zurückgegeben. Dem Verein „Surfing Wolfratshausen“ bleibt unterm Strich nicht mehr als höchster Respekt für das „immense Engagement“, so Rathauschef Klaus Heilinglechner (BVW).

Wolfratshauser Stadtrat trifft finale Entscheidung zur geplanten Surfwelle

Bereits im Februar hatte der Stadtrat wie berichtet an die Reißleine gegriffen. Mit 23:0 Stimmen lehnten es die Bürgervertreter ab, weitere rund 144 000 Euro für das in Weidach geplante Vorhaben bereitzustellen. Zu diesem Zeitpunkt beliefen sich die Gesamtinvestitionskosten etwa auf 1,4 Millionen Euro. Kurz nach der Sitzung gab der Hersteller der Wellenkonstruktion bekannt, dass er eine preiswertere Variante anbieten könne. Vor diesem Hintergrund hatte der Surferverein um eine Entscheidung gebeten, ob die Stadt das Projekt fortsetzen will. Die Antwort fiel eindeutig aus. Nicht zuletzt, weil die Folgen der Corona-Pandemie und des Krieges in der Ukraine das Vorhaben beeinflussen würden. Bürgermeister Heilinglechner schließt „große Preisunsicherheiten“ und „Unabwägbarkeiten“ mit Blick auf Lieferfristen nicht aus. In der Beschlussvorlage für den Stadtrat hatte die städtische Tourismusmanagerin Gisela Gleißl zu bedenken gegeben: „Eine Projektfortsetzung birgt ein großes Kostenrisiko.“ Zudem müsse mit einem hohen Zeit- und Personalaufwand gerechnet werden.

Ich würde am liebsten gar nicht abstimmen. Ich möchte das Projekt nicht aktiv beerdigen.

Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne)

„Ich habe lange für die Welle gekämpft“, sagte Heilinglechner. „Sie hätte der Außendarstellung Wolfratshausens gut getan.“ Doch nun sehe er „keinen Sinn mehr darin, weitere Büros zu beauftragen“. Zumal es „keine weiteren Kostendiskussionen“ geben dürfe, wenn der Stadtrat weiter an dem Vorhaben festhalten wolle. Dies aber wollte keiner der Mandatsträger. „Das Projekt ist nicht mehr durchführbar“, bilanzierte Sepp Schwarzenbach im Namen der CSU. Der Sprecher der BVW, Josef Praller, erklärte mit Blick auf das kostengünstigere Angebot des Wellenherstellers, dass er nicht bereit sei „an Flexibilität und Qualität“ zu sparen – „nur um eine Welle zu bauen, um dann eine Welle zu haben“. Denn die preisgünstigere sogenannte Single Ramp schränkt die Betriebszeiten der Surfwelle deutlich ein.

„Dramatische Kostenentwicklung“ beim Surfwellen-Projekt

Helmut Forster, Wirtschaftsreferent des Stadtrats und Fraktionschef der Wolfratshauser Liste, merkte an, dass das neue Angebot auf ihn „wenig serös“ wirke. Schließlich habe der Hersteller zunächst von einer Single Ramp abgeraten. Ausschlaggebend für das Nein der dreiköpfigen Fraktion sei jedoch „die dramatische Kostenentwicklung“.

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„Ich würde am liebsten gar nicht abstimmen“, sagte Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne). Sie wolle „das Projekt nicht aktiv beerdigen“. Doch da sich in puncto Finanzierung keine Lösung abzeichne, „stimme ich mit sehr schwerem Herzen für die Abwicklung“.

Bürgermeister will Surferverein Wechselbad der Gefühle ersparen

„Es ist ein schwerer Tag für mich“, räumte Dr. Patrick Lechner (FDP) ein. Die Surfwelle wäre in seinen Augen ein Plus für die Flößerstadt gewesen. „Die Surfwelle hat Emotionen geweckt“, sekundierte Fritz Schnaller (SPD). „Doch die Zeit des Wunschdenkens ist vorbei.“ Noch länger die Welle zu machen würde heißen, einen „Blankoscheck“ auszustellen – und das komme nicht infrage.

Es wäre ein schönes Projekt gewesen. 

Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW)

Er habe auf eine klare Entscheidung gedrängt, erklärte Rathauschef Heilinglechner, weil er nach den vielen Hochs und Tiefs in den vergangenen neun Jahren dem Surferverein ein voraussichtlich erneutes Wechselbad der Gefühle ersparen wolle. Nachdem bereits alle Fraktionen dem Verein um seine Vorsitzende Stefanie Kastner größtes Lob gezollt hatten (der Verein trommelte für die Welle gut 125 000 Euro Spenden zusammen), sagte Heilinglechner: „Danke für die immense Arbeit.“ Den Ehrenamtlichen gebühre „allergrößte Anerkennung“, der Stadtrat bekräftigte diese Aussage mit lautem Beifall.

Stefanie und Marcus Kastner hörten auf der Besuchertribüne der Loisachhalle die letzten Worte der Grabrede von Bürgermeister Klaus Heilinglechner: „Es wäre ein schönes Projekt gewesen.“ (cce)

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