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Geldstrafe statt Sozialstunden

Wolfratshauser wird sechs Mal ohne Ticket erwischt - jetzt kommt die Strafe

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Weil das Geld dafür oft nicht mehr reichte, fuhr der Wolfratshauser gelegentlich schwarz. Sechs Mal wurde er innerhalb eines Jahres ohne gültiges Ticket erwischt. 

Wolfratshausen Er unterstützte seine Eltern finanziell, musste seinen Handyvertrag bezahlen und die monatliche Gebühr fürs Fitnessstudio aufbringen. Trotz Nebenjobs war das Geld bei dem Auszubildenden knapp. Für die Fahrkarte zur Berufsschule und zu seiner Arbeitsstätte reichte es oft nicht. Deshalb fuhr der heute 22 Jahre alte Wolfratshauser gelegentlich schwarz. Sechs Mal wurde er innerhalb eines Jahres ohne gültiges Ticket erwischt. Nun servierte ihm das Gericht die Quittung in Form einer Geldstrafe von 450 Euro. Der gesamte Fahrpreis, den er sich bei den kontrollierten Fahrten in Bussen der Linien 378 und 379 erspart hatte, belief sich auf 16,80 Euro.

Das erste Mal wurde der junge Mann, der „alles einräumt“, wie sein Verteidiger erklärte, Mitte Februar vorigen Jahres auf der Fahrt von Bad Tölz nach Wolfratshausen erwischt, zwei Wochen vor seinem 21. Geburtstag. Deshalb fand die Verhandlung vor dem Jugendrichter statt. Den Auszubildenden nach Jugendstrafrecht zu verurteilen, dafür sah Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch die Voraussetzungen nicht erfüllt. „Fünf Taten als Erwachsener, eine Tat als Heranwachsender. Das tendiert stark zu Erwachsenenstrafrecht“, so der Jugendgerichtshelfer.

Der Verteidiger sah in dieser simplen Gleichung die besondere Situation seines Mandanten nicht genügend gewürdigt, der „erst auf dem Weg war, sich zu finden“. Zwar räumte der Rechtsanwalt ein, dass „es möglicherweise nur die Spitze eines Eisbergs ist, die wir hier verhandeln“. Gerade deshalb müsse man in diesem speziellen Fall deutlicher herausarbeiten, „wo die Wurzel des Übels liegt, im Bereich Jugendlicher oder Heranwachsender“. Er beantragte deshalb, „die Anklage zu verwerfen und ihm 40 Stunden Sozialdienst aufzuerlegen“.

Für Richter Urs Wäckerlin entsprach der Angeklagte in seiner Entwicklung „mehr einem jungen Erwachsenen als einem Jugendlichen“. Dafür spreche auch, dass er sich „schon über längere Zeit finanziell selbst versorgt“. Wäckerlin sah keinen Anlass mit Sozialstunden zu reagieren, sondern verurteilte den Auszubildenden zu 30 Tagessätzen à 15 Euro.

rst

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