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Meterhoch durch die Manege: Rosalie Adler probt mit den Artisten ihren Spagatsprung auf dem Russischen Barren.

Auftritt bei Unicef-Kindergala

Spagat unter der Zirkuskuppel

Ihre Hände greifen nach den Stoffbahnen, die wie Seile von der Decke des Kinderzimmers hängen. Ein paar Sekunden später baumelt Rosalie Adler, die Beine im Spagat gestreckt, kopfüber an ihrem Vertikaltuch in der Luft. Mühelos wickelt das Mädchen den lila Stoff um Arme und Beine. Kurz darauf sitzt die elfjährige Wolfratshauserin einen Meter über dem Boden in ihrem Tuch – wie in einem Kokon – und fängt an zu erzählen.

Wolfratshausen – Heute Nachmittag darf Rosalie zusammen mit 13 anderen Mädchen und Buben im Alter von sechs bis zwölf Jahren im Circus Krone in München auftreten. Diese Kindergala organisiert unsere Schwesterzeitung „tz“ zugunsten der Spendenaktion „Hilfe für Haitis Kinder“ in Kooperation mit der Hilfsorganisation Unicef. Dabei unterstützen die Kinder die Artisten des Circus Krone bei ihrem Originalprogramm. Rosalie ist eins davon.

Mit einem Akrobatik-Video haben sich die Freundinnen beworben

„In den vergangenen drei Jahren habe ich bei der Gala schon immer zugeschaut“, sagt das Mädchen mit dem dunklen Pferdeschwanz. „Heuer habe ich mich beworben – und es hat geklappt“, freut sie sich. „Für die Bewerbung musste ich ein Zirkusbild malen und einen Brief schreiben“, erklärt die Sechstklässlerin. Gemeinsam mit ihrer Freundin Laetitia aus Ammerland hat sie außerdem ein Video aufgenommen, in dem das Duo seine Akrobatik-Künste zeigt. Anfang Februar haben beide eine Zusage bekommen.

Russischer Barren statt „Sky Angels“

Kurz darauf sind die Mädchen, die im Kloster Schäftlarn zur Schule gehen und dort nicht den normalen Sportunterricht, sondern die Akrobatik-Klasse gewählt haben, zum ersten von fünf Probetagen nach München gefahren. „Dort haben wir die Artisten kennengelernt und ausgemacht, wer bei welcher Nummer dabei sein darf“, erzählt die Wolfratshauserin. Eigentlich wollten die Freundinnen mit den „Sky Angels“ durch die Lüfte fliegen. Rosalie ist jetzt aber am Russischen Barren gelandet, weil sich ein anderes Mädchen dieses Turngerät nicht zugetraut hat.

Springen wie auf einem Trampolin

Der Russische Barren ist eine Art Schwebebalken aus Fiberglas, der von zwei Männern gehalten wird. Auf der zehn Zentimeter breiten, biegsamen Stange „kann man springen wie auf einem Trampolin“, erklärt Rosalie. „Ich fand, dass das cool aussah und habe dann getauscht“, meint die Elfjährige. „Höhenangst habe ich ja nicht.“ Balance und eine gute Haltung sind auf dem Barren besonders wichtig. Kein Problem für die sportliche Schülerin: Seit acht Jahren tanzt sie Ballett, außerdem geht sie reiten und macht Eiskunstlauf. Verwunderlich ist daher auch ihr Berufswunsch nicht: „Entweder gehe ich zum Zirkus, oder ich mache irgendwas mit Sport“, sagt sie.

Aufregung und Freude

Rosalie kam von Anfang an gut mit dem Barren zurecht. Großen Anteil daran hat die Artistin, mit der sie turnt. „Die ist sehr nett und hat mir gute Tipps gegeben“, sagt die Elfjährige. Trotz aller Vorbereitung ist Lampenfieber dabei, wenn sie am Nachmittag die Manege betritt – vor den Augen ihrer Familie und ihrer Schulklasse. „Ich bin schon ziemlich aufgeregt“, gibt Rosalie zu, während sie sich aus dem Vertikaltuch löst und die Füße wieder auf den Boden stellt. „Aber ich freue mich riesig darauf.“

Von Magdalena Höcherl

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