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Viel Ärger gab es um die XXXLutz-Filiale auf der Münchner Theresienhöhe. Es war die erste Niederlassung der Österreicher in Deutschland.

Neues Haus in Wolfratshausen

XXXLutz statt Möbel Mahler: Erinnerungen werden wach

Wolfratshausen - XXXLutz hat die Immobilie von Möbel Mahler gekauft. XXXLutz... war da nicht was? Doch, die Österreicher haben auf der Münchner Theresienhöhe ein paar Jahre eine Filiale betrieben. Es gab einige Nebengeräusche – sowohl bei ihrer Ankunft als auch bei ihrem Abschied.

Georg Wäsler von Verdi ist ein alter Haudegen. Seit Jahrzehnten macht er sich für die Rechte von Arbeitnehmern stark. Der Mann kennt sämtliche Winkelzüge der Gegenseite. Doch die Vorgehensweise der österreichischen Lutz-Gruppe war wohl die härteste, der er je begegnet ist. „Das hat mit österreichischem Charme gar nichts zu tun, im Gegenteil“, sagt er. „Das Verhalten ist knallhart, zentralistisch, feudalistisch.“

"Betriebsräte brauche ich nicht, Gewerkschaften kenne ich nicht"

In bester Erinnerung ist Wäsler der Oktober 2004, als die Inhaber, die Brüder Seifert, zur ersten Betriebsversammlung luden. Kurz zuvor hatte XXXLutz das Karstadt Möbelhaus auf der Theresienhöhe als ersten Standort in Deutschland übernommen, und die Stimmung schien prächtig. Am Eingang gab es zur Begrüßung sogar Mozartkugeln. Das Brüderpaar war geradezu überschwänglich, weil ihm der Schritt nach Deutschland gelungen war. Und dann fiel ein Satz, der die künftige Marschrichtung vorgab. Er lautete: „Betriebsräte brauche ich nicht, Gewerkschaften kenne ich nicht.“

2004 wurde Karstadt von XXXLutz übernommen

Was das bedeutete, erfuhren die Mitarbeiter konkret bei einer der folgenden Betriebsversammlungen. Den Mitarbeitern wurden laut Wäsler neue Bedingungen diktiert, unter anderem die Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 37,5 auf 42 Stunden. Wer mitmachte, sollte auf die linke Seite gehen, wer nicht mitmachte, auf die rechte. Von den 400 Karstadt-Mitarbeitern blieb etwa die Hälfte bei XXXLutz – sie fanden sich mit den neuen, weitaus härteren Bedingungen ab.

2013 macht XXXLutz in München wieder dicht

Das Projekt Theresienhöhe ging schief. Nach einigen Jahren zeigte sich, dass dort, mitten in der Stadt, kein Geschäft zu machen war. Zu klein war die Ausstellungsfläche, zu begrenzt die Möglichkeit, Möbel zu lagern. Im Oktober 2013 zog die Unternehmensführung die Reißleine und schloss das Haus von einem Tag auf den anderen. 160 Mitarbeitern wurde Knall auf Fall gekündigt, der Betriebsrat erfuhr erst am Tag vorher vom Ende des Standorts.

150 Mitarbeiter XXXLutz-Mitarbeiter klagen vor Gericht

Den Mitarbeitern vermittelte Lutz nach Angaben von Verdi-Mann Wäsler das Gefühl, unerwünscht zu sein. Man änderte über Nacht den Eintrittscode, so dass niemand mehr ohne weiteres hineinkam. Wer persönliche Unterlagen aus seinem Spind oder der Umkleidekabine holen wollte, musste sich an den Sicherheitsdienst wenden, der plötzlich vor der Tür stand. Und: Für den Abverkauf, der wenige Tage später begann, engagierte Lutz Mitarbeiter aus anderen Filialen. Betriebsrat und Gewerkschaft waren verärgert, hatten aber keine Handhabe.

Die Richterin wundert sich über das Unternehmen

Die Sache endete vor Gericht. Weil es nicht gelang, einen Sozialplan durchzusetzen, verhandelte das Münchner Amtsgericht 150 Klagen. Die Stimmung während der Prozesse war aufgeheizt, die Richterin ratlos. Sie erklärte, dass man den ganzen Vorgang nur „mit Verwunderung zur Kenntnis nehmen“ könne. Auch war es unmöglich, das XXXLutz-Konstrukt zu durchschauen. An wen waren die Forderungen konkret zu richten? Das Hauptunternehmen wies jede Verantwortung von sich, die zuständige Tochterfirma war mittellos. Das Ende vom Lied: „Nach monatelangen Streitereien wurden unterdurchschnittliche Abfindungen bezahlt“, sagt Georg Wäsler.

Das Haus an der Theresienhöhe steht immer noch leer

Übrigens: Das Haus an der Theresienhöhe steht immer noch leer. Es ist inzwischen an einen Hamburger Investor verkauft worden. Das ehemalige Lutz-Areal soll in naher Zukunft im großen Stil zum „Forum Schwanthalerhöhe“ umgebaut werden. Gedacht ist an eine bunte Mixtur aus Handel, Gastronomie und öffentlichen Nutzungen. Ein Möbelhaus soll dort nicht mehr hin.

Volker Ufertinger

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