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„Seit das Isar-Kaufhaus geschlossen ist, fehlen täglich 500 Kunden in der Altstadt“: Helmut Forster, Wirtschaftsreferent des Stadtrates, im Gespräch mit Dominik Stallein. 

„Das wäre eine gute Geschichte.“

Wolfratshauser Wirtschaftsreferent im Interview: Diesen Wunsch hat er für die Stadt

Helmut Forster, Wirtschaftsreferent der Stadt Wolfratshausen sieht Wolfratshausen gut aufgestellt in Sachen Gewerbe. An Aufgaben mangelt es ihm aber nicht, besonders eine Sache liegt ihm am Herzen, wie er im Interview verrät.

Wolfratshausen – Fast rundum positiv war der Bericht, den Wirtschaftsreferent Helmut Forster kürzlich in der Stadtratssitzung über den Wolfratshausen ablieferte. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Dominik Stallein spricht der Ex-Bürgermeister über seine Referententätigkeit, fehlende Gewerbeflächen – und er äußert einen Wunsch.

-Herr Forster, in der Loisachstadt arbeiten so viele Menschen wie in keiner anderen Kommune im Landkreis. 2017 sorgte das für 27 Millionen Euro Gewerbe- und Einkommenssteuer. Ist alles eitel Sonnenschein am Wirtschaftsstandort Wolfratshausen?

Helmut Forster: Wir können uns zumindest nicht beschweren. Alles in allem läuft es recht gut, und wir sind breit aufgestellt. Es sind über 2000 Unternehmen in Wolfratshausen ansässig. Natürlich verlassen uns manchmal Betriebe – die sind aber häufig auf Expansionskurs, und wir können ihnen leider keine größeren Flächen anbieten. Wir haben aber unterm Strich mehr Gewerbeanmeldungen als -abmeldungen.

-Sie sagen, man könne sich nicht beschweren. Beim Thema Leerstand in der Innenstadt tun das dennoch einige Wolfratshauser...

Helmut Forster: ... das ist aber ein Jammern auf hohem Niveau, das ist ein gesellschaftliches Problem. Es stimmt: Seit das Isar-Kaufhaus Ende 2012 geschlossen hat, fehlen täglich 500 Kunden in der Altstadt. Deshalb ist es so wichtig, dass das Projekt der Untermarkt 7-11 GmbH umgesetzt wird. Wenn an der Stelle des alten Isar-Kaufhauses wieder ein Geschäftshaus entsteht und ein Kundenmagnet einzieht, hilft das allen. Es gibt Signale des Investors, dass ein solcher Ankermieter kommen könnte. Das wäre eine gute Geschichte.

-Das Vorhaben der Untermarkt 7-11 GmbH ist eines von mehreren Großprojekten. Im Gewerbegebiet wird der Möbelriese XXXLutz in den ehemaligen Mahler-Komplex einziehen, die Stadt will auf dem Kraft-Areal am S-Bahnhof Handel und Gewerbe unterbringen. Warum dauern diese Prozesse so lange?

Helmut Forster: Ich denke, das ist in anderen Städten nicht anders. Natürlich ist das ein weiter Weg für uns. Es gehören – zum Beispiel beim Kraft-Areal und der Neueröffnung des XXXLutz-Marktes – auch Verkehrsthemen und andere Aspekte dazu. Außerdem haben 24 Stadträte und der Bürgermeister ihre Meinung zu jedem Thema. Das sorgt dafür, dass sich manche Projekte hinziehen. Grundsätzlich ist es mir lieber, ein Projekt wird sauber geplant, bevor man einen Schnellschuss macht, der dann vielleicht keinen Erfolg hat.

-Stichwort Verkehr: Ist es überhaupt noch möglich, die Fahrzeugflut in der Flößerstadt zu bändigen?

Helmut Forster: Unser Verkehrsproblem wird durch die Großprojekte natürlich nicht kleiner, ganz im Gegenteil. Wenn man es sich aber genau ansieht, haben wir ein wirkliches Problem nur zweimal am Tag: Vor Arbeitsbeginn und am Feierabend ist es jeweils zwei Stunden lang schlimm. Am Vormittag und Nachmittag ist das Problem nicht so gravierend.

