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Letzte Runde: Das Volksfest auf dem Multifunktionsplatz vor der Loisachhalle wird es in der bisherigen Form nicht mehr geben. 

„Armselig und aus der Zeit gefallen“

Wolfratshauser Volksfest: So geht es nicht weiter - Alternative gesucht

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Der zuständige Fachausschuss der Stadt hat das jährlich auf dem Loisachhallen-Parkplatz stattfindende Volksfest am Dienstagabend beerdigt. Wohlgemerkt: „In seiner bisherigen Form“, so lautet der Beschluss.

Wolfratshausen – Trotz aller Bemühungen der Kommune ist das Volksfest auf dem Multifunktionsplatz vor der Loisachhalle bis dato kein Anziehungsmagnet. Im kleinen Bierzelt, das es bis vor einigen Jahren gab, herrschte in der Regel gähnende Leere. Für große, attraktive Fahrgeschäfte wie einen Autoscooter fehlt schlichtweg der Platz.

„Gemischte“ Resonanz auf Volksfest 2017

Die Resonanz aufs Volksfest 2017 fiel laut Bürgermeister Klaus Heilinglechner „gemischt“ aus: „Während einige Schausteller zufrieden waren, konnten andere, wie zum Beispiel der große Pizzastand, nur geringe Umsätze verbuchen. Von Besucherseite wurde bemängelt, dass die Preise der Fahrgeschäfte nicht sehr familienfreundlich sind. Auch am Familientag waren diese zum Teil nur um einen Euro reduziert“, berichtete der Rathauschef in der Sitzung des Ausschusses für Kultur, Jugend, Sport und Soziales am Dienstag. 

Die Werbekosten habe die Stadt heuer zurückgeschraubt, ergänzte Heilinglechner – unterm Strich blieb ein Defizit von rund 6100 Euro. Zum Vergleich: In den Vorjahren lag das Saldo zwischen 12 000 und knapp 18 000 Euro.

Bürgermeister will Entscheidung

Von den Ausschussmitgliedern verlangte der Bürgermeister am Dienstagabend eine Entscheidung, wie es mit dem Volksfest weitergehen soll. „Ein bisschen Dosenwerfen, Pizzaessen und Trampolinhüpfen“: Das Volksfest sei „armselig und aus der Zeit gefallen“, stellte Annette Heinloth (Grüne) fest. „Gescheit oder gar nicht“, lautete Heinloths Empfehlung für die Zukunft. Das Wolfratshauser Volksfest sei „nicht Fisch und nicht Fleisch“, urteilte SPD-Fraktionschef Fritz Meixner. „Es Volksfest zu nennen, ist eine Anmaßung“, sekundierte ihm seine Parteifreundin Roswitha Beyer. Etwas „Halbschariges künstlich am Leben lassen“ – das müsse nicht sein, bilanzierte Meixner. Es sei besser, „einen Schnitt zu machen“ und zu überlegen, „wie das Volksfest aufgewertet werden kann“. 

Eine Option sei es, sich „ins Geretsrieder Waldfest einzuklinken“. Dies wäre laut Meixner jedoch nur eine „Übergangslösung“, denn die Pläne der Stadt Wolfratshausen, im Bereich des Wertstoffhofes an der Geltinger Straße einen neuen Volksfestplatz zu schaffen, liegen wie berichtet in der Schublade. Aufgrund der hohen Investition, die dieses Projekt bedingt, rechnet der SPD-Sprecher allerdings nicht damit, dass das Vorhaben in den nächsten zwei Jahren in die Tat umgesetzt wird.

Plößl will nicht Untermieter in Geretsried werden

Mit dem Volksfest in der bestehenden Form ist auch die Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW) nicht richtig glücklich. Stadtrat Maximilian Schwarz schlug vor, die Altstadt einzubinden – etwa „in der Art eines Wirtefestes“, konkretisierte sein Fraktionskollege Walter Daffner. Renate Tilke (CSU) plädierte dafür, an die Vereine zu appellieren, sich im Rahmen eines Volks- oder Bürgerfestes zu engagieren.

„Weg ist weg“, warnte Peter Plößl (CSU). Er räumte ein, dass das Volksfest am Loisachufer „nicht das ganz große Highlight ist“. Die Veranstaltung ersatzlos aus dem Jahreskalender der Kommune zu streichen, komme für ihn aber nicht infrage. Dasselbe gelte für den Vorschlag „Untermieter in Geretsried zu werden“. Sein Fraktionskollege Alfred Fraas sah das ähnlich. „Wir dürfen den Faden nicht abreißen lassen“, sagte er.

Kompromissbeschluss für 2018

Bürgermeister Heilinglechner formulierte schließlich mit Verwaltungsdirektor Franz Gehring einen Kompromissbeschluss: Das Volksfest wird in der bekannten Weise nicht weitergeführt, für 2018 ist eine Alternative auszuarbeiten. Dies soll unter Federführung des städtischen Marktmeisters Hubert Bernwieser geschehen. Sieben Stadträte waren mit diesem Vorgehen einverstanden, die drei Ausschussmitglieder der CSU stimmten mit Nein.

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