Mann mit Joint.
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Kiffen nahe am Jugendhaus: Weil er einen Minderjährigen an seinem Joint ziehen ließ, stand ein Wolfratshauser vor Gericht.

31-Jähriger ließ Schüler an Joint ziehen

Wolfratshauser vor Gericht: Darum will er „jetzt brav sein“

Weil er einen Schüler an seinem Joint ziehen ließ, musste sich ein Wolfratshauser vor dem Amtsgericht verantworten. Dort zeigte er sich reumütig.

Wolfratshausen – Weil er einen 17-jährigen Schüler an seinem Joint ziehen ließ, musste sich ein Wolfratshauser (31) vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Wolfratshausen verantworten. Der Vorwurf lautete: unerlaubte Abgabe von Betäubungsmitteln an einen Minderjährigen. Das stuft der Gesetzgeber als Verbrechen ein und sieht dafür als Strafe mindestens ein Jahr Gefängnis vor.

Polizeistreife ertappte die zwei Männer auf frischer Tat

Am 11. September vorigen Jahres hatte eine Polizeistreife die zwei Männer auf frischer Tat ertappt. „Wir waren auf Fußstreife an der alten Floßlände. Als wir wieder ins Auto einsteigen wollten, haben wir starken Marihuana-Geruch wahrgenommen“, berichtete eine Polizistin als Zeugin. Weil sie die Grünfläche an der alten Floßlände gerade begutachtet hatten, sei es naheliegend gewesen, dass der Duft vom La Vida herübergeweht sein musste. Tatsächlich saßen der Beschuldigte und der Schüler auf einer Treppe hinter dem Jugendzentrum. „Wir haben beobachtet, wie der Angeklagte den Joint an den Jungen weitergab, der nahm einen Zug – als wir auftauchten, warf er den Joint weg“, erklärte die Beamtin.

Dies ist definitiv einer der Fälle, die der Gesetzgeber nicht mit einem Jahr Gefängnis bestraft sehen will.“ 

Christina Keil, Rechtsanwältin

Soweit räumte auch der gelernte CNC-Fräser die Vorwürfe ein. Allerdings bestritt er vehement, gewusst zu haben, „dass sein Bekannter erst 17 Jahre alt war“, wie Rechtsanwältin Christina Keil für ihren Mandanten ausführte. Wenig später nahm der Jugendliche auf dem Zeugenstuhl Platz. „Es springt einen förmlich an, dass er noch nicht 18 ist“, fasste Richter Helmut Berger später in der Urteilsbegründung den Eindruck des Schöffengerichts zusammen.

Die Verteidigerin sah wenig Grund, warum der Angeklagte sich über das Alter seines Bekannten hätte Gedanken machen müssen. Schließlich habe der 17-Jährige in seiner Zeugenaussage selbst erklärt, er habe schon einmal mit ihrem Mandanten „ein Bier getrunken“. Das dürfe man als Indiz werten, dass er älter ist. „Sonst hätte er wahrscheinlich Limonade getrunken.“

Letzte Verurteilung liegt noch nicht lange zurück

In einem Punkt ging das Gericht mit der Einschätzung der Verteidigerin konform. Christina Keil hatte in ihrem Plädoyer betont: „Dies ist definitiv einer der Fälle, die der Gesetzgeber nicht mit einem Jahr Gefängnis bestraft sehen will.“ Das Schöffengericht wertete die Sache als minderschweren Fall, verurteilte den Wolfratshauser aber dennoch zu einem Jahr Gefängnis – mit Bewährung. Der Grund: Bei der Gesamtstrafe – zehn Monate hielt das Gericht für den überlassenen Joint für angemessen – ist die letzte Verurteilung des Angeklagten mit eingeflossen. Erst im Januar dieses Jahres war der 31-Jährige wegen Nachstellung zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen verurteilt worden. Strafverschärfend wertete das Gericht, „dass er sich bei einem Jugendzentrum mit einem Joint rumtreibt“. Als Auflage muss er 1500 Euro an die Caritas-Suchtberatung überweisen und dort drei Beratungsgespräche führen.

„Es tut mir leid für alles, was passiert ist. Das kommt nicht wieder vor“, sagte der Angeklagte am Ende und beteuerte: „Ich will jetzt brav sein.“

Rudi Stallein

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