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„Unsere Aufsichten werden dafür sorgen, dass es ruhig bleibt“: Stefanie Kastner, Vorsitzende des Vereins „Surfing Wolfratshausen“, bemühte sich, die Sorgen der Anwohner zu zerstreuen.

Wellenreiter rühren die Werbetrommel

Teure Surfwelle: So werben die Initiatoren für ihr Herzensprojekt

Gut 90 Bürger kamen zur Info-Veranstaltung des Vereins „Surfing Wolfratshausen“. Vorsitzende Stefanie Kastner warb mit Herzblut für ihr Projekt - eine Surfwelle in der Loisach.

Wolfratshausen – Die Wellenreiter übten sich in Optimismus: „Das wird super“, „wird schon“ und „das bringt sehr viel für die Stadt“ hörte man von den Unterstützern der Surfwelle. Allerdings steht die Zukunft des Projekts noch in den Sternen. In einer Info-Veranstaltung am Donnerstagabend im Wirtshaus Flößerei warben die Initiatoren für ihr Herzensprojekt. Über 90 Interessierte – darunter Bürgermeister Klaus Heilinglechner sowie Stadträte verschiedener Fraktionen – hörten aufmerksam zu.

Der Bau der Anlage in einem Seitenarm der Loisach in Weidach wird deutlich teurer als ursprünglich geschätzt. „Wir wissen, dass die aktuellen Zahlen das Scheitern bedeuten können“, streute Stefanie Kastner, Vorsitzende des Vereins „Surfing Wolfratshausen, den Besuchern keinen Sand in die Augen. Knapp 675 000 Euro müssen für die künstliche Welle laut Kostenberechnung auf den Tisch gelegt werden. „Von der Leader-Förderung der EU bekommen wir bereits 172 000 Euro“, erklärte Kastner. Zusätzliche 110 000 Euro aus demselben Topf sind der Stadt laut Tourismusförderin Gisela Gleißl in Aussicht gestellt worden. 60 000 Euro Spenden hat der Surf-Verein in den vergangenen Monaten gesammelt. Blieben unterm Strich für die Flößerstadt rund 330 000 Euro. Zuzüglich eines jährlichen Betriebskostenzuschusses in Höhe von 5000 Euro – 15 Jahre lang.

Was die Kommune dafür bekommen könnte, erklärte Kastner – und räumte mit einigen Vorurteilen auf. Für die Bürger der Stadt sei die künstliche Welle „eine große Bereicherung“. In der Nähe der Floßlände in Weidach würden „ein zusätzliches Sportangebot und ein Aufenthaltsort entstehen, an dem Begegnung stattfindet“. Rettungsschwimmer von DLRG und Wasserwacht könnten in der Anlage Rettungseinsätze bei Wellengang üben.

Kommentar zur Surfwelle Wolfratshausen: „Den Sprung ins kalte Wasser wagen“

Der eigens für das Projekt gegründete Verein würde den Betrieb der Welle finanzieren. „Nach unseren Berechnungen werden dafür pro Jahr 50 000 Euro anfallen“, sagte Kastner. Die Surfer wollen die Ausgaben mit Mitgliedschaften der Sportler, Sponsoren und Veranstaltungen refinanzieren.

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Die Sorge, dass die Anwohner durch das neue Angebot viel Lärm und Müll ertragen müssten, teilt Kastner nicht. „Surfen ist ein naturverbundener Sport. Da bleibt kein Müll liegen und selbst wenn, werden wir und unsere Helfer dort aufräumen.“ Sie ist sicher: „Der Platz wird nie so schmutzig hinterlassen, wie er derzeit ist.“ Laute Musik und Geschrei müssten die Nachbarn nicht fürchten. „Unsere Aufsichten werden dafür sorgen, dass es ruhig bleibt.“ Zusätzliche Parkplätze sind für das Projekt nicht geplant. „Sportler schaffen es, zehn Minuten mit dem Brett unter dem Arm zu Fuß zu gehen“, sagte Kastner. Bei vergleichbaren Surfwellen gebe es auch keine eigens dafür angelegten Pkw-Stellflächen.

Auf die Frage nach der Haftung und Sicherheit, erklärte Kastner, dass „das Verletzungsrisiko nicht größer ist als bei anderen Sportarten“. Man wolle mögliche Risiken so gut es geht schon im Vorfeld ausschließen. „Vor Ort wird außerdem immer ein ausgebildeter Rettungsschwimmer aufpassen“, betonte sie. Für die Haftung habe der Verein bereits Angebote „von drei namhaften Versicherungen“ vorliegen.

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Eine Besucherin fragte, wie der Verein – sollte es denn zum Wellenbau kommen – für das neue Angebot werben möchte. „Wir stehen der Stadt bei dieser Frage gerne zur Seite“, erklärte Kastner. Sie sieht die Kommune, die Bauherr der Welle wäre, in der Werbe-Verantwortung, da die Loisachstadt „viele Experten dafür“ an der Hand hätte. Einen möglichen Slogan entwarf ein älterer Zuhörer spontan: „Wolfratshausen ist dann nicht mehr nur Internationale Flößer-, sondern auch Surferstadt.“

Der Landtagsabgeordnete der Grünen, Hans Urban aus Eurasburg äußerte eine Idee, wie man die hohen Ausgaben für den Bau stemmen könnte: „Wenn Wolfratshausen das Geld ausgeht, kann man vielleicht eine interkommunale Lösung anstreben.“ Urban sprach sich klar für das Projekt aus: „Es wäre sehr schade, wenn das scheitert.“

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Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen) bedankte sich beim Verein „Surfing Wolfratshausen“ ausdrücklich für den großen Einsatz und die Vorarbeit. „Ich finde es ein tolles Projekt“, sagte er. Dennoch trat er auf die Euphoriebremse: „Es stehen noch Entscheidungen des Stadtrates und des Leader-Aktionskreises im Landkreis aus. Man wird sehen, wie es weitergeht.“ Der Stadtrat muss am 12. Februar entscheiden, ob die Kommune 330 000 Euro investiert – oder das 2012 angestoßene Projekt scheitert.

Dominik Stallein

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