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-Welche Lösungen verfolgt die Kommune?

Helmut Forster: Viele Möglichkeiten sehe ich in unserer Stadt ehrlich gesagt nicht. Es hilft nichts, das schönzureden. Vor einigen Jahren lagen mehrere Varianten für eine Entlastungsstraße auf dem Tisch, die aber allesamt nicht den Nutzen-Kosten-Faktor erreicht haben, um eine Chance auf Förderung zu haben. Vielleicht merken aber die Wolfratshauser, dass wir eine Stadt der kurzen Wege sind und lassen das Auto mal öfter stehen. Trotzdem müssen wir gemeinsam mit unseren Nachbarkommunen sowie Bund und Land Lösungen für unsere Stadt suchen.

-In Wolfratshausen findet sich kaum ein freier Fleck: Kann man überhaupt noch neue Unternehmen anlocken?

Helmut Forster: Es gibt auf jeden Fall eine große Nachfrage nach Grundstücken in der Stadt. Aber Sie sagen es ja selbst: Viel Platz haben wir im Gewerbegebiet nicht mehr. Wenn ein Unternehmer eine Fläche von sagen wir 5000 Quadratmetern braucht, muss ich ihm sagen, dass wir die nicht haben. Ich denke, dass wir den bereits ansässigen Betrieben die Möglichkeit geben müssen, sich auf ihrem Standort zu vergrößern. Deshalb ist der Beschluss sinnvoll, dass Aufstockungen im Gewerbegebiet künftig möglich sind. Das Wichtigste ist in meinen Augen die Pflege und die Förderung bestehender Betriebe.

-Was genau ist Ihre Aufgabe als Wirtschaftsreferent des Stadtrates?

Helmut Forster: Da zitiere ich die Referentenordnung: Die Referenten haben „ausschließlich gemeindliche Interessen wahrzunehmen, arbeiten eng mit dem Bürgermeister und der Verwaltung zusammen und verstehen sich als Mittler zwischen Stadtrat, Verwaltung sowie Bürgern und Interessensverbänden“. So sehe ich mich, als Vermittler zwischen allen Interessensgruppen.

-Das klingt wie das Aufgabenprofil des City-Managers, der seit Februar im Amt ist. Bilden Sie mit Dr. Stefan Werner eine Doppelspitze in puncto Wirtschaftsförderung?

Helmut Forster: Nein, definitiv nicht.

-Sondern?

Helmut Forster: Zum einen leiste ich ein Ehrenamt, der City-Manager macht diese Arbeit hauptberuflich. Zum anderen ist er nicht nur für die Wirtschaft, sondern insgesamt für die Marke „Wolfratshausen“ zuständig. Ich sehe mich in der Referentenrolle als Zuarbeiter des City-Managers. Vor einigen Tagen haben wir zum Beispiel eine Rundfahrt durch das Gewerbegebiet gemacht, bei der ich Herrn Dr. Werner in einigen Firmen vorstellen konnte.

-Wenn sie einen Wunsch frei hätten – welcher wäre das?

Helmut Forster: Mein sehnlichster Wunsch, als Wirtschaftsreferent und ganz persönlich, ist, dass wir endlich aufhören zu jammern. Wir leben in einer so tollen Stadt, aber schimpfen unaufhörlich. Das verdient Wolfratshausen nicht. Mein Credo lautet: Wenn es Probleme gibt, setzt man sich zusammen und löst sie gemeinschaftlich. Wir haben doch alles, was man braucht – eine gute Infrastruktur, fast Vollbeschäftigung, Schulen, Vereine und Freizeitmöglichkeiten. Wir haben zwar kein Isar-Kaufhaus mehr, aber sonst fast alles. Und anstelle des alten Isar-Kaufhauses findet sich sicher ein interessantes Nachfolgegeschäft.

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