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Notunterkunft am Fuß des Wolfratshauser Bergwalds: Die Zimmer in der Obdachloseneinrichtung müssen künftig doppelt belegt werden, kündigt Caritas-Mitarbeiterin Ines Lobenstein an.

„Das ist furchtbar für die Menschen“

Zahl der Obdachlosen steigt

Wolfratshausen – Wenn die Temperaturen sinken, drehen die meisten einfach die Heizung auf. Diesen Luxus haben Menschen, die auf der Straße leben, nicht. Die Zahl der Wohnungslosen im Nordlandkreis steigt – und die Plätze in den Unterkünften der Kommunen sind begrenzt.

13 Einzelzimmer hat das Obdachlosenheim an der Münchner Straße in Wolfratshausen. „Die sind alle voll“, sagt Caritas-Mitarbeiterin Ines Lobenstein im Gespräch mit unserer Zeitung. In Zukunft werden in der Unterkunft am Fuß des Wolfratshauser Bergwalds mehr Menschen Platz finden müssen. „Wir werden damit beginnen müssen, die Zimmer doppelt zu belegen“, kündigt Lobenstein an. Den Wohnraum mit der eigenen, kleinen Küche und einem Bad müssen sich dann zwei Bewohner teilen. Der Grund: Es werden immer mehr Frauen und Männer obdachlos.

„Bei dem Mietniveau vor Ort ist es für viele schwer, eine eigene Wohnung zu finanzieren“, berichtet Lobenstein. Einige dieser Personen würden zwar von Freunden aufgefangen, bei denen sie eine Zeit lang unterkommen – eine Langzeitlösung sei das aber in den seltensten Fällen. Auf Dauer hilft nur eine eigene Wohnung. Die finden manche Betroffene allerdings nur schwer. Der Weg endet dann in der Obdachlosigkeit. „Das ist furchtbar für die Menschen“, weiß Lobenstein. Wenn es so weit kommt, kümmert sich die Caritas-Mitarbeiterin in Wolfratshausen um diese Menschen. Die Obdachlosen leben dann – für überschaubare Unterkunftskosten – in dem erst vor einigen Jahren von der Kommune gebauten Haus an der Münchner Straße. Meistens für längere Zeit. Lobenstein: „Es ist unglaublich schwierig, aus dieser Situation herauszukommen.“ Günstiger Wohnraum ist begehrt. So begehrt, dass selbst die Hausbewohner, die eine eigene, kostengünstige Bleibe finanzieren könnten, nur selten eine Wohnung finden. „Wir haben oft keine Idee, wie wir diesen Menschen Wohnraum verschaffen sollen“, berichtet Lobenstein „Im vergangenen Jahr haben wir nur eine Person vermitteln können.“

Auch in Geretsried mehr Wohnungssuchende 

In Geretsried läuft das etwas besser. „Wir versuchen im Notfall, Ferienwohnungen und andere möblierte Zimmer zu vermitteln“, sagt Caritas-Mitarbeiterin Christine Pechmann. „Oftmals gehört einfach Glück mit dazu.“ In der Notunterkunft an der Jeschkenstraße ist derzeit nur eines der sechs Zimmer belegt. „Aber das ist eine Momentaufnahme. Es gibt auch Zeiten, in denen deutlich mehr Menschen dort unterkommen.“

Insgesamt steigt auch in Geretsried die Zahl der Wohnungssuchenden. „Das merken wir schon, dass wir deutlich mehr Beratungsgespräche mit Menschen führen, die dringend eine Wohnung suchen“, berichtet Pechmann. Vor allem seien häufig junge Erwachsene zwischen 18 und 21 Jahren betroffen. „Die können sich die Mieten einfach nicht leisten.“

Klassisches Landstreicher-Bild eher selten

Dank der Obdachlosen-Einrichtungen müssen diese Menschen in Wolfratshausen und Geretsried nicht auf der Straße leben. „Das gibt es fast nicht in unserer Region“, betont Christian Neubert, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion (PI) Wolfratshausen. Im Zuständigkeitsbereich der PI habe es lange keinen Einsatz gegeben, weil ein Obdachloser im Freien übernachtet hat. Das „klassische Bild“ eines Landstreichers, der mit seinem kargen Besitz auf der Straße lebt, sei in der Region äußerst selten. „Gelegentlich gibt es höchstens Fälle, in denen Betrunkene auf einer Parkbank schlafen“, sagt Neubert. Wird aus diesem Grund die Polizei verständigt, bringt eine Streife den Betroffenen entweder nach Hause – bei einem zu hohen Alkoholpegel verbringt er die Nacht in der Ausnüchterungszelle der Polizeiinspektion.

Ähnliches berichtet der Geretsrieder Polizei-Chef Walter Siegmund. „Ich kann mich an keinen solchen Fall erinnern.“ Zwar habe es vor einigen Jahren einen Gesellschaftsaussteiger gegeben, der in den Isarauen lebte. „Das war aber mehr oder weniger freiwillig“, sagt Siegmund. Wenn Passanten bemerken, dass ein Mensch die Nacht im Freien verbringt, bittet die Polizei darum, sie zu verständigen. „Besonders bei den jetzigen Nachttemperaturen ist das Schlafen unter freiem Himmel richtig gefährlich“, warnt Neubert.

Von Dominik Stallein

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