Ein Tierarzt mit einem Hund.
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„Der erste Lockdown hat vielen Haustieren sehr gut getan“, sagt der Wolfratshauser Tierarzt Dr. Max Hildenbrand, hier mit seinen Sprechstundenhilfen Anna-Lena Haberl (li.) und Julia Döring.

Auswirkungen der Corona-Pandemie

Wolfratshauser Tierarzt: Deswegen hat der erste Lockdown vielen Haustieren gut getan

Viele Menschen leiden unter dem Lockdown. Doch welche Folgen haben die Corona-Maßnahmen für Haustiere? Das fragten wir den Wolfratshauser Tierarzt Dr. Max Hildenbrand.

Wolfratshausen – Das Thema Gesundheit steht im von der Corona-Pandemie gezeichneten Jahr 2020 ganz oben auf der Agenda. Dabei dreht sich die öffentliche Diskussion aber fast ausschließlich um das Wohlbefinden der Menschen. Die weltweite Pandemie hat aber auch Auswirkungen auf die Veterinärmediziner im Landkreis, die ihre Praxen fortwährend den aktuellen Hygiene-Regeln anpassen müssen. Im Interview mit unserem Mitarbeiter Dominik Stallein spricht der Wolfratshauser Tierarzt Dr. Max Hildenbrand über Corona-Viren in der Tierwelt und darüber, welche Auswirkungen der Lockdown auf die Vierbeiner hat.

Herr Dr. Hildenbrand, in einer Tierarztpraxis sollte es eigentlich immer hygienisch zugehen – hat sich durch die Corona-Regelungen überhaupt etwas für Sie verändert?

Oh ja. Natürlich achten wir immer auf eine grundlegende Sauberkeit. Aber die Corona-Maßnahmen haben in den meisten Praxen das Hygienekonzept nochmals auf den Kopf gestellt.

Weil die Vorgaben so einschneidend sind?

Vor allem deshalb, weil es zuvor überhaupt keine Regelungen gegeben hat. Die Sauberkeit lag davor im Ermessen der jeweiligen Ärzte. Und auch, wenn man wie ich schon immer darauf geachtet hat: Die Türklinken zum Beispiel wurden bestimmt nirgendwo so oft desinfiziert, wie es aktuell passiert. Dazu kommt die Maskenpflicht, die logischerweise auch in Tierarztpraxen gilt. Was für unsere Patientenbesitzer manchmal schwierig ist, ist die Regelung, dass wir pro Tier nur eine Person in die Praxis lassen können. Szenen wie vor Corona, wo eine fünfköpfige Familie ihr Meerschweinchen zu uns bringen konnte, weil alle an dem Tier hängen und wissen wollen, wie es ihm geht, müssen wir im Moment leider unterbinden. Die meisten haben dafür aber Verständnis.

Was passiert denn, wenn ein Tier zum Arzt muss – der Halter aber Corona-Symptome zeigt?

Wir machen unseren Patienten-Besitzern klar, dass sie im besten Falle daheim bleiben sollen, wenn sie husten oder schnupfen. Wenn es ein Notfall ist, holen wir das Tier vor unserer Tür ab, vor der der Halter dann wartet, bis wir fertig sind.

Eine Meldung sorgte bei Haustierhaltern für Aufsehen: Corona-Fälle bei Hunden und Katzen wurden publik. Müssen sich Tierbesitzer jetzt Sorgen machen?

Man muss da genau unterscheiden. Coronavirus ist nämlich nicht gleich Coronavirus. Diese Virenart kennen Tierärzte schon immer, weil verschiedene Coronaviren im Tierreich verbreitet sind. Am bekanntesten – und leider auch am tödlichsten – ist die FIP (Feline Infektiöse Peritonitis, Anm. d. Redaktion) bei Katzen. Diese Bauchfellentzündung wird von Coronaviren, die die Tiere irgendwo aufschnappen, ausgelöst. Dagegen gibt es aber eine Impfung. Der Sars-Cov2-Virenstamm ist aber eine humane Erkrankung, der bei den Tieren keine großartigen Auswirkungen hat, soweit man jetzt weiß. Ja, die Fälle werden dokumentiert, aber vor allem zu wissenschaftlichen Zwecken. Ich glaube nicht, dass Haustierbesitzer panisch sein müssen.

Während des ersten Lockdowns sind viele Menschen auf den Hund respektive die Katze gekommen. Haben Sie das in Ihrer Praxis gemerkt?

Ich habe nicht das Gefühl, dass bedeutend mehr Tiere zur ersten Behandlung da waren – also neu angeschafft wurden. Vollständig bewerten kann ich das aber nicht. Was mir aufgefallen ist: Der erste Lockdown hat vielen Haustieren sogar sehr gutgetan.

Wieso das?

Aus zwei Gründen: Wenn man den ganzen Tag im Homeoffice verbringt, bemerkt man kleine Symptome bei den Tieren viel schneller, als wenn man nur abends nach der Arbeit ein paar Stunden bei ihnen ist. Wir haben während des ersten Lockdowns nur ganz wenige verschleppte Erkrankungen festgestellt und stattdessen sehr oft, sehr früh eingreifen können. Der zweite Grund – der betrifft vor allem Hunde – hängt auch mit dem Daheimsein zusammen. Viele Leute sind öfter spazieren gegangen oder haben ihre Gassi-Routen deutlich verlängert, weil sie keinen Zeitdruck hatten oder weil sie es genossen haben, mal Zeit an der frischen Luft verbringen zu können. Ich glaube, viele Hunde waren vor und nach dem Lockdown nie wieder so viel draußen unterwegs.

Zusammenfassend: Herr Hildenbrand, wie geht’s Ihnen?

Ich bin in der glücklichen Lage, dass mein Beruf als systemrelevant gilt. Für mich hat sich dadurch zumindest im Arbeitsalltag nichts Gravierendes geändert – außer den Hygienevorgaben. Auch im harten Lockdown kann ich meine Praxis weiterhin führen. Das würde auch niemand verstehen, wenn wir gezwungen wären, zu schließen – und Tierbesitzer mit ihren kranken oder verletzten Lieblingen alleine wären. (dst)

In der Reihe „Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben.

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